"Irma" sucht Florida heim: Schwere Schäden, mehrere Tote

Mindestens vier Menschen kamen durch Hurrikan "Irma" ums Leben, der zum Tropensturm herabgestuft wurde. In Jacksonville steht das Wasser hüfthoch. Miami bliebt vom Ärgsten verschont.

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Ein Bild von "Irma" in Miami.
Ein Bild von "Irma" in Miami. – APA/AFP/SAUL LOEB

Der Wirbelsturm "Irma" hat nach seinem verheerenden Zug über den Süden des US-Bundesstaates Florida an Kraft verloren. Der zeitweise als einer der stärksten Atlantikstürme überhaupt eingestufte Hurrikan nahm in der Nacht auf Montag (Ortszeit) mit vergleichsweise geringen Windgeschwindigkeiten von bis zu 135 Kilometern pro Stunde Kurs auf die Metropolen Tampa und Orlando. Mindestens vier Menschen kamen ums Leben. In Kuba sind nach offiziellen Angaben mindestens zehn Menschen gestorben, wurde unterdessen bekannt.

Das US-Hurrikanzentrum berichtete am Montagmorgen Ortszeit, "Irma" werde vom nördlichen Florida mit 30 Kilometern pro Stunde Richtung Georgia ziehen und am Dienstag Alabama erreichen. Dort wird sich der Sturm weiter abschwächen.

Am Montag richteten sich einmal mehr bange Blicke an die Ostküste Floridas und die weiter nördlich gelegenen Küsten der Staaten Georgia und South Carolina. Fernsehbilder zeigten, wie "Irma" Wassermassen hüfthoch in die Stadt Jacksonville in Florida drückte. Den Angaben zufolge müssen auch Küstenorte Orte wie Savannah oder Charleston mit Fluten rechnen.

Zuvor hatte er vor allem an der Westküste der Halbinsel gewütet. Dort wurden Dächer abgedeckt, Straßen überflutet und Bäume entwurzelt. Umgeknickte Strommasten führten zu massiven Stromausfällen. US-Präsident Donald Trump rief für den "Sunshine State" den Katastrophenfall aus.

"Irma" flutete Miami

Am stärksten von "Irma" getroffen wurde der Südwesten des Bundesstaats. In Miami kam der Flugverkehr zum Erliegen. Weil sich der Sturm in Florida mehr westlich in Richtung Golf von Mexiko verlagerte als erwartet, wurde das dicht besiedelte Gebiet rund um Miami nicht direkt getroffen. Doch weil der Wirbelsturm so riesige Ausmaße hat, war er auch in der Metropole an der Südostküste noch deutlich zu spüren: Drei Baukräne kippten um, auf den Wassermassen zwischen Bürogebäuden bildeten sich Wellen mit Schaumkronen. Die Hochhäuser standen wie Inseln in den Fluten und schwankten im Sturm. "Man fühlt sich wie auf einem Schiff", sagte der Bewohner eines Apartments im 35. Stock per Telefon.

Nach Angaben der Zeitung "Miami Herald" stand das Wasser in den Straßen bereits am Sonntagabend (Ortszeit) rund einen Meter hoch. Auch das Bankenviertel Brickell war betroffen. Auf zahlreichen Bildern und Videos war zu sehen, dass heftige Stürme das Wasser in die Stadt drückten und große Straßen zu reißenden Flüssen machten.

US-Medien schilderten aus mehreren Städten an der Ostküste Floridas Überfälle, viele der Täter seien bewaffnet. Die Polizei von Miami meldete 28 Festnahmen von mutmaßlichen Plünderern. Der umliegende Bezirk hatte eine Ausgangssperre bis 7.00 Uhr Ortszeit verhängt. In der Stadt Weston wurde nach Angaben verschiedener lokaler Medien ein 17 Jahre alter Dieb von einem Sicherheitsbeamten angeschossen.

Meeresspiegel stieg in 90 Minuten um mehr als zwei Meter

Auch an der Golfküste stieg der Spiegel des Ozeans vor Naples innerhalb von nur 90 Minuten um mehr als zwei Meter an. US-Präsident Trump kündigte an, möglichst bald nach Florida reisen zu wollen, um sich ein Bild von den Schäden zu machen. Mehr als 12.000 Flüge von und nach Florida wurden abgesagt.

Mit rund 6,5 Millionen Menschen war rund ein Drittel der Bevölkerung Floridas zum Verlassen ihrer Häuser aufgefordert worden. Viele Menschen suchten bei Verwandten in anderen Teilen des Landes Schutz, Notunterkünfte waren zum Teil überfüllt. Rund 4,5 Millionen Haushalte und Unternehmen waren ohne Strom.

Der Weg von Hurrikan
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Der Weg von Hurrikan
Der Weg von Hurrikan "Irma" – APA

"Noch einmal davongekommen"

"Ich habe das Gefühl, dass wir noch einmal davongekommen sind", sagte Jonathan Brubaker aus Bradenton südlich von Tampa. Der 51-Jährige hat in seinem verbarrikadierten Haus an der Westküste ausgeharrt, Taschenlampen und Kerzen immer griffbereit. Er werde noch bis Montagfrüh (Ortszeit) warten, bis er sich schlafen lege. "Dann haben wir es hoffentlich geschafft."

Auch die Rettungskräfte wollten mit ihren Einsätzen bis Tagesanbruch warten, sagte der Chef des Katastrophenschutzes, Bryan Koon, der Zeitung "Miami Herald". Dann erst könne man auch das Ausmaß der Schäden abschätzen und die Zahl der Toten für den ganzen Bundesstaat bekanntgeben.

Auf seinem Weg zu der Inselkette zwischen Kuba und dem US-Festland hatte "Irma" in der Karibik mindestens 28 Menschen das Leben gekostet. Kleinere Inseln wurden praktisch vollständig verwüstet, Kuba von elf Meter hohen Wellen getroffen.

"Irma" ist breiter als Florida

"Irma" ist breiter als die Halbinsel Florida. Dadurch drückte der Sturm das Wasser an der Westseite zunächst von der Golfküste weg. Bilder zeigten leere Hafenbecken, andernorts hatte sich das Wasser meterweit von der Strandpromenade entfernt. Die Meteorologen warnten aber, dass das Wasser in einer Art gewaltigen Schaukelbewegung zurück an die Westküste kommen würde. Von Fort Myers bis hoch nach Tampa bereiteten sich die dort verbliebenen Menschen auf das Schlimmste und bis zu 4,5 Meter hohe Sturmfluten vor.

'Irma': Vor dem Hurrikan kam die Ebbe

Auch in Nachbarstaaten Floridas wurde der Notstand ausgerufen. Für einige Gebiete im Süden von Georgia galten Hurrikanwarnungen. In Alabama mobilisierte Gouverneur Kay Ivey vorsorglich die Nationalgarde. Auch mehr als 600 Kilometer vom Auge des Sturms entfernt sorgte "Irma" noch für tropensturmartige Winde, hieß es vom Hurrikan-Warnzentrum.

Die versicherten Schäden in den USA könnten zwischen 20 und 40 Milliarden Dollar liegen, erklärte der Fachdienst Air Worldwide am Montag in einer aktualisierten Schätzung. Auch die Ratingagentur Moody's und der weltgrößte Rückversicherer Münchener Rück gehen von erheblichen Schäden für die Branche aus.

(Ag/Red.)

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