Bildungsexport: Österreich lässt Potenzial ungenutzt

Durch die Vermarktung von Bildungsangeboten könnte das Land bis zu 360 Millionen Euro lukrieren.

Bildungsexport oesterreich laesst Potenzial
Bildungsexport oesterreich laesst Potenzial
(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien/Apa. In vielen Ländern gehören die eigenen Bildungsangebote schon lange zu den wichtigsten Exportgütern. Nicht so in Österreich. Gerade einmal 24Millionen Euro lukrierten heimische Institutionen wie etwa Universitäten im Jahr 2011 mit dem Export ihrer Angebote, errechnete die Nationalbank. Laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut Wifo liegt das Potenzial um bis zu 20-mal höher – also bei bis zu 360Millionen Euro.

Teil des Problems: Schon die Definition des Begriffs Bildungsexport gestaltet sich schwierig. Zu den möglichen Einnahmequellen für die Hochschulen zählen neben Seminaren und Online-Angeboten für Ausländer etwa auch Kooperationen und Dependancen im Ausland. Vor allem Letzteres spielt laut dem Institut für Bildungsforschung in der Wirtschaft (IBW) in Österreich jedoch nur „eine relativ kleine Rolle“. Aktiv in diesem Sektor sind derzeit neben der Universität Linz (die ein Chemiestudium mit der Uni Budweis anbietet) vor allem Fachhochschulen, die über Kooperationsprogramme mit ausländischen Institutionen verfügen. Besonderen Nachholbedarf gibt es laut dem Institut bei der Vermarktung der Berufsbildung.

Schwer zu beziffern ist der Nutzen, der Österreich durch ausländische Studierende an heimischen Hochschulen entsteht. Derzeit studieren rund 80.500 Ausländer in Österreich, den größten Anteil stellen sie mit 40Prozent an den (kostenpflichtigen) Privatschulen. Ein finanzieller Nutzen entsteht Österreich dabei nur bei Studiengängen, die sich überwiegend aus Studiengebühren (und nicht aus öffentlichen Mitteln) finanzieren.

Als Vorbild beim Bildungsexport gilt seit jeher Australien. Bildung ist dort – nach Eisen, Kohle und Gold – der viertwichtigste Exportfaktor. Das Land nimmt pro Jahr umgerechnet rund 11,5Milliarden Euro alleine durch ausländische Studierende ein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 26.02.2013)

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