Akademiker: Je nach Definition liegt Österreich über EU-Schnitt

Laut der weiter gefassten EU-Definition kommt Österreich auf eine „Akademiker“-Quote von 36,8 Prozent.

Akademiker nach Definition liegt
Akademiker nach Definition liegt
Akademiker nach Definition liegt – (c) dapd (Jens-Ulrich Koch)

In den vergangenen 30 Jahren hat sich die Akademikerquote in Österreich verdreifacht. Und das ist insbesondere auf die Frauen zurückzuführen. Wie aus dem aktuellen Bericht „Bildung in Zahlen“ der Statistik Austria hervorgeht, der gestern, Dienstag, präsentiert wurde, konnten die Frauen bis zum Jahr 2001 mit den Männern gleichziehen. Seither haben sie die Männer in puncto tertiäre Bildung sogar deutlich überholt und tragen so zum steigenden Bildungsniveau in Österreich bei (siehe Grafik).

Dennoch: Auch so ist die österreichische Akademikerquote – mit derzeit 19,3 Prozent – im internationalen Vergleich immer noch recht niedrig. Sie liegt damit fast zehn Prozentpunkte unter dem Schnitt der europäischen OECD-Länder (27,6 Prozent), was Österreich von der OECD regelmäßig einen Rüffel einbringt. Nicht ganz zu Recht, meint Konrad Pesendorfer, Generaldirektor der Statistik Austria. Denn die Höhe der Akademikerquote sei mitunter eine Frage der Definition.

BHS-Abschlüsse zählen

Nimmt man eine Definition der EU her, verdoppelt sich die Quote beinahe. Neben den klassischen tertiären Abschlüssen – Universität oder Fachhochschule – und Meister- oder Werkmeisterprüfungen werden dabei auch Abschlüsse von berufsbildenden höheren Schulen (BHS) gezählt. Damit wird man der Tatsache gerecht, dass viele Berufe, die anderswo an der Uni erlernt werden, hierzulande nicht als tertiär gelten – die Kindergartenpädagogik beispielsweise.

Konkret bedeutet das: Laut der weiter gefassten Definition kommt Österreich auf eine „Akademiker“-Quote von 36,8 Prozent unter den 30- bis 34-Jährigen (jene Altersgruppe, die die EU berücksichtigt) – und liegt damit sogar über dem Schnitt der EU-15 (34,6 Prozent) und nur knapp unter dem für 2020 ausgegebenen EU-Ziel von 40 Prozent („Europa 2020“).

Klar ist aber: Auch die klassische Akademikerquote steigt – ob der wachsenden Studierendenzahl. An den öffentlichen Unis lag diese vergangenes Jahr bei 272.000. Von ihnen belegen die meisten nach wie vor ein geisteswissenschaftliches Fach (28 Prozent). Erfreulich ist die Entwicklung bei den Naturwissenschaften, die stets als Mangelfächer gelten.

Die Zahl der inskribierten naturwissenschaftlichen Studien hat sich in den vergangenen 15 Jahren verdoppelt – von 26.000 auf 51.000, 15 Prozent der Studierenden belegen ein naturwissenschaftliches Fach. Die Technik bewegt sich auf ähnlichem Niveau, legte aber nur vergleichsweise wenig zu: von 44.000 auf 51.000 Studien.

Akademiker nach Definition liegt
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Akademiker nach Definition liegt – (c) Presse

Aufstieg bleibt schwierig

Nicht verändert hat sich im Bezug auf die akademische Bildung jedenfalls eines: Sie wird in Österreich nach wie vor vererbt. So erreichte in der Gruppe der 25- bis 44-Jährigen mehr als die Hälfte (53 Prozent) der Kinder aus Akademikerfamilien einen Hochschulabschluss. Bei jenen, deren Eltern maximal Pflichtschulabschluss haben, ist es nur jeder Zwanzigste.

Umgekehrt ist der Zusammenhang ähnlich: So kommen 32 Prozent der Kinder aus bildungsfernen Familien selbst nicht über den Pflichtschulabschluss hinaus – bei den Akademikerkindern sind es nur fünf Prozent. In den vergangenen Jahrzehnten hat sich hier übrigens wenig geändert: In der Gruppe der 45- bis 59-Jährigen sieht es in puncto Bildungsaufstieg ähnlich schlecht aus.

Für die spätere Laufbahn zentral ist auch, ob man eine AHS-Unterstufe oder Hauptschule besucht: So gehen neun von zehn AHS-Schülern nach der vierten Klasse in eine maturaführende Schule (AHS-Oberstufe, BHS) – aber nur vier von zehn Hauptschülern.

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