Film "Die Welle" nach Vorfällen an burgenländischer Schule gestoppt

Der Film gilt als Maßnahme zur Bewusstseinsbildung zu Totalitarismus. Jugendliche hatten Szenen in den Pausen nachgespielt - dazu seien Beschimpfungen wie "Drecksjuden" gefallen.

Der Fall einer nordburgenländischen Schule, in der einige der Schüler in den Pausen den Film "Die Welle" nachgespielt haben sollen, hat nicht nur Ermittlungen der Justiz nach sich gezogen. Auch das Zeigen des Filmes wurde im Burgenland vorerst gestoppt, wie Bildungsdirektor Heinz Josef Zitz am Donnerstag bestätigte. Zusätzlich werde noch eine entsprechende Information bei den Direktorentagungen im Herbst hinausgehen.

In der Schule sollen laut Tageszeitung "Kurier" mehrere Jugendliche in die Rolle von SS-Männern geschlüpft sein, während andere die Rolle der Juden übernahmen. Dabei soll es zu Beschimpfungen wie "Drecksjuden" gekommen sein. Ein knapp 15-Jähriger soll zudem den Part des "Führers" übernommen und einen dem Hitlergruß ähnlichen Gruß gefordert haben. Anlass war offenbar, dass der Film "Die Welle" im Unterricht behandelt wurde. Die Justiz ermittelt nun wegen NS-Wiederbetätigung nach dem Verbotsgesetz gegen einige Schüler.

Lehrer erstatteten Anzeige

Bei den Jugendlichen handelte es sich laut Zitz um 13- bis 15-Jährige. Zu den Vorfällen sei es im März gekommen. Nach einigen Tagen seien die Lehrer von Schülern auf die Geschehnisse aufmerksam gemacht worden und hätten daraufhin Anzeige erstattet. Von den Vorfällen in den Pausen sollen sie nichts mitbekommen haben. Zu Details wollte sich Zitz nicht äußern.

Jene Lehrkraft, welche den Film mit den Schülern durchgenommen hatte, habe sich nach derzeitigem Wissenstand dienstrechtlich nichts zuschulden kommen lassen. Seitens der Bildungsdirektion sei das Geschehene pädagogisch analysiert und eine Stellungnahme der Schule eingefordert worden.

"Es ist nie etwas passiert"

Zitz betonte, dass der Film bereits seit Jahren im Unterricht gezeigt worden sei. "Es ist nie etwas passiert", sagte der Bildungsdirektor. Um herauszufinden, was dieses Mal anders gelaufen sein könnte, müssten die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft abgewartet werden.

Das Bildungsministerium teilte dazu mit, der burgenländische Landesschulinspektor Erwin Deutsch habe nach seinem Wissensstand "richtig gehandelt" und habe, um kalmierend zu wirken, entschieden, dass der Film aktuell im Burgenland nicht mehr gezeigt werde. Das Werk sei vom Ressort 2008 als eine mögliche pädagogische Maßnahme in Bezug auf Totalitarismus empfohlen worden. Den Fall an sich wollte man nicht weiter kommentieren.

(APA)

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