Begabtenförderung: Wenn Motivation kein Ende nimmt

Fördern und fordern, aber nicht "auspowern". Das ist die gute Mischung, die es für Lehrer zu finden gilt. In der HAK Plus versucht man, Unterricht für besonders begabte und engagierte Schüler anzubieten.

Begabtenfoerderung Wenn Motivation kein
Begabtenfoerderung Wenn Motivation kein
(c) Clemens Fabry

Wien (j.n.). Eine Schülerin wie Gisela Szügyi ist „der Traum einer jeden Direktorin und eines jeden Lehrers“, meint Stefanie Battenfeld, die stolze Direktorin der „HAK Plus“ der Vienna Business School. Das wurde Battenfeld spätestens dann bewusste, als sie ihre zukünftige Schülerin zufällig bei deren Rückreise aus England traf. Dort hatte sich die 14-Jährige mittels eines intensiven Englischkurses auf das neue Schuljahr vor bereitet.

Dass Gisela eine besonders motivierte Schülerin ist, bewies sie jedoch bereits zuvor. Beim Ideenwettbewerb „That's my Business: Neue Geschäftsidee gesucht!“ sicherte sie sich ein Schulstipendium des Fonds der Wiener Kaufmannschaft. Dieses deckt die Kosten der fünfjährigen Ausbildung an der HAK Plus in der Wiener Schönborngasse.

Für Gisela ist ein Traum in Erfüllung gegangen: Diese Schule sei anders als alle anderen, ist die Schülerin überzeugt. Tatsächlich ist die HAK Plus eine besondere Schule. Hier versucht man, Unterricht für besonders begabte und engagierte Schüler anzubieten. Zusätzlich zum Lehrplan der klassischen Handelsakademie wird hier auf eine besondere Förderung fachlicher, methodischer, sozialer und persönlicher Kompetenzen Wert gelegt.

Ein Punktesystem für Zusatzleistungen soll die Schüler außerdem dazu motivieren, zusätzlich zur Schule sportlichen und sozialen Aktivitäten nachzugehen. Am Ende des Jahres erhalten die Schüler dafür ein eigenes Zertifikat.

Teilweise seien die Kinder dermaßen ehrgeizig, dass sie von den Lehrern sogar gebremst werden müssten. Obwohl man die Schüler fördern und fordern will, sollten sie sich keineswegs auspowern, so die Direktorin.

 

Gezielte Förderung ist notwendig

Eine derart gezielte Förderung der Besten gestalte sich in „normalen“ Schulen schwieriger. Zwar sei man an vielen österreichischen Schulen bemüht, die individuelle Förderung zu verstärken. Einfach gestalte sich das aber nicht, sagt die Direktorin. Die Möglichkeit der konzentrierten Förderung sei an der HAK Plus hingegen gegeben. Hier fehle das leistungsmäßig untere Segment, jener Teil der Schüler, der durch anspruchsvolleren Unterricht frustriert würde. Besondere Zweige zur Förderung von begabten Schülern hätten deshalb, so Battenfeld, ihre Berechtigung. Als Privatschule habe man dazu auch die dementsprechenden finanziellen Möglichkeiten.

Das ist auch Gisela bewusst. „Die Lehrer in meiner alten Schule waren sehr engagiert, sie konnten aber nicht mehr machen, als die Ressourcen zugelassen haben.“ Allein die gute technische Ausstattung in der neuen Schule lässt Giselas Herz höherschlagen: „Das ist der Traum für einen IT-Freak wie mich.“

Ein Albtraum wäre es für Gisela hingegen, keinen genauen Plan davon zu haben, was sie nach der Matura machen wird. Deshalb hat sich die begabte Schülerin schon gut über das Studienangebot informiert. Von Staatsgrenzen lässt sie sich dabei nur wenig beeindrucken. Das große Ziel: Wirtschaftsrecht im schwedischen Uppsala zu studieren.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 13.09.2010)

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