Studieren und einfach probieren

Eine kreative Idee und der Enthusiasmus, sie zu verwirklichen, motiviert so manchen Studenten, schon während der Ausbildung ein Start-up zu gründen. Das Studium liefert oft Inspiration und Know-how, die Fachhochschule die erste Unterstützung. Drei Beispiele.

StampOwl Co-Gründer Martin Beranek lässt Postkarten verschicken.
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StampOwl Co-Gründer Martin Beranek lässt Postkarten verschicken.
StampOwl Co-Gründer Martin Beranek lässt Postkarten verschicken. – (c) Akos Burg

Studenten lassen den Unternehmergeist vermissen. Statt ein eigenes Unternehmen zu gründen, streben über 80 Prozent nach dem Studium eine unselbstständige Anstellung an. Das sagt der Global University Entrepreneurial Spirit Student s Survey (GUESS) 2016, der für Österreich von der Uni Linz durchgeführt wurde. Die geringe Begeisterung für ein eigenes Unternehmen ist aber kein österreichisches Phänomen, sondern laut GUESS-Studie typisch für hoch entwickelte Länder. Auch typisch ist, dass die Bereitschaft zur Selbstständigkeit nach ein paar Jahren Berufstätigkeit deutlich steigt.

Dennoch gibt es Ausnahmen. So mancher hat schon als Student eine zündende Idee, und den Wunsch, sie umzusetzen. Vor allem an Fachhochschulen, die mit ihrer Nähe zur Wirtschaft generell unternehmerisches Flair versprühen, gedeiht schon während des Studiums so manches hoffnungsvolle Start-up.

Selfie als Postkarte. Ein in mehrfacher Hinsicht geradezu klassisches Beispiel für ein Start-up ist StampOwl. Das beginnt mit der Idee, einer einfachen Lösung für ein Problem, das jeder kennt: Statt im Urlaub mühsam Ansichtskarten mit abgedroschenen Motiven zu schicken, kann man bei StampOwl die eigenen Fotos zur Postkarte machen. Das gewünschte Bild wird per App hochgeladen, das Start-up druckt es in passender Form aus und kümmert sich um den Versand. "Die Idee wurde 2016 im Rahmen eines Start-up Bootcamps geboren", erzählt StampOwl-Mitbegründer Martin Beranek. Der 22-Jährige studiert Business Administration an der FH IMC Krems, die besagtes Bootcamp anbietet.

Gemeinsam mit seinem Studienkollegen James Gale hatte er nach einer Idee gesucht, die ohne große Investitionen umzusetzen war. Obwohl sie kaum mehr als ein Konzept und ein paar Bilder zur Illustration vorzuweisen hatten, gewannen die beiden den Pitch des Bootcamps, womit eine Aufnahme in das Founders Lab der FH verbunden war. In der Folge gab es auch eine kleine Förderung durch den Incubator Accent.

Um ihre Idee umzusetzen brauchten die beiden Wirtschaftsstudenten aber auch Unterstützung in Form von Programmier-Know-how. Ein gemeinsamer Freund, Jakub Zarzycki, kümmert sich um das Backoffice und koordiniert die laufenden Arbeiten an der Android-App. Den Vierten im Bunde, Josef Moser, lernten die Gründer auf der European Innovation Academy in Nizza kennen. Moser hat die iOS-App programmiert, über die man seit Juli um knapp drei Euro seine Foto-Postkarte versenden kann. Die ersten knapp 1000 Kunden hätten viel positives Feedback gegeben, berichtet Beranek. Neben dem Ausmerzen kleinerer Bugs und der Android-App steht auch ein B2B-Service mit gebrandeten Postkarten auf dem Programm.

Beranek kann sich derzeit ganz dem weiteren Aufbau seines Start-ups widmen. Dieses Wintersemester steht nämlich ein Praktikumssemester an, das eigentlich bei einem Unternehmen absolviert werden sollte. Die FH hat aber beschlossen, ausnahmsweise auch die Arbeit an der eigenen Firma die dieser Tage zur GmbH wurde anzuerkennen. Danach werden Beranek und sein Team Plätze im Co-Working-Space der FH beziehen, womit Studium und Start-up auch räumlich gut kombinierbar sind. "Die FH unterstützt uns bei allem", ist Beranek voll des Lobes für seine Hochschule.

Mindestens ebenso positiv spricht er vom Teamgeist bei StampOwl "Wir haben alle die selbe Denkweise." Dass ein Team, das sich gegenseitig motiviert, ein wesentlicher Erfolgsfaktor ist, wird er auch in seine Bachelorarbeit schreiben, die sich mit Gründen für das Scheitern von Start-ups befasst. "Mein ganzes Leben dreht sich um Start-ups", sagt der StampOwl-Gründer. Nach dem Bachelor will er eventuell einen berufsbegleitenden Master anschließen, und auch weitere Business-Ideen verwirklichen. Aber zuerst konzentriert er sich ganz auf das jetzige Unternehmen.

Tonspur nach Wahl. Noch sehr am Anfang ist das Start-up NativeWaves. Wie bei StampOwl war auch hier ein Alltagsproblem Auslöser für die Geschäftsidee, allerdings wurde sie vor drei Jahren im privaten Rahmen geboren, wie Mitbegründer Christof Haslauer berichtet. Beim Filme abend mit Freunden aus dem Ausland wurde klar, was auch sonst im Freundeskreis öfter vorkommt: Verschiedene Personen präferieren verschiedene Sprachfassungen. Und selbst wenn man nur alleine schaut, ist der Film oder die Serie oft nicht in der Sprache, die man wünscht.

Hier will Haslauer Abhilfe schaffen und per Handy jede verfügbare Tonspur zuspielen. Diese Vision hat den Studenten der Informationstechnik & Systemmanagement an der FH Salzburg so fasziniert, dass er und sein Kommilitone und Co-Gründer Oliver Dumböck daraus ein Studienprojekt gemacht haben. Danach haben die beiden auch ihre jeweiligen Bachelorarbeiten der Machbarkeit des Konzepts gewidmet.

Die NativeWaves-Gründer Christof Haslauer (links)  und Oliver Dumböck.
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Die NativeWaves-Gründer Christof Haslauer (links)  und Oliver Dumböck.
Die NativeWaves-Gründer Christof Haslauer (links) und Oliver Dumböck. – (c) Marco Riebler


Technisch funktioniert der Dienst ähnlich wie die Musikerkennung la Shazam ein paar Sekunden des Filmtons genügen, und die App weiß, welcher Film läuft und an welcher Stelle man sich befindet. Danach kann die gewünschte Sprachfassung gestartet werden und zwar lippensynchron, wie Haslauer betont. "Das funktioniert auch bei älteren Smartphones und braucht keine permanente Verbindung", verspricht Haslauer. Während die technischen Aspekte weitgehend gelöst scheinen, sind die lizenzrechtlichen Fragen noch Gegenstand von Verhandlungen.
"Die Lizenzinhaber reagieren durchaus positiv, aber die Verhandlungen sind kompliziert und die Wege lang", berichtet Haslauer. Derzeit wird vor allem mit lokalen Lizenzinhabern wie Kinobetreibern und regionalen Broadcastern verhandelt. Eine Option wäre für Haslauer, das Service auch in Kooperation mit Kinos anzubieten.

Die FH Salzburg hat das junge Start-up, das vor eineinhalb Jahren als GmbH gegründet wurde, sowohl mit Räumlichkeiten als auch mit Beratung und Know-how unterstützt, berichtet Haslauer. Weitere Unterstützung kam von Startup Salzburg, einer Initiative des Landes, dem aws, und dem Salzburger Accelerator Silicon Castels. Das mittlerweile fünfköpfige Team die beiden Techniker haben sich Verstärkung mit Wirtschafts-Know-how geholt will im Laufe des nächsten Halbjahres eine erste Version ihrer App veröffentlichen. Haslauer, der mittlerweile an seiner Masterarbeit schreibt, will sich auch nach dem Studium ganz seiner Vision der individuellen Tonspuren widmen.

Tasche lädt Akku. Einer, der den steinigen Weg zum erfolgreichen Unternehmen bereits hinter sich hat, ist Stefan Ponsold, Gründer von Sunnybag. Das Unternehmen kombiniert Taschen und Rucksäcke mit integrierten oder darauf montierten Solar-Panelen. Die Idee entstand 2008 im Rahmen einer Projektarbeit des Bachelorstudiums Innovationsmanagement an der FH Campus02 in Graz, das Ponsold berufsbegleitend absolvierte. "Die Aufgabenstellung lautete, eine umweltfreundliche Lösung für ein Alltagsproblem zu finden", erinnert er sich. Das Alltagsproblem war der immer leere Akku, die Lösung besagte Solar-Tasche, die auch durch den damaligen Hype um die Freitag-Taschen inspiriert war, wie der Gründer berichtet.

Es folgten erste Prototypen, die mit Unterstützung seines Bruders, einem Tapezierer, selbst gebastelt wurden. Der Freundeskreis war begeistert, und über eine Website wurden erste Exemplare verkauft. "Es gab also einen Markt", berichtet Ponsold. Die Aufnahme in den Science Park Graz stellte 2009 endgültig die Weichen. Ponsold "setzte alles auf eine Karte" und kündigte seinen gut bezahlten und auch durchaus gemochten Job als Produktentwickler in der Industrie. "Aus Drang zur Selbstständigkeit."

Sunnybag-Gründer Stefan Ponsold (zweiter von links) und das Team.
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Sunnybag-Gründer Stefan Ponsold (zweiter von links) und das Team.
Sunnybag-Gründer Stefan Ponsold (zweiter von links) und das Team. – (c) Sunnybag/Florian Rainer

Ein erster größerer Auftrag über 30.000 Euro von Ärzte ohne Grenzen machte die Suche nach einem Produktionspartner notwendig, der in Polen gefunden wurde. Im Jahr 2011 gewann das Unternehmen auch einige renommierte Auszeichnungen zehrte aber trotz beständiger Umsatzsteigerungen von über 50 Prozent finanziell noch an den privaten Reserven des Firmengründers. "Bei Hardware ist die Finanzierung immer eine Herausforderung", sagt Ponsold, der auch vor den langen Zyklen warnt: "Probleme in der Fertigung zu beheben, dauert Monate. Dafür ist es für die Konkurrenz auch schwieriger, einen Vorsprung aufzuholen."

Der ersehnte Break-Even kam nicht wie geplant zwei, sondern erst vier Jahre nach Firmengründung. "Man braucht einen langen Atem." Mittlerweile war Sunnybag in eine GmbH umgegründet, hatte eine Niederlassung in den USA und namhafte Vertriebspartner im Sport- und Elektronikhandel. Heute geht es dem Unternehmen, das seit 2015 Gewinne macht, laut dem Firmengründer "besser denn je". Das aktuelle Modell mit Hybrid-Solarpanel wurde jüngst mit dem in der Outdoor-Szene bekannten ISPO-Award ausgezeichnet.

Das Produkt seines Umfelds. Ausschlaggebend für seinen Erfolg ist für Ponsold auch die Kompetenz, die er an seiner FH erworben hat nach dem Bachelor hat er auch den Master in Innovationsmanagement abgeschlossen und die Unterstützung, die ihm darüber hinaus seitens der FH und anderer Institutionen zur Verfügung zuteil wurde. "Die Idee mit der Hilfsorganisation als Zielgruppe kam von einem Coaching im Inno-Lab. Man ist auch das Produkt seines Umfelds", sagt der Firmengründer, der in diesem Zusammenhang die diversen Initiativen in der Steiermark lobt, die insbesondere in den letzten Jahren einen fruchtbaren Boden für Start-ups geschaffen hätten.

Weiters sei eine gewisse Lernbereitschaft notwendig. "Bei aller Zielstrebigkeit muss man auch bereit sein, seine Pläne zu adaptieren", sagt Ponsold. "Konkret war es bei uns notwendig, vom ursprünglichen Plan, in Österreich zu produzieren, abzugehen." Sein Fazit: "Das Doppelte an Ressourcen einplanen. Wenn man mit dem Worst-Case-Szenario leben kann, jung ist und keine Verpflichtungen hat, dann einfach machen!"

Neue Förderungen für mehr Spin-offs

Mehr Start-ups von heimischen Hochschulen und Forschungseinrichtungen soll die Initiative Spin-off Austria bringen, die Wirtschaftsminister Harald Mahrer kürzlich präsentiert hat. Gründungswillige Forscher (inklusive Studenten) erhalten über 18 Monate bis zu 500.000 Euro und Unterstützung durch Mentoring, Coaching und Weiterbildung. Das Fellowship-Programm ist mit 15 Millionen Euro dotiert und wird über die Forschungsförderungsgesellschaft (FFG) koordiniert. Bildungsministerin Sonja Hammerschmid wiederum will Anreize für die Unis setzen. Sie sollen 100.000 Euro für verpflichtende Entrepreneurship-Module im Bachelor-Curriculum und 400.000 für jedes gegründete Spin-off bekommen. www.ffg.at/spin-off

("UniLive"-Ausgabe, 27.09.2017)

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