Angstfach Mathematik

Universitätsprofessor Michael Eichmair über Mathematik im Allgemeinen und sein Schulprojekt „Mathematik macht Freu(n)de“.

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Mathematikunterricht – (c) Imago/Emil Umdorf

Die Presse: Warum war es Ihnen als Grundlagenforscher wichtig, ein Projekt zur Förderung der Schulmathematik ins Leben zu rufen?

Michael Eichmair: Weil ich empfinde, dass ich sehr viel schuldig bin. Ich darf beruflich machen, was ich gut kann und am liebsten tue. Gesellschaftlich wie wirtschaftlich können wir uns Angst vor Mathematik, Naturwissenschaften und Technik schlicht nicht leisten. Außerdem ist es schön, Probleme zu lösen. Das sitzt sehr tief in uns Mathematik-Forschenden.

Was kann man tun, um Mathematik in der Schule vom Image des Angstfaches zu befreien?

Ich glaube, mit mehr Verständnis für die Herausforderungen, vor denen wir in den Schulen stehen, wäre schon sehr viel erreicht. Außerdem wünsche ich mir, dass alle Lehrer in ihrer Ausbildung verlässlich dieselbe Sorgfalt und Aufmerksamkeit erleben, die man sich später von ihnen wünscht.

Sie haben in Stanford promoviert, dann am MIT und an der ETH Zürich gelehrt. Wie positioniert sich Österreichs Mathematik aus Ihrer Sicht international, und wie Österreichs Schulmathematik?

Ich hatte nie Anlass, mich für mein Schulwissen zu genieren. Unsere tollen Studierenden in Wien können wir stolz auf der ganzen Welt herzeigen. Die Zentralmatura wird sich noch weiter entwickeln, setzt aber jetzt schon Standards, die im internationalen Vergleich beneidenswert hoch und vor allem vernünftig sind. Die Fragen beim bayerischen Abitur, mit denen sie in diesem Zusammenhang gern verglichen wird, sind übrigens Jahr für Jahr in etwa dieselben. Wenn ich in Stanford oder am MIT zu Besuch bin, reden wir regelmäßiger über die spektakuläre Entwicklung vom IST in Klosterneuburg, als hier in Wien. Das finde ich schade.

ZUR PERSON

Michael Eichmair, geb. 1983 in Vöcklabruck, ist Professor für Globale Analysis und Differentialgeometrie an der Uni Wien. Er studierte am University College London und in Stanford und war am MIT und der ETH Zürich tätig. 2016 erhielt er den Start-Preis des FWF. [ Barbara Mair ]

("Die Presse", Print-Ausgabe, 24.06.2017)

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