Papst beugt sich Peking ein weiteres Mal

Franziskus holte überraschend den bereits emeritierten Bischof Tong - zumindest vorübergehend - aus dem Ruhestand zurück. Er gilt als regimefreundlich.

Bischof Tong gilt als Ko-Architekt eines umstrittenen Abkommens zwischen Vatikan und China.
Bischof Tong gilt als Ko-Architekt eines umstrittenen Abkommens zwischen Vatikan und China.
Bischof Tong gilt als Ko-Architekt eines umstrittenen Abkommens zwischen Vatikan und China. – (c) REUTERS (Tyrone Siu)

Wien/Hongkong. Der Papst traf am Dienstag eine überraschende Personalentscheidung für Hongkong. Er holte den bereits emeritierten Kardinal John Tong Hon zurück aus dem Ruhestand an die Spitze der Diözese der chinesischen Sonderverwaltungszone. Tong, der die Diözese von 2009 bis 2017 leitete, soll zumindest vorübergehend den verstorbenen Bischof Michael Yeung Ming-cheung ersetzen.

Mit der Wahl des 79-Jährigen überging Franziskus den eigentlich für die Nachfolge vorgesehenen Weihbischof Joseph Ha Chi-shing. Dieser bekäme normalerweise im Fall des Todes oder Rücktritts des Diözesanbischof die Verantwortung als interimistischer Diözesanleiter.

Tong gilt im Gegensatz zu Ha als pekingfreundlich und Ko-Architekt eines umstrittenen Deals: Der Vatikan anerkannte im September sieben von Peking ohne die Zustimmung des Papstes ernannte Bischöfe. Damit stieß er Chinas Untergrundkatholiken, die sich von der staatlich kontrollierten Kirche abgewandt haben, vor den Kopf.

Papst Franziskus verteidigt umstrittenes Abkommen

Der vatikanische Pressedienst Asianews gab Befürchtungen wieder, die Ernennung Tongs zum Apostolischen Administrator für Hongkong solle China entgegenkommen. Nach anderen Stimmen sei Tong eine neutrale Wahl für eine Übergangszeit. Damit bleibe der 59-jährige Weihbischof Ha ein möglicher Kandidat für die ordentliche Nachfolge.

Papst Franziskus hatte am Montag beim Neujahrsempfang für das Diplomatische Corps im Vatikan die Unterzeichnung der Vorläufigen Vereinbarung zwischen dem Heiligen Stuhl und der Volksrepublik China über die Ernennung der Bischöfe in China erneut verteidigt. Das Abkommen sei Ergebnis "eines langen und überlegten institutionellen Dialogs, durch den es gelungen ist, einige stabile Elemente der Zusammenarbeit zwischen dem Apostolischen Stuhl und den zivilen Behörden festzulegen".

Die ohne päpstliches Mandat geweihten offiziellen Bischöfe in China seien jetzt in die volle kirchliche Gemeinschaft wieder aufgenommen und "eingeladen, großzügig für die Versöhnung der chinesischen Katholiken und für einen neuen Schwung in der Evangelisierung zu arbeiten".

(APA/red.)

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