Der Lehrer als Entertainer und Moderator

Als Generation Z werden die Geburtenjahrgänge zwischen 1997 und 2012 bezeichnet. Anders als etwa die Generation X, die nach Selbstverwirklichung strebt, wollen die Z-Vertreter Sicherheit. Das prägt auch die Didaktik.

Neue Medien und Social Media spielen im Leben der Generation Z eine große Rolle und sollten entsprechend auch im Unterricht eingesetzt und thematisiert werden.
Neue Medien und Social Media spielen im Leben der Generation Z eine große Rolle und sollten entsprechend auch im Unterricht eingesetzt und thematisiert werden.
Neue Medien und Social Media spielen im Leben der Generation Z eine große Rolle und sollten entsprechend auch im Unterricht eingesetzt und thematisiert werden. – (c) Getty Images/iStockphoto (ViewApart)

Selbstbewusst und entscheidungsfreudig, so sieht der deutsche Sozial-, Bildungs- und Gesundheitswissenschaftler Klaus Hurrelmann die Generation Z. Zudem ist sie politisch wieder stärker interessiert und mischt sich ein. „Wir sehen das an der Bewegung ,Fridays for Future‘. Die Generation Z will sich einbringen, weil sie sieht, dass bisherige Lösungskompetenzen enden wollend sind“, sagt Franz Rauch, Vorstand des Instituts für Unterrichts- und Schulentwicklung an der Universität Klagenfurt. Besonders dominant sei der Faktor Sicherheit: „Ist die Generation Y auf Abenteuer und Herausforderung aus, so setzt die Generation Z auf Sicherheit und Verbindlichkeit“, erläutert Bernhard Heinzlmaier, Vorsitzender des Instituts für Jugendkulturforschung.

Das alles wirkt sich auf den didaktischen Umgang mit den jungen Menschen aus. Frontalunterricht wird sie nicht mehr einfangen können, weil sie sich schnell langweilen. „Aus diesem Grund muss die Didaktik auf starke Medienstimulation abstellen und eine abwechslungsreiche Wissensvermittlung anbieten“, sagt Heinzlmaier. Praktische Anwendungen müssten den Unterricht dominieren, die Wissensvermittlung in Zehn-Minuten-Blöcken verabreicht werden.

 

Kontext und Nutzen gefragt

Das stellt allerdings das Lehrpersonal vor besondere Herausforderungen, das vor allem Lernprozesse in den Mittelpunkt des Unterrichts rücken sollte. „Auch fachliches Lernen gelingt besser, wenn es in den Erfahrungskontext von jungen Menschen gestellt wird und gesellschaftlich relevante Entwicklungen aufgreift“, sagt Rauch. Wissen ohne Anwendung sei träges Wissen und motiviere auch die Schüler nicht sonderlich, ist Marko Lüftenegger, Psychologe am Zentrum für LehrerInnenbildung und am Institut für Angewandte Psychologie der Universität Wien, überzeugt: „Es geht um Fragen der Nützlichkeit für das spätere Leben. Das wirkt auf die Generation Z motivierend.“ Der Lehrer muss einerseits nützliche Inhalte vermitteln, andererseits einen interessanten Unterricht gestalten. „Die Generation Z will unterhalten werden.“ Langeweile werde nicht toleriert.

„Der Lehrer der Zukunft muss ein guter Entertainer sein und praktisches Wissen glaubwürdig vermitteln können“, erklärt Heinzlmaier. Und die Generation Z brauche einen Rahmen, in dem sie sich und ihre Ideen unter Vorgaben frei entwickeln kann.

 

In Themenfindung involvieren

Projektarbeiten sind bereits vielfach Teil des Unterrichts, doch auch da müsse sich etwas weiterentwickeln, und zwar insofern, dass die Generation Z mehr in die Themenfindung und Gestaltung von Lernprozessen involviert werden sollte, rät Rauch. Das Lehrpersonal müsse zudem offen sein für erarbeitete Lösungen der jungen Menschen und sich manchmal auch auf die Rolle des Moderators zurückziehen können.

Was diese Abläufe künftig massiv beeinflusst, ist die Nutzung der neuen Medien. „Das Wissen, wie beispielsweise motivationsförderlicher Unterricht gestaltet werden sollte, gibt es schon seit Jahrzehnten. Die Anwendung von neuen Medien lässt sich hier auch sehr einfach inkludieren. Dieses Wissen wurde aber in der Ausbildung der Lehrkräfte lang nicht verpflichtend ins Curriculum aufgenommen“, sagt Lüftenegger.

 

Umgang mit neuen Medien

Was Lehrkräfte definitiv brauchen, ist mehr Wissen über das Handling von neuen Medien, über Social Media und die Herausforderungen der Industrie 4.0. „Da geht es bei Weitem nicht nur um technische Aspekte, sondern darum, wie man sicherstellen kann, dass junge Menschen Informationen kritisch bewerten und Fakten von Fake News unterscheiden können“, sagt Lüftenegger. Dass an Schulen Handys und Computer beziehungsweise Notebooks oder Tablets konsequent verboten werden, werde Probleme im Umgang damit nicht lösen. „Diese Aspekte unseres täglichen Lebens sollten auch in der Schule berücksichtigt werden“, sagt der Experte.

Web:https://jugendkultur.at/

https://ius.aau.at/de/

https://psychologie.univie.ac.at

 

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2019)

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