Bündnis für Frieden: "Chemnitz ist weder grau noch braun"

Ein Bürgerbündnis und Außenminister Maas rufen dazu auf, für die Demokratie einzutreten. Für heute Abend ist eine Großdemonstration gegen Fremdenfeindlichkeit angekündigt - erwartet werden Proteste von Rechtsextremen.

Plakat vom Bündnis von Bürgern, Unternehmen und Wissenschaftern aus Chemnitz
Plakat vom Bündnis von Bürgern, Unternehmen und Wissenschaftern aus Chemnitz
Plakat vom Bündnis von Bürgern, Unternehmen und Wissenschaftern aus Chemnitz – REUTERS

Ein Bündnis von Bürgern, Unternehmen und Wissenschaftern aus Chemnitz hat die Bewohner der Stadt zu mehr Engagement für ein friedliches Miteinander aufgerufen. Vor der angekündigten Großdemonstration gegen Fremdenfeindlichkeit und erwarteten Protesten von Rechtsextremen forderte auch Außenminister Heiko Maas (SPD), für die Demokratie einzutreten.

Das Bündnis veröffentlichte am Samstag etwa in der Chemnitzer "Freien Presse" oder der "Süddeutschen Zeitung" großformatige Anzeigen mit dem Aufruf "Chemnitz ist weder grau noch braun". Zu den Unterzeichnern gehören zahlreiche in Chemnitz ansässige Firmen.

Nicht mit "Hass, Gewalt, Intoleranz, Wegschauen" leben

Chemnitz habe "seine guten Seiten und seine Probleme", heißt es in dem Aufruf. Die Stadt könne aber nicht mit "Hass, Gewalt, Intoleranz und vor allem Wegschauen" leben. In den vergangenen Jahren sei aus einer grauen Stadt ein buntes, lebenswertes Chemnitz geworden. "Wir müssen und wollen uns wieder einschalten, damit aus bunt nicht braun wird." Vor allem wolle das Bündnis zeigen, das die Mehrheit in der Stadt "demokratisch und offen denkt". Diese Verantwortung müsse jeder übernehmen.

Vor 79 Jahren habe der Zweite Weltkrieg begonnen, schrieb Maas auf Twitter anlässlich des Jahrestages. Deutschland habe unvorstellbares Leid über Europa gebracht. "Wenn heute wieder Menschen mit Hitlergruß durch die Straßen ziehen, bleibt unsere Geschichte Mahnung und Auftrag, entschlossen für Demokratie einzutreten."

In der Nacht auf Sonntag war ein 35-jähriger Deutscher getötet worden. Zwei Männer aus Syrien und dem Irak sitzen deswegen in Untersuchungshaft. Darauf kam es zu Demonstrationen, an denen sich gewaltbereite Rechtsextreme beteiligten sowie zu Angriffen auf Ausländer. Bei Auseinandersetzungen zwischen Rechten und Linken wurden mehrere Menschen verletzt.

In Chemnitz werden eine Woche nach ausländerfeindlichen Ausschreitungen mehrere Tausend Menschen zu Kundgebungen erwartet. Die AfD hat zu einem Trauermarsch in Gedenken an den getöteten Deutschen aufgerufen. Auch die rechte "Bürgerbewegung Pro Chemnitz" hat eine Demonstration angekündigt. Unter dem Motto "Herz statt Hetze" wollen mehrere Vereine, Gewerkschaften, SPD, Grüne und Linke eine Gegenkundgebung veranstalten. Die Polizei wird mit einem Großaufgebot im Einsatz sein.

(APA/AFP/Reuters)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Lesen Sie mehr zum Thema
Meistgekauft
    Meistgelesen