Kritik von Direktoren an Ziffernnoten

Volksschulen kritisieren, dass Noten künftig spätestens ab der zweiten Klasse wieder Pflicht sind. Andere vermissen ernst zu nehmende Schulautonomie.

Volksschuldirektoren kritisieren die Wiedereinführung der Ziffernnoten.
Volksschuldirektoren kritisieren die Wiedereinführung der Ziffernnoten.
Volksschuldirektoren kritisieren die Wiedereinführung der Ziffernnoten. – (c) Clemens Fabry

Wien. Für einige Volksschuldirektoren ist die Sache klar: Dass in Zukunft spätestens ab der zweiten Klasse Volksschule wieder Ziffernnoten vergeben werden müssen, ist der falsche Weg: In den Stellungnahmen zum Pädagogikpaket der Regierung, das noch bis Freitag in Begutachtung ist, schreiben sie von „Betroffenheit“ und „Sorge“.

„Die gute pädagogische Arbeit der Kollegen bei der Entwicklung der alternativen Beurteilung wird damit auf einen Schlag zunichtegemacht“, schreibt eine Direktorin. „Aus unserem pädagogischen Verständnis ist die Maßnahme nicht nachvollziehbar“ eine andere. Ein Schulleiter wirft Bildungsminister Heinz Faßmann (ÖVP) vor, wissenschaftliche Evidenz zu ignorieren. Und die Schulautonomieplattform Schaumonito kritisiert, dass so „eine Notensystematik beschworen wird, die schon bisher nicht funktioniert hat“ – was sich etwa darin gezeigt habe, dass eine Mehrheit der Volksschüler in den meisten Fächern per Sehr gut als überdurchschnittlich eingestuft worden sei. „Ein Widerspruch in sich, der nicht durch intensivierte Notengebung auflösbar sein wird.“

Die Wiedereinführung der Ziffernnoten führte schon während der Regierungsverhandlungen zu Debatten. So auch nach der Präsentation des Pädagogikpakets vor rund vier Wochen. Dass der Minister im „Standard“ wenig später auf die Frage nach der wissenschaftlichen Basis antwortete, es sei „eine politische Entscheidung“, sorgte für Kritik. Der oberste Pflichtschullehrervertreter, Paul Kimberger, findet die Maßnahme gut.

Konkret sind ab dem kommenden Schuljahr Noten spätestens im Jahreszeugnis der zweiten Klasse Volksschule Pflicht, bisher gab es die Möglichkeit, in den ersten drei Schulstufen auf alternative Beurteilung zu setzen. Abgeschafft wird diese nun trotzdem nicht, im Gegenteil. Schriftliche Erläuterungen sollen ebenso Pflicht sein.

Kritik an zu wenig Autonomie

Nicht nur bei der Beurteilung vermisst die Plattform Schaumonito Entscheidungsfreiräume. Obwohl es vereinzelt Ansatzpunkte für Autonomie gebe, sei das Pädagogikpaket nicht geeignet, „Vertrauen in den Kurs einer ernst zu nehmenden Schulautonomie zu schaffen“.

Noch bis Freitag kann zu dem Reformentwurf, der auch die Möglichkeit von Leistungsgruppen in der Mittelschule und die Wiedereinführung des Sitzenbleibens in Volksschulen beinhaltet, Stellung genommen werden.


[OX18D]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 31.10.2018)

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