Begabte Studenten von Beginn an fördern

Noch sind Begabungs- und Exzellenzförderungen für Studienanfänger in Österreich überschaubar, aber immer mehr Hochschulen erkennen die Vorteile einer gezielten Ansprache talentierter Neuzugänge.

(c) Clemens Fabry

Für überdurchschnittlich intelligente Kinder und Jugendliche gibt es zahlreiche Hochbegabtenförderungsprogramme. Nach der Matura sieht die Sache schon anders aus. Unterforderte Jungstudenten finden wenig Motivation zu herausragenden Studienleistungen. „Gerade für die Altersgruppe 18 bis 22 ist das Angebot für Hochbegabte überschaubar“, sagt Claudia Resch, Geschäftsführerin des Österreichischen Zentrums für Begabtenförderung und Begabungsforschung (ÖZBF). „Im Bachelorprogramm besteht kaum Möglichkeit, auf besondere Interessen und Talente einzugehen.“ In einer Hochschulumfrage hat das ÖZBF gezielt nach den Hochbegabtenförderungen gefragt. „Dabei kam heraus, dass die Exzellenzförderungen frühestens ab Master-, meist ab dem Doktoratsstudium ansetzen“, so Resch. „Wir sind gern bereit, Hochschulen bei der Installation von Hochbegabten-Mentorenprogrammen zu helfen.“

 

Superschlaue Studienanfänger

Umso höher ist das Engagement der Wirtschaftsuniversität Wien einzustufen. Hier gibt es mit der WU Top League ein sechssemestriges Förderprogramm für außergewöhnlich talentierte und engagierte Studienanfänger der Bachelorstudiengänge. Die Teilnehmer erhalten individuelle Betreuung zu Studienbeginn, Begleitung während des Studiums und eine optimale Vorbereitung auf den Einstieg in das Berufsleben. Grundvoraussetzungen zur Bewerbung sind ein ausgezeichneter Maturaerfolg und zusätzliche Qualifikationen, aus denen die Hochbegabung hervorgeht. Das Programm ist in zwei Phasen gegliedert. Neben Themen-Stammtischen und Sponsoren-Meetings werden Kleingruppen-Coachings und spezielle Seminare geboten. Top-League-Teilnehmer besuchen den normalen Regelstudienbetrieb der WU und haben darüber hinaus rund vier Zusatzveranstaltungen pro Semester im Programm. Mit der Teilnahme an der WU Top League und dem erfolgreichen Abschluss des Förderprogramms erhalten die Mitglieder eine Zusatzqualifikation zum Bachelorstudium. Auf Ebene der neuen Masterstudien bietet die WU Wien seit 1989 herausragenden Studierenden das Förderprogramm Center of Excellence (CoE) an.

 

Talente fördern Talente

Ähnlich der WU Top League stellt der Verein Talente Österreich, der aus dem High-Potential-Programm der Uni Wien hervorgegangen ist, talentierten Studienanfängern an den Wiener Universitäten Mentoren zur Seite. Dieses Mentoringprogramm nennt sich Talente fördern Talente (T2). Bei Talente-Stammtischen und Redewettbewerben können auch interessierte Maturanten ins Vereinsleben hineinschnuppern und sich für das Mentoringprogramm bewerben. Aus den Bewerbungen werden bis zu 15 Teilnehmer ausgewählt. Die Mentoren rekrutieren sich aus Mitgliedern des Vereins Talente Österreich. In der Regel sind das Absolventen der Wiener Unis, die ein umfassendes Spektrum an Studienrichtungen abdecken, herausragende akademische Leistungen aufweisen und sich in unterschiedlichen wissenschaftlichen, politischen oder sozialen Aktivitäten engagieren sowie über Berufserfahrung verfügen. Für ein gesamtes Studienjahr unterstützen die Mentoren die Studienanfänger dabei, ihre Begeisterung und Fähigkeiten auf einem hohen Niveau ausleben zu können.

 

Frühzeitig an die Hochschule

Noch früher setzen BMWFW und ÖZBF gemeinsam mit den Hochschulen und den Bundesland-Koordinationsstellen für Begabungs- und Begabtenförderung an. Mit der Initiative „Schüler an die Hochschule“ sollen die besten Studenten des Landes rekrutiert werden. 20 Hochschulen aus ganz Österreich beteiligen sich daran. „Es springen auch immer mehr Fachhochschulen auf den Zug auf“, so die ÖZBF-Geschäftsführerin. Pionier war die FH Oberösterreich. Mit im Boot inzwischen: FH Salzburg, FH Joanneum, FH Campus Wien, FH Technikum Wien. „Jede Hochschule buhlt um die besten Studenten. Immer mehr Institutionen erkennen, dass unser Programm ,Schüler an die Hochschulen‘ die optimale Chance ist, exzellente Studierende an sich zu binden.“ Rund 500 Schüler kamen seit 2001 in den Genuss dieses Förderprojekts. „Die meisten schließen ihre Lehrveranstaltungen überdurchschnittlich gut ab und können sich die Leistungen später im Studium anrechnen lassen“, so Resch. In erster Linie dient das Projekt den Schülern als Orientierungshilfe, denn die Teilnehmer belegen kein einzelnes Studium, sondern ausgewählte Lehrveranstaltungen unterschiedlicher Studienrichtungen.

 

Eine Frage des Unterrichtens

Es bedarf nicht unbedingt Elite-Universitäten, um hochbegabten Studierenden den Unterricht schmackhaft zu machen. Jeder Vortragende hat es selbst in der Hand, eine begabungsförderliche und exzellente Lernkultur zu ermöglichen. An der Donau-Universität Krems richtet sich der Masterlehrgang Gifted Education an Pädagogen, um Hochbegabte frühzeitig zu erkennen und im Unterricht dementsprechend zu fördern und zu managen. Nächster Start: Herbst 2015. Das ÖZBF installierte an der FH Salzburg ein Hochschuldidaktikmodul, in dem Hochschulprofessoren lernen, begabtenfördernd zu unterrichten. Demnächst soll der Didaktiklehrgang auch an der FH St. Pölten starten.

IN KÜRZE

Angebote für hochbegabte Studienanfängersind rar. Die WU Wien hat für Bachelor- und Masterstudenten mit exzellenten Noten eigene Seminare, und der Verein Talente Österreich unterstützt Hochbegabte mittels Mentoren.

„Schüler an die Hochschule“ setzt bereits vor dem eigentlichen Studienbeginn an: Hochbegabte belegen schon vor der Matura Uni-Vorlesungen aus verschiedenen Studienrichtungen.Weiterbildungsangebote sollen Hochschullehrern helfen, Hochbegabte zu erkennen und zu fördern.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.04.2015)

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