China: Totale Überwachung im Klassenzimmer

Müde oder gelangweilt? Mit einem Gesichtserkennungssystem will eine Schule die Konzentration ihrer Schüler kontrollieren.

Durch die Überwachung sollen die Schüler noch motivierter im Unterricht sein.
Durch die Überwachung sollen die Schüler noch motivierter im Unterricht sein.
Durch die Überwachung sollen die Schüler noch motivierter im Unterricht sein. – Sina

George Orwell lässt grüßen: Einmal kurz unaufmerksam oder schläfrig? Eine Schule in der ostchinesischen Hafenstadt Hangzhou will im wahrsten Sinne des Wortes ein genaues Auge auf ihre Schüler werfen. Während des Unterrichts überwachen ab sofort Kameras den Gesichtsausdruck der Jugendlichen - und somit deren Haltung zum Unterricht.

Die Künstliche Intelligenz habe "große magische Fähigkeiten", heißt es in einem Bericht des Nachrichtenportals Sina. Sie soll genau aufzeichnen, wie oft die Schüler pro Tag fröhlich, traurig, verärgert, überrascht oder müde sind; was sie tun, wenn sie gerade nicht aufmerksam sind; wie Konzentration und Schulerfolg zusammenhängen. Die Informationen speist das Programm mit dem sperrigen Namen "Intelligentes Managementsystem zum Klassenzimmerverhalten" in eine Computer-Grafik.

"Bevor die Kameras eingeführt wurden, habe ich manchmal geschlafen oder andere Dinge gemacht", berichtete ein Schüler chinesischen Medien. "Nun spüre ich immer, wie die Himmelsaugen mich anstarren." Daran, nicht mehr aufzupassen, denke nun keiner seiner Klassenkollegen mehr. Doch nicht nur die Schüler sollen so motiviert werden, sagte der Direktor der Schule. Das System soll auch die Methoden der Lehrer kontrollieren.

 

Eine Grafik veranschaulicht, wie sich die Schüler während des Unterrichts gefühlt haben.
Eine Grafik veranschaulicht, wie sich die Schüler während des Unterrichts gefühlt haben.
Eine Grafik veranschaulicht, wie sich die Schüler während des Unterrichts gefühlt haben. – Sina

Sekundenschnelle Gesichtserkennung

Auf der chinesischen Kurznachrichtenplattform Weibo gingen die Wogen hoch: Das Überwachungssystem sei "widerlich", schrieb ein Nutzer. Technologie sei da, um den Menschen zu helfen, nicht, um sie zu überwachen, kommentierte ein anderer.

Dabei plant die chinesische Regierung viel mehr als nur die Überwachung der jungen Bevölkerung. Peking will ein Gesichtserkennungssystem entwickeln, das jeden seiner 1,3 Milliarden Bürger in drei Sekunden identifizieren kann. Mit neunzigprozentiger Wahrscheinlichkeit sollen Kameras Aufnahmen von Passanten mit den Fotos in den Personalausweisen zusammenführen.

So experimentiert die südchinesische Stadt Shenzhen mit einem Programm, das Fußgänger, die bei Rot über die Straße gehen, ausmachen soll. Langfristig will die kommunistische Führung diese Daten in ein "gesellschaftliches Bonitätssystem" einspeisen. Mehr Punkte bedeuten Vorzüge im Gesundheitswesen, bei der Kreditvergabe oder im Studium. Wer unter einen gewissen Wert fällt, der droht sogar, den Job zu verlieren.

>>> Bericht auf "Sina" (chinesisch).

(maka)

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