Studium: Nur jeder Zweite nach sieben Jahren fertig

An den Fachhochschulen schließen 75 Prozent ab. Viele Uni-Studenten wechseln laut IHS-Studie das Fach, besonders oft Juristen.

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Universität Wien – (c) Birgit Eyrich

Wien. Es ist ein Befund, mit denen man im Wissenschaftsministerium nicht zufrieden ist: Nach 14 Semestern an der Uni hat gerade einmal jeder zweite (Ex-)Student ein Studium abgeschlossen. Und in vielen Fällen nicht jenes, das er anfänglich inskribiert hat. Das zeigt ein aktueller Zusatzbericht zur Studierendensozialerhebung vom Institut für Höhere Studien (IHS).

Die Forscher haben sich dafür jene Studenten angesehen, die im Herbst 2008 erstmals ein Bachelorstudium inskribiert haben. 51 Prozent von ihnen haben sieben Jahre später irgendein Uni-Studium abgeschlossen. Was allerdings noch nicht bedeutet, dass alle übrigen 49 Prozent abgebrochen haben: Fast jeder Fünfte ist zu diesem Zeitpunkt nämlich noch immer inskribiert. „Von ihnen schließt wohl etwa die Hälfte auch noch ab“, sagt die IHS-Forscherin Bianca Thaler.

Verglichen mit den Fachhochschulen und den Pädagogischen Hochschulen bleibt die Abschlussquote an den Unis aber auch dann weit zurück: An den FH schließen in diesem Zeitraum 75 Prozent ab, die meisten bereits nach den obligatorischen sechs Semestern, an den PH sogar 76 Prozent. Definitiv abgebrochen haben nach den 14 Semestern an den PH 19 Prozent, an den FH 25 Prozent und an den Unis 30 Prozent (siehe Grafik).

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Viele dieser Abbrüche passieren in den ersten Semestern: Nach eineinhalb Jahren sind zehn Prozent der Anfänger nicht mehr an der Uni, an den FH haben bis dahin schon knapp 20 Prozent aufgehört, wobei mangels Daten auch Wechsel von der FH an die Uni oder umgekehrt als Abbruch zählen. Frauen schließen ihr Studium im Schnitt etwas öfter und schneller ab. Wenn sie abbrechen, dann etwas früher.

Die Forscher zeigen auch, dass Wechsel innerhalb der Uni extrem verbreitet sind. Nach 14 Semestern haben mehr Studierende das Fach gewechselt als ihr ursprünglich begonnenes Studium abgeschlossen. 28 Prozent der begonnenen Studien sind dann fertig, zehn Prozent laufen noch. Zu 25 Prozent wurde ein anderes Fach abgeschlossen, neun Prozent sind noch inskribiert. Am seltensten wird ein angefangenes Jus-Studium abgeschlossen. Besonders oft schließen Kunststudenten ihr begonnenes Studienfach ab.

 

Falsche Erwartungen

Eine Befragung über die Studienzufriedenheit zeigt ein anderes Problem: Nur 41 Prozent der Studenten an Universitäten und Pädagogischen Hochschulen geben an, dass das Studium ihre Erwartungen erfüllt hat. „Hier gibt es Handlungsbedarf“, sagt Studienautor Martin Unger vom IHS. Es gelte etwa, die Studieninformation auszubauen.

Handlungsbedarf sieht man im Ministerium auch: Sektionschef Elmar Pichl will gar nicht so lange Zeiträume betrachten wie die Forscher: „Wenn nach acht Semestern an der Uni nicht einmal jeder Dritte sein Studium abgeschlossen hat, an den Fachhochschulen aber zwei von drei, kann man nicht zufrieden sein.“ Stichwort: bessere Betreuung und Regulierung der Kapazitäten.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 15.07.2017)

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