Hochschulen für die digitale Zukunft

Welche IT-Fachkräfte werden gebraucht? Wo fehlt es an den Unis? Wie motiviert man Schüler? Diese Themen wurden im Rahmen einer Expertenrunde behandelt.

Diskutierten im Management Club: Alfred Taudes (WU), Rainer Kalkbrener (ACP), Moderator Georg Krause (MC), Harald Leitenmüller (Microsoft), Elmar Pichl (BMWFW).
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Diskutierten im Management Club: Alfred Taudes (WU), Rainer Kalkbrener (ACP), Moderator Georg Krause (MC), Harald Leitenmüller (Microsoft), Elmar Pichl (BMWFW).
Diskutierten im Management Club: Alfred Taudes (WU), Rainer Kalkbrener (ACP), Moderator Georg Krause (MC), Harald Leitenmüller (Microsoft), Elmar Pichl (BMWFW). – (c) Christian Georgescu/MC

Das Dauerthema IT-Fachkräftemangel und was ausbildungsseitig dagegen getan werden kann, war Thema einer Podiumsdiskussion, zu der der Managemet Club (MC) Experten aus Wissenschaft, Wirtschaft und Politik geladen hatte. Rainer Kalkbrener, Vorstandsvorsitzender des IT-Providers ACP, präsentierte eine österreichweite Befragung aus dem Vorjahr. Demnach können Unternehmen operative IT-Stellen wie Systemadministratoren einigermaßen besetzen, bei Developern oder Data-Analysten ist die Kluft zwischen Angebot und Nachfrage allerdings groß. „Damit betrifft der Mangel besonders Zukunftsbereiche“, warnt Kalkbrener.

Verstopfte Pipeline

Zu der Situation und den Konsequenzen an den Universitäten nahm Elmar Pichl, Leiter der Hochschul-Sektion des BMWFW, Stellung. Er verteidigte die Zugangsbeschränkungen an der TU Wien mit Hinblick auf das im internationalen Vergleich sehr schlechte Verhältnis von Professoren zu Studenten, das zu einer „verstopften Pipeline“ mit vielen Anfängern, aber wenigen Absolventen führe. Weiters weist er darauf hin, dass es an anderen heimischen Uni-Standorten noch genügend Informatik-Studienplätze gebe. Es sei also auch eine Frage der regionalen Verteilung. Abgesehen vom guten Ruf der TU Wien würde Wien als Studienstandort einfach eine starke Attraktivität ausüben.

Ein weiteres Problem: Gerade in der Informatik würden viele während des Studiums ins Berufsleben eintreten. Diesen nachträglich einen Abschluss zu ermöglichen ist für Pichl primär Aufgabe der FH, die „die Profis für berufsbegleitende Weiterbildung“ wären.

Dass es nicht immer einen Hochschulabschluss braucht, ergänzt Kalkbrener: „Die Hälfte der IT-Fachkräfte auf höchster Ebene bei uns haben eine Lehre gemacht.“

Auf der anderen Seite fordert WU-Professor Alfred Taudes, neben mehr Mut für innovative Lehrinhalte, mehr Exzellenz an den Unis. Er lobt zwar die gute Zusammenarbeit mit heimischen Unternehmen, die durch die Kleinheit Österreichs und die dadurch erleichterten persönlichen Kontakte begünstigt wird. Allerdings berichtet er auch, dass Kooperationen mit internationalen Unternehmen oft daran scheitern, dass Österreichs Universitäten nicht in den Top Ten der Rankings aufscheinen.

Schüler wenig begeistert

Als Grundproblem anerkannt ist die fehlende Begeisterung bereits in der Schule. Neben Informatik selbst beklagt Pichl auch mangelndes Interesse an Mathematik als Sprache der Technik. Hier wünschen sich die Experten mehr Role Models – insbesondere für Frauen. Auch das Positive nicht zu vergessen mahnte Harald Leitenmüller, Chief Technology Officer von Microsoft Österreich, und verwies auf zahlreiche Initiativen zur Förderung des IT-Nachwuchses. Auch Pichl bestätigt eine Reihe an Aktivitäten, etwa im Rahmen von Berufsmessen oder Kampagnen von Interessenvertretungen, meint aber, dass diese besser koordiniert werden sollten. (at)


[NIORJ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.05.2017)

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