Ferien: Hilfe, wohin mit meinen Kindern?

Der Verkehr in der Stadt wird weniger, die Schlangen an den Supermarktkassen werden kürzer. Doch die neun Wochen Sommerferien haben nicht nur ihr Gutes. Für berufstätige Eltern ist diese Zeit oft ein Drahtseilakt.

Hilfe, wohin mit meinen Kindern?
Hilfe, wohin mit meinen Kindern?
Hilfe, wohin mit meinen Kindern? – Die Presse

Für die Kinder ist es der Start in die große Pause, für die Eltern beginnt am Schulschlusstag kurz nach der Zeugnisverteilung erst der richtige Stress. Die Sommerplanung für den Nachwuchs muss da freilich längst stehen, und wenn die Eltern nicht gerade selbst Lehrer sind und somit nicht mehr als zwei oder drei Wochen Urlaub nehmen können, kann der Sommer recht lang werden. Die Auswahl für Kinderbetreuung in den Ferien ist mittlerweile groß, immerhin 400österreichweite Angebote finden sich auf der kürzlich von Familienministerin Sophie Karmasin präsentierten Betreuungsplattform, der Family-App.

Trotzdem, nicht jede Familie kann sich eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung für den ganzen Sommer leisten, nicht jede Familie hat Großeltern oder Verwandte, die das Sommerprogramm für die Kinder mitgestalten können. Nicht jedes Ferienlager passt zu jedem Kind. Experten raten daher: viel ausprobieren – und den Kindern nichts aufzwingen und nicht zu viel aufhalsen. Ein Überblick über mögliche Feriengestaltung für Kinder.

Die Win-win-win-Situation: Ferien bei Oma und Opa

Großeltern sind die wichtigste Stütze für viele Familien. Vor allem kleine Kinder genießen die Zeit im großelterlichen regelärmeren Paradies.

Müsste man ein Ranking der besten Sommerbetreuungen machen, die Zeit bei Oma und Opa würde bei vielen am besten abschneiden. Sind sie noch fit und belastbar, spannt man sie gern für die Kinderbetreuung ein – und die gesamte Familie hat etwas davon: Die Eltern wissen ihre Kinder sicher (und günstig) umsorgt, die Großeltern genießen die Zeit mit ihren Enkeln und die Kinder die oft lockeren Regeln bei Oma und Opa. Im Marketingsprech würde man das wohl eine Win-win-win-Situation nennen.

Es sind vor allem die kleinen Kinder unter zehn Jahren, die mehrere Wochen im Sommer bei ihren Großeltern (zuerst bei den einen, dann bei den anderen) verbringen. Viele Eltern erzählen, dass diese Wochen die angenehmsten in der Sommerzeit sind. Weil man seine Kinder bei den eigenen Eltern meist doch am besten aufgehoben weiß. Da nimmt man sogar in Kauf, dass die Kinder dort ein wenig mehr verwöhnt werden, mehr Eis und Schokolade essen dürfen, als eigentlich erlaubt ist, später schlafen gehen und mehr Fernsehen oder auf dem iPad spielen dürfen. Gerade diese Freiheiten und Unterschiede machen die Zeit für die Kinder so paradiesisch. Auch wer keine Großeltern greifbar hat, weil sie weit weg leben, noch berufstätig oder nicht mehr am Leben sind, behilft sich mit einem Netzwerk aus Tanten, Schwestern oder engen Freunden. Das Motto der Kinder: Je mehr Cousinen, Halbgeschwister oder Großnichten zusammenkommen, umso besser.

Patchworkfamilien bieten trotz möglicher negativer Seiten oft noch mehr Kinderbetreuungsmöglichkeiten, allein schon, weil sich nach einer Scheidung die Urlaubszeit mit den Eltern im besten Fall verdoppelt: zwei Wochen Ferien mit dem Vater, zwei weitere mit der Mutter. Niemand wünscht sich eine Scheidung, aber wenn sie einmal durch ist, geben viele Betroffene zu, dass sie zumindest bei der Sommerplanung von Vorteil sein kann. (AWA)

Pfadfinder: Die Erfinder des Sommercamps zelten seit 1907


Auch mehr als hundert Jahre nach ihrer Gründung hat das pädagogische Konzept Baden-Powells noch immer Gültigkeit. von Georg Renner

Einfach die Kinder abgeben, bei der Busabfahrt ein wenig winken und eine Woche später wieder abholen? Das spielt es mit den Pfadfindern eher nicht. Auf ein Pfadfinderlager kommt generell nur mit, wer bzw. wen die Gruppe schon im Lauf des restlichen Jahres – in regelmäßigen Heimstunden– kennengelernt hat.

Die größte Jugendorganisation der Welt hat das Konzept Sommerlager praktisch erfunden, als ihr Gründer Robert Baden-Powell vom 31.Juli bis zum 9.August 1907 mit einer Bubengruppe auf der englischen Insel Brownsea ein Camp veranstaltet hat, bei dem er seine Erfahrungen aus dem Militär weiterggegeben hat.

Das Militärische hat die Organisation, in Österreich sind das 300 Ortsgruppen mit mehr als 8500 Mitgliedern, inzwischen fast zur Gänze abgelegt und durch radikalen Internationalismus ersetzt. Das Programm der Pfadfinderlager hat sich dagegen kaum verändert: Noch immer geht es um Zelten, Kochen, Handwerken, Spielen, Lagerfeuer – und generell viel, viel Outdoorerlebnis. Baden-Powells pädagogisches Konzept dahinter hat sich über mehr als hundert Jahre bewährt: Indem sie vor allem voneinander lernen, sollen die Kinder (in Österreich sind Buben und Mädchen in derselben Organisation) sich zu selbstständigen Persönlichkeiten entwickeln.


Ab zehn im Zelt.
Weil die Pfadfinder vorrangig nach Ortsgruppen organisiert sind, kann man nur wenig Allgemeines zu den Rahmenbedingungen sagen. Allen gemein ist, dass die jüngsten (sieben- bis zehnjährigen) Pfadfinder in einem Haus schlafen, ab zehn wird gezeltet. Die 14- bis 20-Jährigen können auch an Auslandslagern teilnehmen, bei denen sie Pfadis aus aller Welt – nur in sechs Staaten gibt es keine – treffen können. Kosten und Dauer (üblicherweise eine Woche) variieren. Näheres bei jeder Ortsgruppe, die Liste findet sich auf ppoe.at

Das tägliche Abenteuer in der Großstadt


Zahlreiche Organisationen bieten Tagescamps mit unterschiedlichen Schwerpunkten an, vom Urban Gardening über Stadtrundgänge.

Ja, vielleicht hat es etwas vom Alltag außerhalb der Ferien. Aber manchmal geht es eben nicht anders. Und so manche Eltern müssen ihre Kinder zumindest tageweise in Kindergärten und Horten unterbringen. Was etwa in Wien auch kein großes Problem ist, schließlich sind die Einrichtungen auch im Sommer fast durchgehend geöffnet. Kinder, die schon während des Schuljahrs einen Hort besuchen, haben auch im Sommer einen Platz.

Daneben organisieren mehrere private Trägervereine auch eigene Aktivitäten außerhalb der Betreuungseinrichtungen. „Kinder in Wien“ (www.kinderinwien.at) veranstaltet etwa an mehreren Standorten Wochen zum Thema Abenteuer Stadt. Für 100Euro können Kinder bei einem Rundgang Sagen und Märchen aus Wien und Umgebung kennenlernen. Sie werden morgens zu einem Treffpunkt gebracht, abends wieder abgeholt, Verpflegung ist inklusive.

In der City-Farm Schönbrunn (www.cityfarmschoenbrunn.org) können Kinder Urban Gardening erproben, die Kinderfreunde Wien (www.wien.kinderfreunde.at) organisieren unter anderem Kurse zum Roboterbauen. Zu entdecken gibt es jedenfalls einiges – bleibt nur noch die Frage, was Kinder am meisten interessiert. Eine Übersicht mit zahlreichen Anbietern von Tagescamps findet sich online unter kinderinfowien.at/kurseadressen/camps.

"Die Großeltern sind natürlich unersetzlich"


Wo sind die Kinder wie lang? Eltern erzählen von ihrer Sommerplanung.

Bei uns läuft der Sommer bunt gemischt ab: drei Wochen alle gemeinsam auf Urlaub im Ausland, drei Sportwochen (Reiten, Tennis, Ballspiele) verteilt über den Sommer in bzw. um Wien mit täglichem Hinbringen und Abholen am Abend. Das ist mit dem Job kompatibel, aber auch nicht gerade billig – in Summe kostet das rund 700Euro pro Kind. Und drei Wochen im Hort (das ist ein öffentlicher Hort der Stadt Wien und hat im Sommer nur drei Tage zu).
Vater von zwei neunjährigen Volksschul-Zwillingsmädchen


Eine Woche Jungscharlager, eine Woche Reitercamp, zwei Wochen gemeinsamer Urlaub, zwei Wochen bei den Omas, eine Woche untertags mit Freundin allein im Bad, eine Woche gemeinsamer Urlaub in Bad Vöslau, eine Woche tageweise Betreuung.
Mutter einer 13-Jährigen


In den ersten zehn Lebensjahren unserer Tochter haben wir immer nur eine Woche gemeinsam mit Mann und Kind im Sommer geurlaubt, eine zweite Woche dann ich mit Kind und wiederum eine dritte Woche mein Mann separat mit ihr, um so zumindest zwei statt drei Wochen Elternurlaub zu generieren. Wenn beide Partner in Führungsfunktionen sind, gibt es keinen Zeitausgleich und Homeoffice ist (ausgenommen für einzelne Stunden) nicht drin.
Mutter einer Tochter

Die Großeltern sind natürlich unersetzlich! Und: Bewährt haben sich Feriencamps, aber auch Sommer- bzw. Zeltlager (Jungschar) sowie Sportangebote im Rahmen des Ferienspiels der Stadt Wien, obwohl dort Outdoorangebote bei Schlechtwetter entfallen.
Vater dreier Kinder von 10 bis 18
Zwei Wochen Urlaubsreise mit uns. Jeweils zwei Wochen bei den Großeltern, eine Woche Trainingslager Basketball und der Rest wird mit tageweiser Betreuung in Wien erledigt. Ich finde, dass ihm alles auf die eigene Art etwas bringt. Kontakt mit älteren Menschen und Werten, sportliche Aktivität mit Gleichaltrigen, der Urlaub mit uns (!) und die Vorbereitungswoche in Wien zum Ankommen und Vorbereiten für die Schule.
Mutter eines Sohnes


Frühzeitige Planung ist für mich wichtig, damit ich auch die Ferienangebote bekomme, die ich für die Kids möchte. Dieser Sommer sieht zum Beispiel so aus: Die ersten beiden Ferienwochen bei Oma im Garten, eine Woche Segelkurs am Neusiedlersee gemeinsam mit uns, zwei Wochen mit Opa in Mallorca, zwei Wochen Ferien mit uns, heuer in Österreich, die letzten Jahre in Griechenland oder Italien, eine Woche Optikurs zusätzlich am Neusiedlersee, beaufsichtigt vom Opa, und die letzte Woche macht die Tochter einen Kurs in rhythmischer Gymnastik und der Sohn einen Leichtathletikkurs. Meiner Meinung nach gibt es jede Menge Angebote. Die Kosten belaufen sich zwischen 100 und 300 Euro pro Woche – das alles geht also ganz schön ins Geld! Ohne zusätzliche Hilfe ist es für die meisten schwer zu finanzieren. Es gibt auch Gratisangebote der Stadt Wien.
Mutter eines Sohnes und einer Tochter


Als meine Kinder noch kleiner waren: Großeltern, Tenniscamps, Reitercamps. Tageweise auch Freunde. Drei Wochen Urlaub mit ihnen, manchmal sogar vier. Wäre ich nicht geschieden, wäre es gar nicht gegangen. Ich hatte in der Regel drei Wochen Urlaub, mein Exmann zwei.
Mutter von zwei erwachsenen Kindern

Adressen und Links

Die Family-App
bietet einen Überblick über 400 Sommerbetreuungseinrichtungen in Österreich. Die App ist seit April für Apple- und Android-Geräte kostenlos erhältlich.

Ferienspiel
Für jene, die in den Ferien nicht wegfahren, gibt es in Wien das Ferienspiel mit tageweisen Programmpunkten, vom Backstage-Besuch im ORF über Tanzkurse bis zu Taekwondo für Kleinkinder. Viele Kurse sind auch gratis. Infos: www.ferienspiel.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 29.06.2014)

Kommentar zu Artikel:

Ferien: Hilfe, wohin mit meinen Kindern?

Sie sind zur Zeit nicht angemeldet.
Um auf DiePresse.com kommentieren zu können, müssen Sie sich anmelden ›.

Meistgelesen