Gesunkener Weltkriegs-Flugzeugträger im Südpazifik gefunden

Das Wrack der USS Hornet liegt in rund 5300 Metern Tiefe bei den Salomonen im Nordosten von Australien. Von diesem Schiff aus startete der legendäre "Doolittle-Raid" auf Japan im April 1942. Im Oktober 1942 wurde sie von japanischen Flugzeugen und Zerstörern versenkt.

Die Hornet mit Schlagseite kurz vor dem Sinken, Oktober 1942
Die Hornet mit Schlagseite kurz vor dem Sinken, Oktober 1942
Die Hornet mit Schlagseite kurz vor dem Sinken, Oktober 1942 – U.S. Navy

Der im Zweiten Weltkrieg im Südpazifik gesunkene US-Flugzeugträger "USS Hornet" ist gefunden worden. Das Wrack des Schiffs, das in entscheidenden Schlachten zwischen den USA und Japan zum Einsatz kam, liege in rund 5300 Metern Tiefe auf dem Meeresboden, teilte das vom verstorbenen Microsoft-Mitgründer Paul Allen finanzierte Forschungsteam am Dienstag (Ortszeit) mit.

Der Flugzeugträger war im Oktober 1942 während einer Schlacht gegen die Japaner vor den zu den Salomonen gehörenden Santa-Cruz-Inseln nordöstlich von Australien gesunken. Die Forscher hatten das Wrack schon Ende Jänner mithilfe ihres Forschungsschiffs "Petrel" und der Auswertung von Marinearchivdaten entdeckt.

Das Forschungsteam habe die Hornet finden wollen, weil sie "ein Ort der Geschichte ist als ein Flugzeugträger, der viele Schlüsselmomente in Seeschlachten miterlebt hat", sagte Expeditionsmanager Robert Kraft. Dazu zählt etwa der "Doolittle Raid", der erste und überraschende Luftangriff der USA auf Japan im April 1942. Die Bomber starteten vom Deck der Hornet in großer Entfernung von den japanischen Heimatinseln und landeten mit großer Mühe an der Küste Chinas.

Sonaraufnahme der Hornet auf dem flachen Meeresgrund in 5300 Metern Tiefe
Sonaraufnahme der Hornet auf dem flachen Meeresgrund in 5300 Metern Tiefe
Sonaraufnahme der Hornet auf dem flachen Meeresgrund in 5300 Metern Tiefe – Paul G. Allen’s Vulcan Inc.

Die Forscher der von Allen geführten Such-Expeditionen hatten erst im vergangenen Jahr rund 800 Kilometer vor der australischen Küste das Wrack des Flugzeugträgers "USS Lexington" gefunden. Den jüngsten Fund erlebte Allen nicht mehr: Er starb im Oktober 2018 mit 65 Jahren.

Hier ein Link zu Bildern des Fundes.

Die Hornet (CV-8) war das siebte US-Kriegsschiff dieses Namens und ein Träger der Yorktown-Klasse. In Dienst gestellt im Oktober 1941, war ihre Einsatzzeit bis zur Versenkung am 26. Oktober 1942 mit nur einem Jahr und sechs Tagen rekordverdächtig kurz. Sie war aber auch der letzte große sogenannte "Fleet Carrier" der USA - im Gegensatz zu den weit kleineren "Escort Carriers" (Begleitträger) -, der im Zweiten Weltkrieg, ja überhaupt seit damals verloren gegangen ist.

USS Hornet, Ende 1941 im Atlantik
USS Hornet, Ende 1941 im Atlantik
USS Hornet, Ende 1941 im Atlantik – U.S. Navy

Bei einer Verdrängung von (voll beladen) bis zu 29.000 Tonnen war die Hornet rund 251 Meter lang, maximal 35 Meter breit und machte mit ölbefeuerten Dampfturbinen (Leistung 120.000 PS) bis zu etwa 33 Knoten (61 km/h). An Bord waren bis zu etwa 2900 Mann Besatzung und 70 bis 90 Flugzeuge, an Eigenbewaffnung gab es fast 70 Maschinengewehre, Maschinenkanonen und großkalibrige Kanonen Kaliber 12,7 Zentimeter. Zudem war der Träger teilweise gepanzert.

Der erste Bombenangriff auf Japan

Kurz vor dem japanischen Angriff auf Pearl Harbour bzw. im Pazifischen Raum im Dezember 1941 war die Hornet auf Übungsfahrt im Atlantik vor Virginia. Im März 1942 fuhr sie über den Panama Kanal in den Pazifik ein, legte nahe San Francisco an und übernahm eine ungewöhnliche Bestückung, nämlich 16 Mittelstreckenbomber der Luftwaffe vom Typ North American B-25 "Mitchell", Reichweite etwa 2200 Kilometer. Sie waren gerade noch klein genug, um nicht ganz vollbeladen mit Bomben (normal wären etwa 1300 kg gewesen) und bei Gegenwind von Trägern zu starten, und mit ihnen sollten Oberstleutnant James Harold "Jimmy" Doolittle (1896-1993) und seine Mannen in der ersten Operation dieser Art am 18. April den legendären Doolittle Raid durchführen, gestartet rund 1300 km von Tokio entfernt und damit deutlich entfernter als geplant - doch das ist eine andere Geschichte.

Acht
Acht
Acht "Mitchell"-Bomber Doolittles und mehrere kleinere Flugzeuge auf der Hornet – U.S. Navy

Nach einer vorübergehenden Verlegung in den Südpazifik vor Australien und Nauru nahm sie im Juni 1942 an der kriegsentscheidenden Schlacht bei Midway teil, jenem Atoll in etwa in der Mitte zwischen Nordamerika und Asien, wo sie zusammen mit den Trägern Yorktown und Enterprise (und allerhand Schlachtschiffen, Kreuzern, Zerstörern...) eine riesige japanische Streitmacht um die vier Träger Kaga, Akagi, Hiryu und Soryu sowie zwei leichte Träger überraschte und es zur ersten Seeschlacht kam, bei der einander die gegnerischen Schiffe nicht zu Gesicht bekamen sondern Flugzeuge alles ausfochten und entschieden.

Zwei Staffeln mit Sturzkampfbombern bzw. Torpedobombern der Hornet hatten dabei besonderes Pech, denn die ersteren fanden die Japaner nicht und beim Rückflug ging ihnen der Sprit aus, sodass die Maschinen wassern mussten; die andere Staffel flog in einen dichten japanischen Jagdschirm und wurde komplett abgeschossen.

"Dauntless"-Sturzkampfbomber der Hornet über brennendem japanischen Kreuzer, 6. Juni 1942 – U.S. Navy

Letztlich entschieden vor allem Flugzeuge der Enterprise und Yorktown die Schlacht, als sie die vier großen japanischen Träger in einer für diese taktisch extrem ungünstigen Situation erwischten und versenkten. Auf US-Seite ging die Yorktown durch Luft- und U-Boot-Angriffe verloren. Damit war der kaiserlichen japanischen Flotte das fliegerische Rückgrat gebrochen und Japan fortan in der Defensive.

Zeitweise der einzige Träger

Nach einer mehrwöchigen Reparatur und Auffrischung in Pearl Harbour setzte die Hornet im August 1942 Kurs auf die Salomonen, die damals eigentlich britisch waren. Dort, im Nordosten von Australien bzw. Osten von Neu-Guinea, hatten sich allerdings die Japaner vor Monaten festgesetzt, nachdem ein Versuch, Neuguinea ganz einzunehmen und als Sprungbrett nach Australien zu nützen, gescheitert war. Seither tobten in der Region schwere Land-, Luft- und Seekämpfe.

Die Hornet sollte in der Nähe der am heftigsten umkämpften Salomonen-Insel Guadalcanal postiert werden, und noch während ihrer Fahrt dorthin wurde sie mit einem Schlag zum einzigen aktiven Fleet Carrier der USA im Pazifik, als Enterprise und Saratoga schwer beschädigt aus der Front genommen werden mussten und die Wasp am 15. September sank.

Am 24. Oktober stieß vor den Salomonen, genauer gesagt vor der Inselgruppe Santa Cruz, die Enterprise dazu. Hier ein Link auf Google Maps zur Veranschaulichung der Kampfregion. Beide Träger und ihre Begleitschiffe wurden in Marsch gesetzt, um eine japanische Kampfgruppe mit Ziel Guadalcanal abzufangen.

Am 26. Oktober kam es zum Kampf, der effektiv wieder vor allem mit Flugzeugen ausgefochten wurde. Die japanischen Träger Zuiho und Shokaku wurden (neben anderen Schiffen, etwa dem Schweren Kreuzer Chikuma) schwer beschädigt, doch die Hornet traf es schwerer. Sie steckte in kurzer Zeit mindestens drei Bomben und zwei Torpedos ein, dazu stürzten zwei beschädigte Flugzeuge auf sie. Es folgten Brände, Strom und Antrieb fielen aus, Flugzeuge konnten nicht mehr starten und landen. Der US-Kreuzer Northampton nahm die Hornet in Schlepp und die Reparaturen gingen voran, als japanische Torpedobomber auftauchten, von denen einem ein tödlicher Treffer an Steuerbord gelang.

Flugzeuge attackieren die Hornet vor den Santa-Cruz-Inseln,
Flugzeuge attackieren die Hornet vor den Santa-Cruz-Inseln,
Flugzeuge attackieren die Hornet vor den Santa-Cruz-Inseln, – U.S. Navy

Später folgten noch zwei Bombentreffer. Die Hornet nahm kräftig Wasser und geriet in Schlagseite, und als Berichte über herannahende Feindschiffe kamen, gab Vizeadmiral William Halsey Order, die Hornet aufzugeben und zu versenken.

Letzteres geriet indes zu einer Farce: Angeblich wurde sie von mindestens neun Torpedos von Zerstörern getroffen, doch die meisten davon gingen nicht hoch. Zudem steckte das große sterbende Schiff mehr als 400 Artilleriegeschosse mittlerer Kaliber weg.

Fangschuss durch die "Lange Lanze"

Dann erschienen die Japaner wirklich vor Ort und gaben der Hornet den Rest: Zwei Zerstörer (Makigumo, Akigumo) erwischten sie mit vier der gefürchteten, weil besonders wirksamen Torpedos Modell "Lange Lanze", Kaliber 610 Millimeter. Als die Hornet kurz danach im Pazifik versank, nahm sie laut US-Angaben 140 Gefallene der zu der Zeit etwa 2200 Besatzungsmitglieder mit.

(DPA/WG)

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