Privatuniversitäten: "Dubiose Anbieter überfluten den Markt"

Die Privatunis fordern einen fairen Wettbewerb, die staatlichen Unis orten große Unterschiede in der Qualität. Und dann ist da noch die Finanzierung.

Die Privatuniversitäten kämpfen in Österreich mit dubiosen Anbietern am Markt, mangelnder Bekanntheit und ungleichen Wettbewerbsbedingungen. Darüber hinaus ist aufgrund vielfach öffentlicher Finanzierung ihre Bezeichnung eigentlich oft irreführend, zeigte eine Diskussion im "Club Research" am Donnerstagabend in Wien.

Der Vorsitzende des Wissenschaftsrats, Antonio Loprieno, nannte als "eines der Sondermerkmale" von Privatunis in Österreich, dass an vielen von ihnen Bundesländer beteiligt sind. "Das 'Privat' wird da sehr strapaziert." Grund dafür ist, dass das entsprechende Gesetz nur ein Finanzierungsverbot des Bundes vorsieht.

Man dürfe sich aber nicht darüber beschweren, wenn Bundesländer Geld für die Bildung in die Hand nehmen wollen, betonte Loprieno. "Das Problem ist ein anderes: Wir leben in einem saturierten Markt - und da ist es nicht sinnvoll, wenn die öffentliche Hand Reibung herbeiführt und das eigene Geld gegeneinander ausspielt." Vielmehr solle diese sich um eine gemeinsame Standortpolitik bemühen.

Unterschiedliche Qualität als Problem

Ähnlich sah das die Präsidentin der Universitätenkonferenz (uniko), Eva Blimlinger: Anders als in der Schweiz und Deutschland hätten die Länder keine Steuerhoheit und würden "ihre" Privatunis über jene Mittel finanzieren, die sie aus dem Finanzausgleich lukrieren. Eigentlich müsse der Bund dies unterbinden und sagen: "Okay, wir finanzieren das selbst, machen aber ein Standortkonzept."

Für problematisch hält Blimlinger die unterschiedliche Qualität der Privatunis: Als positives Beispiel hob sie die vom Land Oberösterreich getragene Bruckner Privatuniversität in Linz hervor, mit der staatliche Unis etwa im Lehramt bereits zusammenarbeiten. "Im Grunde könnte man die zur 22. staatlichen Universität machen - weil ob man den Oberösterreichern das Geld über den Finanzausgleich gibt oder es gleich staatlich macht, ist eigentlich gleich."

"Dubiose private Anbieter"

Als zweites Problem ortete Loprieno, dass "dubiose private Anbieter mit oft intransparenter Trägerschaft den Markt überfluten". Hier appellierte er an die Urteilsfähigkeit der Kundschaft: "Ein bisschen sind die Studenten selbst schuld. Es ist nicht so kompliziert, mit ein paar Mausklicks zu schauen, was eine Institution so macht."

Der Vorsitzende der Privatuniversitätenkonferenz, Karl Wöber, sah als eine der Schwächen der Privatunis ihre mangelnde Bekanntheit, aufgrund derer es zu Verwechslungen komme. Viele der angeführten dubiosen Anbieter seien in Österreich gar nicht als Privatunis akkreditiert, sondern dürften aus dem Ausland über die Registrierung ihrer Studien hierzulande mit Zweigniederlassungen operieren. Gleiches versuche übrigens auch die zuletzt als neue "Privatuni" bezeichnete Central European University (CEU), so Wöber.

Die Abhängigkeit von Landes- bzw. anderen öffentlichen Geldern räumte Wöber durchaus ein. "Man muss den Häusern aber auch die Chance geben, eigenes Geld zu verdienen und faire Wettbewerbsbedingungen in dem Bereich schaffen, der unser Geschäftsfeld gefährdet." Dazu gehöre neben der Regelung grenzüberschreitender Studien auch die Konkurrenz mit staatlichen Universitäten bei kostenpflichtigen Angeboten im postgradualen Bereich. Die Executive Academy der Wirtschaftsuniversität etwa müsse ihre Angebote anders als eine Privatuni nicht akkreditieren lassen.

Kritik an Nebenbeschäftigungsverbot

Der Rektor der Sigmund Freud Privatuniversität (SFU), Alfred Pritz, wiederum beklagte die oft feindselige Haltung staatlicher Unis gegenüber ihren privaten Mitstreitern. So würde etwa die Uni Wien ihren Mitarbeitern verbieten, gleichzeitig an der SFU zu unterrichten. Auch Wöber kritisierte die Vorgehensweise: "Es ist klar, dass keine Universität es gern sieht, wenn der eigene Professor öfter an anderen Hochschulen als im eigenen Haus ist und die Forschung brachliegen lässt. Aber ein pauschales Nebenbeschäftigungsverbot schadet uns allen."

(APA)

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