Des Schauspielers neue Kleider

Ob Ritterrüstung, große Kleider, Nadelstreifenanzug oder Punk-Outfit: Kostümbildner sorgen für die passende Kleidung der Schauspieler und Sänger. Die Wege zum Beruf sind unterschiedlich.

Kostümbildner sind auch für die Konzeption der Bühnenoutfits verantwortlich.
Kostümbildner sind auch für die Konzeption der Bühnenoutfits verantwortlich.
Kostümbildner sind auch für die Konzeption der Bühnenoutfits verantwortlich. – (c) M.Ritter

Luigi Cherubinis „Medée“ in der Inszenierung von Simon Stone feierte vor wenigen Tagen Premiere bei den Salzburger Festspielen. Der Regisseur transponiert die Handlung der Oper in die heutige Zeit, dementsprechend spiegeln die Kostüme seine Interpretation wider: Die Sänger tragen Polizeiuniformen und Lederjacken, die in starkem Kontrast zu ausladenden Samtkleidern stehen, wie man sie aus klassischen Theaterinszenierungen kennt.

Die Garderobe trägt dazu bei, ob ein Film als authentisch empfunden wird und ob ein Theaterstück seine Wirkung erreicht. In Rücksprache mit dem Regisseur fertigen Kostümbildner Skizzen und Entwürfe an, sie entscheiden, ob auf Kostüme aus dem Fundus zurückgegriffen oder bestehende Kostüme umgearbeitet werden. Sie kümmern sich um den organisatorischen Ablauf, kalkulieren die Material- und Herstellungskosten und überwachen die Fertigung der Kostüme in Schneidereien.

 

Hauptsache Teamplay

„Es ist nicht das Ziel, Kostümideen als Schneider umzusetzen, sondern diese konzeptionell zu denken, Kostüme zu entwerfen und in dramaturgische Abläufe einzubinden“, sagt Mignon Ritter, die am Salzburger Mozarteum am Department für Bühnen- und Kostümgestaltung unterrichtet und selbst als Ausstatterin, also Bühnen- und Kostümbildnerin, tätig ist.

Das Hauptfach Bühnenbild im achtsemestrigen Studium Bühnengestaltung umfasst die Bereiche Bühnen- und Kostümbild, Film- und Ausstellungsarchitektur. Bei der Aufnahmeprüfung muss eine Werkmappe vorgelegt werden, um kreative Potenziale auszumachen, wichtiger aber sei die kommunikative Fähigkeit der Studierenden. „Die wichtigste Arbeit des Kostümbildners ist, ein Teamplayer zwischen Regie, Bühne, Darstellern und den Kostümwerkstätten zu sein.“ Aber auch an den berühmten Soft Skills darf es Kostümbildnern nicht mangeln. Ritter plaudert aus dem Nähkästchen: Eine Darstellerin sollte eine Hose als Kostüm tragen, doch sie fühlte sich unwohl darin und wäre beinahe nicht aufgetreten. „In so einem Fall heißt es, zu überzeugen, flexibel zu reagieren und gemeinsam Lösungen zu finden.“

Wie in Salzburg ist das Studium Bühnengestaltung an der Wiener Universität für angewandte Kunst kein klassisches Kostümbildnerstudium. Zwar werden Fähigkeiten wie Schnittzeichnen, Moulage und Bekleidungstechnik vermittelt, das Hauptaugenmerk liegt aber auf Setdesign und Bühnenbild. Trotzdem könne man durchaus auch nach dem Abschluss in Richtung Kostümbild gehen, sagt Bernhard Kleber von der Abteilung Bühnen- und Filmgestaltung. Mit dem Vorteil, besser aufgestellt zu sein als nach einer klassischen Schneiderlehre: „Als Bühnenbildner Ahnung von Kostümen zu haben oder umgekehrt, als Kostümbildner die Fähigkeit erlernt zu haben, theatrale Räume zu konzipieren, kann in beruflicher Hinsicht von Vorteil sein“, sagt Kleber. „Wenn eine Person beides abdeckt, sparen sich die Theater viel Geld. Nicht allen Theatern geht es finanziell so gut wie der Wiener Staatsoper oder den Salzburger Festspielen.“ Das klassische Bild des Kostümbildners, der ein Kostüm für einen Star wie Anna Netrebko erfindet, das für 3000 bis 5000 Euro von Hand genäht wird, gebe es nur an wenigen Häusern.

„Es braucht ein Out-of-the-box-Denken“, meint Ute Ploier. Die Modedesignerin leitet den Bachelor- und Masterstudiengang Fashion and Technology an der Kunstuniversität Linz. Zwölf bis 16 Studierende werden dort jährlich aufgenommen; sie bekommen alle Fertigkeiten vermittelt, die auch ein normales Modestudium bietet. Linz punktet darüber hinaus mit Internationalität und neuen Zugängen: Japanische Drappagekünstler oder Designer, die Strickateliers in Paris betreiben, lehren Fertigungstechniken, Schnittsysteme und den Umgang mit modernen Technologien, vom traditionellen Stricken bis zum 3-D-Druck. Zwar sei man auch hier nicht auf Kostümbild spezialisiert, aber Ploier sieht das Studium als Basis für jene, die Mode anders denken möchten. Daher stehen auch Kunst- und Kulturgeschichte, Modetheorie und Gender Studies auf dem Lehrplan. Die Studenten beschäftigen sich mit Geschlechterrollen und neuen ästhetischen Alternativen: „Das sind Themen, die durchaus für zeitgenössische Theater relevant sein können.“

 

Kontakte früh knüpfen

Im Berufsalltag arbeiten Regisseure oft mit denselben Bühnen- und Kostümbildnern zusammen. Das ist nachvollziehbar: Man kennt einander, hat eine ähnliche Auffassung von Theater. Zum Beispiel der italienische Regisseur Damiano Michieletto, der mit seinem Bühnenbildner Paolo Fantin wiederkehrende Erfolge feiert. Oder der französische Regisseur Vincent Boussard, der sich mit Christian Lacroix sogar einen französischen Modeschöpfer als Kostümbildner an die Seite geholt hat. Mignon Ritter rät schon möglichst bald, bestenfalls bereits im Studium, Kontakte zu Regisseuren zu knüpfen. Die Chance, mit aufstrebenden Regisseuren zu lukrativen Angeboten zu kommen, ist um ein Vielfaches höher als im Alleingang.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.08.2019)

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