Mathe-Abitur war zu schwer: Die Schüler protestieren

Deutschland diskutiert über die Mathematikmatura. Die Schüler starteten eine Petition. Die Generation jammere schneller als früher, sagt ein Jugendforscher.

Symbolfoto: Schüler in Deutschland
Symbolfoto: Schüler in Deutschland
Symbolfoto: Schüler in Deutschland – imago/photothek

In Österreich absolvierten die Maturanten heute, Mittwoch, die Mathematikmatura. In Deutschland protestieren die Abiturienten seit Tagen gegen die Mathematikmatura. Die Aufgaben, die beim Abitur vergangene Woche gestellt wurden, seien zu schwer, unverständlich und fernab von dem, was man vorher im Unterricht gelernt hatte, gewesen, so der Vorwurf.

In Bayern, Niedersachsen, Hamburg, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen, Sachsen-Anhalt, Saarland, Bremen und Berlin wurden Online-Petitionen gestartet. Mittlerweile haben Zehntausende Menschen unterschrieben. Für viele Schüler beweist die Größe des Protests, wie die „Süddeutsche Zeitung“ schreibt, auch seine Berechtigung. „Es kann kein Hirngespinst aller Schülerinnen und Schüler sein", steht etwa in der Petition aus Nordrhein-Westfalen geschrieben. Das Abitur sei heuer zu schwer gewesen. Mitunter wird um mildere Benotung gebeten. 

Darüber, ob die Mathematik-Matura heuer in Deutschland tatsächlich (zu) schwierig war, wird derzeit noch eifrig diskutiert. Auch in deutschen Medien. „Jammern die Abiturienten nur?“, fragt die „Bild-Zeitung“ etwa in einem Artikel und lässt darauf Jugendforscher Klaus Hurrelmann (Hertie School of Governance) gleich die Antwort geben: „Die Generation jammert schneller als früher, reagiert emotionaler und sie testet gern aus, was passiert, wenn man sich einfach mal beschwert.“

Sorgen die gleichen Aufgaben für Kritik?

Es sei ein „Aufreger mit vielen Unbekannten“ wird hingegen in der „Süddeutschen Zeitung“ beschrieben. Die Matura ist in Deutschland - anders als in Österreich - nicht zentral. Um die Bildung kümmern sich die Bundesländer. Dennoch hat man bei der Matura vor zwei Jahren einen Schritt in Richtung Zentralisierung gewagt. Es wurde eine gemeinsame Sammlung von Aufgaben, ein sogenannter Pool, geschaffen. Hier können sich alle bedienen und (einen Teil der) Prüfungsaufgaben aus dem Pool nehmen. Die Länder dürfen die gemeinsamen Aufgaben bis 2021 außerdem noch verändern.

Insofern ist es schwer zu sagen, ob sich der Protest, der durch eine Vielzahl von Bundesländern geht, an den selben Mathematikausgaben entzündet. Immerhin könnten den Schüler ja auch sehr unterschiedliche  Beispiele vorgelegt worden sein. 

Politik will „sorgfältig prüfen"

Der Protest hat nun jedenfalls auch bereits die Politik erreicht. Die Kultusminister der Länder wollen, wie es hieß, die Ergebnisse der Mathematikmatura abwarten. Der Sprecher der Kultusministerkonferenz, Torsten Heil, sagte der „Bild"-Zeitung: "Wir können nicht erkennen, wo genau die Schüler Probleme hatten, da die Kritik sehr allgemein gefasst ist."

Bayerns Kultusminister Michael Piazolo (Freie Wähler) sagte, dass er die Proteste der Schüler "sehr ernst" nehme und die Aufgaben „sorgfältig prüfen“ lassen werde. Sein sächsischer Amtskollege Christian Piwarz (CDU) rief zur Gelassenheit auf. "Nach erster Einschätzung unserer Lehrer und der Fachleute aus meinem Haus sind die Aufgaben nicht schwerer gewesen als sonst", sagte er. Die Hinweise würden geprüft, jedoch müsse davon ausgegangen werden, dass das Bildungsministerium von nun an "jedes Jahr mit den gefühlt schweren Abituraufgaben via Twitter" konfrontiert werde.

Auch in Berlin gebe es keine Anhaltspunkte dafür, dass die Prüfung zu schwer gewesen sei. In der Regel würden die deutschen Bundesländer dafür kritisiert, "dass die Abiturprüfungen angeblich zu leicht seien", sagte Bildungssenatorin Sandra Scheeres (SPD).

 

(j.n.)

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