Den Markt für Musik bespielen

Musik machen ist eine Sache, damit auch Geld verdienen eine ganz andere – professionelle Vermarktung ist im MP3-Zeitalter wichtiger als je zuvor.

Tonstudio
Tonstudio
Tonstudio – Bilderbox

Wir haben innerhalb der Revolution schon wieder eine kleine Revolution“, sagt Eva Maria Stöcker, Leiterin des Departments für Kunst- und Bildwissenschaften an der Donauuniversität Krems. Die Expertin spielt damit auf die Streaming-Angebote an, die den Musikmarkt, der eben erst dabei ist, den Siegeszug der MP3s zu verdauen, noch einmal umkrempeln und als Hoffnungsträger der Industrie gelten. Aber nicht nur im Bereich der Labels, auch bei Livekonzerten – heutzutage wieder die Haupteinnahmequelle für Musiker – gibt es große Veränderungen. Neben neuen Entwicklungen in der Veranstaltungstechnik sind es vor allem erhöhte Sicherheitsanforderungen, die Veranstalter und Manager von Livekonzerten vor neue Herausforderungen stellen. „Zudem wird auch hier Social Media immer wichtiger“, weiß Elke Hilger, PR- und Marketing-Verantwortliche bei der Ebam Akademie.

 

Kein einheitliches Berufsbild

Diese Veränderungen stellen auch neue Anforderungen an Musikmanager. Wobei es sich hier um kein klar definiertes Berufsbild handelt, wie Stöcker erklärt. Die typischen Tätigkeiten eines Musikmanagers reichen von Künstlermanagement und der Planung und Organisation von Livekonzerten bis zur Arbeit bei Institutionen und in der Musikindustrie, beispielsweise bei Labels oder Verwertungsgesellschaften. „Viele sind aber auch als eigenes Label oder eigene Agentur selbstständig“, weiß die Expertin.

Eine Möglichkeit, sich einschlägige Kenntnisse anzueignen, ist der einjährige Grundkurs „Musikmanager“ der Deutschen Pop, einer Ausbildungseinrichtung für Kreativberufe, deren Wiener Niederlassung in der ehemaligen Ankerbrotfabrik beheimatet ist. Der modular aufgebaute Lehrgang besteht aus zwei Einheiten. Im ersten Halbjahr steht Projektmanagement inklusive Eventmanagement auf dem Programm. Im zweiten Halbjahr folgt der „Executive Producer“, eine Einführung in alle Aspekte der Musikproduktion und -vermarktung, wobei etwa ein Drittel der Zeit rechtlichen Aspekten gewidmet ist, wie der Wiener Standortleiter Michael Winkler erklärt.

Der Musikmanagement-Lehrgang der Deutschen Pop versteht sich als „Anbildung“, so Winkler. „Unsere Absolventen können im Musikgeschäft arbeiten, sind aber noch keine fertigen Manager.“ Aufgrund des Praxisbezugs seien die Chancen aber gut, den Schritt in die Wirtschaft zu schaffen. Bestimmte Vorkenntnisse sind nicht Pflicht, Begeisterung für Musik wird aber vorausgesetzt, wie auch Georg Hübner, Lehrgangsleiter für den „Executive Producer“ betont. Ideal wäre auch praktische Erfahrung – etwa bereits einige Livekonzerte absolviert und organisiert zu haben –, so Hübner. Laut Winkler sind ein Drittel der Kursteilnehmer Musiker, die anderen würden oft aus dem Umfeld kommen. „Viele wollen Bands im Freundeskreis promoten“, weiß der Standortleiter. „Musiker managen sich heute deutlich öfter selbst oder haben ihren eigenen Manager“, ergänzt Hübner. Als wichtige Eigenschaften für angehende Musikmanager nennt Winkler neben Talent für Kommunikation und Networking vor allem Ausdauer und Belastbarkeit. „Im Musikbusiness braucht man generell eine dicke Haut.“

Ein besonders breit gefächertes Angebot an Kursen rund um das Musikbusiness hat die Ebam Akademie, die ihre Lehrgänge in mehren deutschen Städten sowie in Wien anbietet. Alternativ kann ein großer Teil des Ebam-Angebots als Onlinekurs absolviert werden. So etwa der „Music Business Manager“, der mit einem Ebam-Diplom abschließt. Inhaltlich vermittelt der Lehrgang wahlweise online oder in zwölf Wochenendkursen zwei Teilqualifikationen, Live- und Labelmanagement, die auch jeweils allein absolviert werden können, wie Hilger erklärt. In letzterer Schiene sind rechtliche Gesichtspunkte und Promotion inklusive Online-Marketing wichtige Aspekte; zentrales Element, das beiden Schienen gemeinsam ist, ist die Kenntnis des Musikmarktes.

Daneben hat die Ebam etwa Vorbereitungskurse zur Prüfung für den „Musikfachwirt“ im Programm. Der Fachwirt ist in Deutschland das kaufmännische Pendant zur Meisterprüfung. Er kombiniert betriebswirtschaftliche und branchenspezifische Kenntnisse und soll zur Tätigkeit im mittleren Management befähigen. Im Vergleich zum Music Business Manager ist der Musikfachwirt stärker betriebswirtschaftlich ausgelegt, und es wird eine mehrjährige Berufspraxis verlangt – wobei auch der Music Business Manager typischerweise von bereits in einschlägigen Bereichen Tätigen absolviert wird, die ihre Kenntnisse erweitern oder vertiefen wollen, wie Hilger berichtet.

 

Postgraduales Studium

Die anspruchsvollste Ausbildung auf diesem Gebiet findet sich an der Donau-Uni Krems mit dem Master „Musikmanagement“, für den ein abgeschlossenes Studium (beliebiger Fachrichtung) oder gleichwertige Berufserfahrung vorausgesetzt wird. Der Lehrplan befasst sich neben Wirtschaft, Recht und Musiktheorie vor allem mit der Frage „Wie funktioniert die Musikwirtschaft?“. „„Musik ist kein normales Gut und muss daher anders vermarktet werden“, weiß Stöcker, die den Lehrgang leitet. Zudem betont die Expertin die zunehmende Bedeutung von Musik als Marketingmedium. Aufgrund des raschen Wandels der Branche wird der Lehrplan des seit fünf Jahren bestehenden Studiums jährlich adaptiert. „Wir schauen, was sich in der Brache tut und auf das Feedback der Teilnehmer. Diese sind typischerweise bereits im Musikgeschäft tätig und kennen die aktuellen Problemlagen“, so die Lehrgangsleiterin.

Wer nur an Teilbereichen des Musikmanagements interessiert ist, für den gibt es Kurzkurse. So bietet die Donau-Uni Krems Seminare zu „Musik und Recht“ sowie „Musik und Medien“ an, ab 2014 ist zusätzlich „Musik und Marketing“ geplant. Daneben finden regelmäßig Diskussionsabende zu Spezialthemen statt, die allen Interessierten offenstehen. Auch die Deutsche Pop hat verschiedene Workshops im Programm, in Wien etwa Band-Coaching. Und die Ebam bietet zu einer breiten Palette an Fachthemen auch ein- bis zweitägige Seminare, etwa „Kalkulation und Abrechnung von Livekonzerten“.

Ausbildungen

Deutsche Pop:
„Musikmanager/in“, Ausbildung in zwei Halbjahreseinheiten (Projektmanager und Executive Producer), nächster Start im Juli. Vorkenntnisse nicht zwingend erforderlich, Kosten: insgesamt rund 3000 Euro. Infotag in Wien am 8. Juni. www.deutsche-pop.com

Ebam Akademie:
Bietet zahlreiche Kurse zum Thema an. Etwa den einjährigen Lehrgang „Music Business Manager“, Wochenend- oder Onlinekurs. Kosten: 2700 Euro. Vorbreitungskurs auf die Prüfung zum „Musikfachwirt“, Berufserfahrung erforderlich, Kosten 4270 Euro. Zusätzlich zahlreiche Seminare zu Teilaspekten. www.ebam.de

Donau-Universität Krems:
Masterstudium Musikmanagement, berufsbegleitend, fünf Semester. Voraussetzung: Studienabschluss (beliebig) oder gleichwertige Berufserfahrung. Kosten: 11.900 Euro. Zu Spezialthemen wie „Musik & Recht“ auch Seminare. www.donau-uni.ac.at

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.06.2013)

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