Junglehrer: Chaos im ersten Dienstjahr befürchtet

Die Gewerkschaft kritisiert die neue Induktionsphase im Lehramtsstudium. Es dürfte zu wenige Mentoren geben.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Im Herbst kommen erstmals Absolventen der neuen Lehrerausbildung an die Schulen. Sie müssen beim Berufseinstieg zunächst in einer einjährigen Induktionsphase von Mentoren, also speziell ausgebildeten Lehrern, begleitet werden. Wie das funktionieren soll, und ob es dafür genügend Lehrer gibt, sei bis dato unklar, kritisiert die Gewerkschaft.

Bisher war das System ein anderes. In der alten Lehrerausbildung wurden Pflichtschullehrer an den pädagogischen Hochschulen ausgebildet und in intensiven Praxisphasen von Betreuungslehrern an den Schulen begleitet. In der Ausbildung der AHS- bzw. BMHS-Lehrer an den Unis gab es hingegen erst nach Studienabschluss ein einjähriges Unterrichtspraktikum, das bei reduzierter Unterrichtsverpflichtung in Begleitung eines Betreuungslehrers absolviert wurde.

Im neuen System sind speziell ausgebildete Mentoren für die Berufseinführung verantwortlich. Sie sollen dafür einen einjährigen berufsbegleitenden Lehrgang abschließen. Ein Mentor darf maximal drei neue Lehrkräfte betreuen. Er bekommt Extrabezahlung bzw. zwei Stunden angerechnet.

„Ausbildung unattraktiv“

Derzeit gebe es aber kaum Lehrer mit dieser Zusatzqualifikation. „Die Ausbildung ist so unattraktiv, dass das kaum jemand macht“, sagt der oberste Pflichtschullehrergewerkschafter, Paul Kimberger. Tatsächlich haben laut Bildungsministerium in den vergangenen drei Jahren mehr als 600 Lehrer die Zusatzausbildung abgeschlossen. Allerdings haben zuletzt jährlich 5700 Lehramtsstudenten ihr Studium abgeschlossen und drängten an die Schulen. Es dürfte also tatsächlich (auch bei rückgängigen Absolventenzahlen) zu wenig ausgebildete Mentoren geben.

Das könnte weitreichende Folgen für Standorte haben, an denen es keine Lehrer zur Einschulung des Nachwuchses gibt, befürchtet Wiens oberster Pflichtschullehrer-Personalvertreter, Thomas Krebs. Gerade bei Kleinschulen am Land sei das vielfach der Fall. „Es ist die Frage, ob sich die Absolventen dort überhaupt bewerben können“, so Krebs.

Laut Ministerium müssen sich Standorte ohne Mentoren oder Begleitlehrer allerdings keine Sorgen machen: Die Junglehrer seien dabei weder an den Standort noch an ein Fach gebunden, die Betreuung sei deshalb auch an einem anderen Standort möglich.

(APA/j.n.)

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