Wie Schmetterlinge im Park

Wo einst Präsidenten residierten, sind nun luxuriöse Wohnhäuser entstanden – die teils aus Autokarosserie-Teilen bestehen.

Für die Verkleidung der Balkone, die sich um jedes Geschoß winden, wurden Autokarosserie-Teile verwendet.
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Für die Verkleidung der Balkone, die sich um jedes Geschoß winden, wurden Autokarosserie-Teile verwendet.
Für die Verkleidung der Balkone, die sich um jedes Geschoß winden, wurden Autokarosserie-Teile verwendet. – (c) Matthias Raiger

Es ist ein geschichtsträchtiges Grundstück, dem die „Schmetterlingshäuser“ der kürzlich fertig gestellten Wohnanlage „Garden of Eden“ zu einem neuen Höhenflug verhelfen. Es handelt sich um das Areal der ehemaligen Präsidentenvilla, die vier Jahrzehnte hindurch als offizieller Wohnsitz der jeweiligen Staatsoberhäupter diente, ehe sie verwahrloste und schließlich vor acht Jahren dem Erdboden gleich gemacht wurde. Der umgebende Park und die Möglichkeit, in diesen eine luxuriöse Wohnanlage zu integrieren, war einer Immobiliengesellschaft den kolportierten Grundstückspreis von mehr als acht Millionen Euro wert.

 

Blick über die Stadt

„Der wunderschöne Park mit seinem Baumbestand gab den Ausschlag für das Konzept, bei der Verwirklichung der Anlage mit der Natur zu ,spielen'“, erklärt Andreas Gerner vom Architekturbüro „Gerner Gerner Plus“ die Ausgangslage. Ergebnis dieses „Spiels“ sind die insgesamt vier „Schmetterlingshäuser“, deren geschwungene Form an die Flügelpaare von Faltern erinnert. Sie soll die Leichtigkeit symbolisieren, mit der es sich im paradiesischen Garten leben lässt. In den Genuss dieser Leichtigkeit kommt freilich nur, wer auch finanziell flügge ist: Die kleinste der 23 Wohnungen misst 110 Quadratmeter, in den Penthäusern schwebt man auf 260 Quadratmetern und drei Etagen mit Panoramablick auf die Stadt.

Die vier „Schmetterlinge“ haben sich so auf dem Ein-Hektar-Areal niedergelassen, dass sie sich zueinander und zum in der Mitte gelegenen Park hin öffnen. Die direkten Sichtbeziehungen zwischen den Gebäuden sind aber durch die Bäume verstellt. „Damit bleibt die Privatsphäre gewahrt“, argumentiert Gerner. In der untersten Etage der Häuser ist jeweils eine Großwohnung untergebracht, wobei versucht wurde, ein „offenes“ Landschaftskonzept umzusetzen: Die zu diesen Wohnungen gehörenden Gärten haben natürliche Begrenzungen, wodurch Garten und Park als landschaftliche Einheit erlebt werden sollen. Charakteristisch sind auch die bis zu vier Meter tiefen Balkone, die sich um jedes Geschoß winden. Die Balkone folgen dabei den durch die Flügelform bedingten Fassadenrundungen, was besondere Herausforderungen beim Bau ergab: „Um die Rundungen konsequent auszuformen, wurden für die Verkleidung Autokarosserie-Teile verwendet“, berichtet der Architekt. „Dabei handelte es sich um gezogene Metallteile, die in einer Spezialspenglerei angefertigt wurden.“ Auch die ebenfalls gerundeten Glasfelder der Panoramafenster stellten hohe Anforderungen an die Fertigung.

Dass ein Projekt, das einen Park inklusive 180-Quadratmeter-Naturbiotop „mit Architektur in Einklang bringen“ will (Gerner)auch gebäudetechnisch nach ökologischen Gesichtspunkten zu funktionieren hat, sei „eine Erkenntnis der zweiten Phase“ gewesen. Nicht nur habe man nachhaltige Materialien, beispielsweise bei der Dämmung, eingesetzt, sondern die gesamte Anlage in Zusammenarbeit mit dem Ingenieurbüro Obkircher Plus durch Geothermie energieautark gestaltet: 50 Bohrungen in bis zu 120 Meter Tiefe waren erforderlich, um die „Schmetterlinge“ sowie einen ebenfalls zum „Garden of Eden“ zählenden Rundbau mit Erdwärme zu versorgen. Die gesamte Klimatechnik sowie die Warmwasserbereitung kommen damit aus. Und weil in einem solchen Konzept kein Platz für Autos ist, gelangen Kraftfahrzeuge von der Straße her über einen Tunnel in das unterirdische – mit E-Tankstellen ausgerüstete – Garagensystem. „Da war genauso wie bei den Tiefenbohrungen höchste Vorsicht geboten, um die Wurzeln der Bäume nicht zu beschädigen.“

 

Kritik an Verdichtung

Freilich: Ganz unumstritten ist der „Paradiesgarten“ nicht. Vor allem alteingesessene Bewohner des einst von Villen, vermehrt jedoch von Botschaftsgebäuden geprägten Viertels klagen über die zunehmende Verdichtung und den Verlust von Grünraum durch dieses und andere Bauvorhaben. Seitens des mit der Hausverwaltung betrauten Immobilienunternehmens Grigkar verweist man jedoch auf die gelungene Verschmelzung von Architektur und Natur und versichert: „Das Echo der Wohnungssuchenden ist groß.“

ZUM OBJEKT

Das Projekt „Garden of Eden“ auf den ehemaligen Präsidentschaftsgründen nahe der meteorologischen Station auf der Hohen Warte in Wien umfasst fünf Gebäude mit 23 Wohnungen von 110 bis 260 Quadratmeter Wohnfläche. Eine grundlegende Charakteristik der Gebäude ist ihre geschwungene Form, die an Falter erinnern soll. Beheizt und klimatisiert werden die Gebäude mit umweltfreundlicher Geothermie. Für die Planung zeichnen Gerner Gerner Plus Architekten verantwortlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.10.2017)

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