Hunderttausende Berliner marschieren gegen Rassismus

Mehr als 240.000 Menschen gingen am Samstag unter dem Motto "unteilbar" für eine offene Gesellschaft auf die Straße - weit mehr als erwartet.

"Unteilbar" ist ein Bündnis aus tausenden Vereinen, Verbänden und Organisationen.
"Unteilbar" ist ein Bündnis aus tausenden Vereinen, Verbänden und Organisationen.
"Unteilbar" ist ein Bündnis aus tausenden Vereinen, Verbänden und Organisationen. – APA/AFP/DAVID GANNON

Mancherorts wirkte die Veranstaltung eher wie eine große Party, als eine Demonstration: Technomusik tönte aus Boxen, mit Glitzer beschmierte Menschen tanzten und tranken Bier. Mindestens 242.000 Menschen haben am Samstag in Berlin für eine offene und solidarische Gesellschaft, gegen Ausgrenzung und Rassismus demonstriert. "Sagt es laut, sagt es klar, wir sind alle unteilbar", skandierte die Menschenmenge am Samstag bei der Kundgebung.

Diese sei "ein Erfolg", erklärte das Bündnis "Unteilbar" mit Blick auf die geschätzte Teilnehmerzahl. Erwartet worden waren 40.000 Teilnehmer. Später war von 150.000 die Rede, am späten Samstagnachmittag wurde deutlich nach oben korrigiert. Belastbaren Zahlen zufolge hätten mindestens 242.000 Menschen gegen einen Rechtsruck in Deutschland demonstriert, erklärte das Bündnis.

"Unteilbar" ist ein Bündnis aus tausenden Vereinen, Verbänden und Organisationen. Dem Bündnis schlossen sich etliche kirchliche Organisationen, Wohlfahrtsverbände, Gewerkschaften und Parteien an. Unter anderem SPD-Politiker und Pro Asyl hatten zur Teilnahme an der Veranstaltung aufgerufen. Unterstützt wird das Bündnis außerdem von Wissenschaftern, Intellektuellen und Künstlern, wie dem Satiriker Jan Böhmermann und der Band "Die Ärzte". Die Demonstration war dementsprechend bunt: Hilfsorganisationen wie Brot für die Welt und Amnesty International waren vertreten; aber auch Parteien wie die Linke, die Grünen und die Marxistisch-Leninistische Partei Deutschlands sowie feministische und von Migranten organisierte Gruppen.

 

Es kam zu keinen Zwischenfällen. – APA/AFP/JOHN MACDOUGALL

"Appellieren an die Zivilgesellschaft, nicht die Politik"

"Wir appellieren hier heute gar nicht so sehr an die Politik, sondern wir appellieren hier heute an die Zivilgesellschaft", sagte Bündnissprecherin Theresa Hartmann der Nachrichtenagentur AFP. "Die Leute müssen merken: Wir müssen selbst etwas bewegen, damit sich etwas ändert."

Auf Plakaten war etwa zu lesen "Seenotrettung ist kein Verbrechen". Auch an die Opfer der rassistisch motivierten NSU-Morde erinnerten Teilnehmer mit Bannern. Zu Zwischenfällen kam es nicht, teilte die Polizei am Nachmittag mit. Bisher sei die Kundgebung störungsfrei verlaufen. Bei der Abschlusskundgebung wollten auch die Liedermacher Konstantin Wecker sowie Herbert Grönemeyer auftreten.

Zuvor hatte unter anderem auch SPD-Chefin Andrea Nahles zur Teilnahme an der Kundgebung aufgerufen. "Wir müssen Gesicht zeigen für eine solidarische Gesellschaft, für unseren Sozialstaat, für ein friedliches und respektvolles Miteinander", erklärte sie am Samstag. Auch ihr Parteikollege, der deutsche Außenminister Heiko Maas brachte seine Unterstützung zum Ausdruck. Es sei "ein großartiges Signal, dass so viele auf die Straße gehen und klare Haltung zeigen", sagte er den Zeitungen der Funke Mediengruppe (Samstagsausgaben). Eine gesellschaftliche Vielfalt bei Herkunft, Hautfarben, Religionen und Lebensstil sei eine Bereicherung, keine Bedrohung.

Eine weitere Demonstration gegen Rassismus, Diskriminierung und Nationalismus fand am Samstag zudem in Frankfurt am Main statt. Dort stand die Kundgebung unter dem Motto "Wirsindmehr".

(APA/AFP)

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