ÖH-Wahl: Die Hochschülerschaft als Kaderschmiede?

Viele FH-Funktionäre schafften es in der Vergangenheit in höhere Ämter, manche wechselten die Seiten. Karl Öllinger führte einmal die SP-Studenten an, Ulli Sima war Spitzenkandidatin der GRAS.

WIENER OPERNBALL 2006
WIENER OPERNBALL 2006
APA (Bundesheer/tatic)

Heinz Fischer, Hannes Androsch, Michael Häupl, Wilhelm Molterer, Ernst Strasser, Karl Öllinger, Friedhelm Frischenschlager und Norbert Gugerbauer - diese Namen prägen oder prägten nicht nur die österreichische Innenpolitik. Vor ihrer politischen Laufbahn bekleideten sie alle Funktionen in der Österreichischen Hochschülerschaft (ÖH) bzw. in "ihren" Studentenfraktionen.

Mittlerweile gilt die ÖH aber kaum noch als Kaderschmiede für die Spitzenpolitik. Früher dagegen galt der Verband Sozialistischer StudentInnen (VSStÖ) als wichtiges Sprungbrett für hohe Politämter: So war etwa Bundespräsident Heinz Fischer Mandatar der SPÖ-Vorfeldorganisation. Die späteren SPÖ-Zentralsekretäre Fritz Marsch und Karl Blecha, die späteren Minister Peter Jankowitsch und Hannes Androsch sowie der Wiener Bürgermeister Michael Häupl fungierten sogar als VSStÖ-Vorsitzende.

Von Rot nach Grün und umgekehrt

Auch der später ausgeschlossene heutige Grüne Nationalratsabgeordnete Karl Öllinger führte die SP-Studenten an. Den umgekehrten Weg ging Ulli Sima, Spitzenkandidatin der Grünen und Alternativen StudentInnen (GRAS) bei der ÖH-Wahl 1993: Sie wechselte später zur SPÖ und ist jetzt Wiener Umweltstadträtin.

Auf der konservativen Seite war Ex-Vizekanzler Wilhelm Molterer (V) in den 70er Jahren Funktionär der Österreichischen Studenten Union (ÖSU), einer Vorläuferin der heutigen AktionsGemeinschaft (AG), sowie ÖH-Vorsitzender an der Uni Linz. Der spätere Innenminister und heutige VP-Spitzenkandidat bei der EU-Wahl, Ernst Strasser, brachte es sogar zum ÖSU-Vorsitzenden und Fraktionsführer im Zentralausschuss, dem Vorläufer der heutigen Bundesvertretung.

Ähnlich sah es beim Ring Freiheitlicher Studenten (RFS) aus: So führte etwa der spätere Verteidigungsminister Friedhelm Frischenschlager in den 60er Jahren die Agenden des RFS, auch Ex-FPÖ-Klubobmann Norbert Gugerbauer, Ex-Verteidigungsminister Helmut Krünes und der ehemalige Wiener FPÖ-Chef Rainer Pawkowicz hatten diese Funktion inne. Der spätere FPÖ-Chef Norbert Steger brachte es immerhin zum stellvertretenden RFS-Vorsitzenden.

Sprungbrett für Polit-Management

In jüngster Zeit diente die ÖH aber eher als Sprungbrett für Posten im Polit-Management. So fungierte etwa der ehemalige Vorsitzende der Hochschülerschaft an der Universität Wien, Matthias Winkler (AG), als Kabinettschef von Ex-Finanzminister Karl-Heinz Grasser (V). Ex-ÖH-Chef Wolfgang Gattringer (AG/1999-2001) war im Büro Strassers beschäftigt, der ehemalige ÖH-Wirtschaftsreferent Günther Simonitsch (AG 1997-1999) war Kabinettschef von Ex-Bildungsministerin Elisabeth Gehrer (V), Ex-ÖH-Sprecher Answer Lang (VSStÖ) fungierte als Pressesprecher von Verteidigungsminister Norbert Darabos (S).

Auch die Grünen haben in der Vergangenheit Personal aus der ÖH rekrutiert: Die Klubobfrau der Wiener Grünen, Maria Vassilakou, war etwa Mitte der 90er Jahre Generalsekretärin des ÖH-Zentralausschusses, ihre heutige Stellvertreterin Claudia Sommer-Smolik zur gleichen Zeit ÖH-Vorsitzende an der Uni Wien. Der ehemalige Landesgeschäftsführer der Wiener Grünen, Martin Margulies, wiederum war zu seiner Studienzeit ÖH-Chef an der Technischen Universität Wien - damals allerdings für die Fachschaftslisten. Die Ex-ÖH-Vorsitzende der Uni Innsbruck, Eva Konrad, saß für die Grünen zwischen 2003 und 2008 im Bundesrat.

(APA)

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