Warum Chinesen nicht mehr nach Schweden reisen sollen

Eine schwedische Satiresendung über chinesische Touristen löst in China eine Welle der Empörung aus. Peking reagiert: Und stellt Reisewarnungen aus.

APA/AFP/YURI CORTEZ

Eine Auseinandersetzung über chinesische Touristen in Stockholm hat zu schweren diplomatischen Verstimmungen zwischen Schweden und China geführt. Und wurde zuletzt durch eine schwedische Satiresendung befeuert. Unter dem Motto, "Wie man Chinesen in Schweden willkommen heißt", erstellte die Sendung einen Verhaltenskodex für chinesische Touristen in einem scherzhaft gemeinten "Informationsvideo".

So gelte es als "No Go", sein Geschäft vor einem historischen Ort zu verrichten. Damit nahmen die Satiriker Bezug auf Vorurteile, dass chinesische Touristen auch in der Öffentlichkeit ihre Notdurft verrichten. Ebenso sollten Chinesen Hunde nicht mit ihrem Mittagessen verwechseln. Chinesische Internetnutzer und Medien reagierten empört auf das Video.

"Schweden kann nicht mehr zwischen richtig und falsch unterscheiden", lautete ein weit geteilter Kommentar auf der Plattform Weibo. "Sie nehmen Flüchtlinge auf, als wären sie Familie, doch diesen Migranten fehlt es an Moral (...) und die schwedische Regierung ist zu ängstlich, um etwas zu unternehmen. Sie schimpft lieber über Chinesen..."

Auch der Sprecher des Außenministeriums Geng Shuang kritisierte die Scherzsendung. Sie sei diskriminierend, voreingenommen, provokant und verstoße gegen professionelle Medienethik.

Dalai-Lama-Besuch ein Zufall?

Für besonderen Unmut in China sorgte auch, dass auf einer Karte in der TV-Sendung Taiwan und Tibet nicht als chinesisches Territorium ausgewiesen waren. Heftig im Internet diskutiert wurde zudem, dass Chinesen in dem Video als "Rassisten" bezeichnet werden. Schweden hingegen sei eine multikulturelle Gesellschaft, die Menschen ungeachtet ihrer Herkunft gleich behandelte - außer sie kämen aus China.

Die Macher der Sendung machten sich auch über einen Vorfall Anfang September lustig. Eine dreiköpfige Familie war ein paar Stunden zu früh in einem Stockholmer Hostel angekommen. Sie durfte zunächst in der Lobby warten, bis das Personal sie bat, das Gebäude wieder zu verlassen. Die Auseinandersetzung um die Check-in-Zeit eskalierte. Die Polizei räumt die Lobby schließlich gewaltsam. "Das ist Mord. Das ist Mord", zeigen Videoaufnahmen den Sohn während des Polizeieinsatzes schreien. In einem anderen Video sind die drei auf dem Boden liegend zu sehen, während die Mutter auf Chinesisch "Helft mir!" ruft.

Die Gräben zwischen China und Schweden sind mittlerweile dermaßen tief, dass die chinesische Regierung in den vergangenen Wochen gleich zwei Reisewarnungen für Schweden ausstellte. Seit April sei es vermehrt zu Raubüberfällen auf Chinesen gekommen, hieß es darin. Chinesische Staatsbürger würden vermehrt schlecht von der schwedischen Polizei behandelt.

Bemerkenswert an der Aufregung ist, dass sich der Vorfall in dem Hotel zwar schon Anfang September ereignete. Der mediale Aufschrei brach in China allerdings erst zwei Wochen später aus - nach dem Besuch des Dalai Lama, des geistlichen Oberhaupts Tibets.

(me)

Die Presse - Testabo

Testen Sie jetzt „Die Presse“ und „Die Presse am Sonntag“ sowie das „Presse“-ePaper und sämtliche digitale premium‑Inhalte 3 Wochen kostenlos und unverbindlich.

Jetzt 3 Wochen testen
Meistgekauft
    Meistgelesen
      Kommentar zu Artikel:

      Warum Chinesen nicht mehr nach Schweden reisen sollen

      Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
      Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.