Harald Vilimsky: Der ''Mann fürs Grobe'' bleibt Straßburg treu

Kurz vor dem Urnengang tauchte das "Ibiza-Video" auf - bescherte Heinz-Christian Strache den Rücktritt und FPÖ-Spitzenkandidat Vilimsky unangenehme Fragen - und ein Minus.

Harald Vilimsky konnte ein Stimmenminus für die FPÖ nicht verhindern, wenn es auch nicht so groß ausfiel wie befürchtet. Der Wahlkampf - insbesondere dessen finale Woche - verlief für den FPÖ-Spitzenkandidaten und Generalsekretär durchaus turbulent. Der Grund: Das "Ibiza-Video", das den Rücktritt von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zur Folge hatte und dem 52-jährigen Vilimsky unangenehme Fragen zum Wesen der Freiheitlichen bescherte.

imago images / Viennareport

Zu Wahlkampfbeginn war Vilimsky noch gemeinsam mit Heinz-Christian Strache auf Plakaten und auch in einem Werbevideo zu sehen gewesen, gegen Ende des Wahlkampfes musste er zurücktreten und der designierte FPÖ-Obmann Norbert Hofer gestaltete mit Vilimsky das Stimmenfangfinale. Dabei wurde betont: Der "Mann fürs Grobe", wie Vilimsky auch genannt wird, sei - im Unterschied zur Konkurrenz - der Einzige, der sich in Europa für Österreich einsetzen wolle.

APA/AFP/ALEX HALADA

Und das tut und tat Vilimsky bisher, indem er enge Bande zu Frankreichs Rechts-Außen-Politikerin Marine Le Pen pflegte - und mit den Jahren auch sein Französisch verbesserte.

Gänzlich geändert hat Vilimsky übrigens seine Meinung zu Österreichs möglichem Austritt aus der EU. Denn: Davon will er mittlerweile nichts mehr wissen: "Dies ist keine Austrittsallianz", beteuerte er mehrfach, "dieses Thema ist vom Tisch." Man gehe vielmehr den "Weg der Reform". Also: Die EU von Straßburg aus umbauen.

REUTERS

Dazu bastelt Vilimsky beständig an einem EU-kritischen Bündnis: Mitte 2015 glückte die Gründung der ENF-Fraktion schließlich - nachdem eine britische Abgeordnete für das Vorhaben gewonnen werden konnte und damit die Vorgabe erfüllt war, wonach die Mitglieder einer Fraktion aus zumindest sieben EU-Ländern kommen müssen.

 

Die Presse

Der freiheitliche Generalsekretär gilt als Verfechter von "Law and Order", und auch als Meister der nicht allzu feinen Klinge. Diese führte Vilimsky auch schon des öfteren gegen die aktuelle Führungsspitze der Europäischen Union: Es gelte "diese EU der Merkels, Macrons und Junckers zu beenden", so sein mantraartig wiederholtes Credo.

Die Presse

Vor allem Kommissions-Präsident Jean Claude Juncker hat der Vater einer Tochter gerne im Visier: Dessen bisweilen unorthodoxen Umgangsformen geißelte er als "lächerlich", auch unterstellte er Juncker zumindest indirekt einen Hang zum Alkohol ("Ob da Alkohol die Ursache war oder nicht, ist für mich zweitrangig, es fügt der EU Schaden zu").

APA/HERBERT PFARRHOFER

In die Politik kam Vilimsky Anfang der 1990er-Jahre. Der Wiener absolvierte 1990 den Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit und wurde nach einem Jahr beim Kuratorium für Verkehrssicherheit 1991 Pressereferent im FPÖ-Parlamentsklub. 1996 wechselte er in derselben Funktion ins Wiener Rathaus, wo der Strache-Getreue 2004 bis 2006 auch Landesparteisekretär war. Damals konnte er schon auf einige Jahre kommunalpolitischer Erfahrung - als Bezirksrat in Wien Mariahilf bzw. als dortiger FPÖ-Obmann - zurückblicken.

APA/BARBARA GINDL

Nach der Abspaltung des BZÖ 2005 blieb Vilimsky auf Seite Straches und fungiert seit Februar 2006 als Generalsekretär in der FPÖ-Bundespartei. Nach der Nationalratswahl 2006 zog er auch in den Nationalrat ein und blieb dort bis zu seinem Wechsel nach Brüssel 2014.

Seinen Posten als Generalsekretär behielt Vilimsky - einer der gar nicht so vielen Nicht-Burschenschafter in der blauen Elite - dennoch.

REUTERS

Hart austeilen kann Vilimsky jedenfalls, aber auch einstecken: Legendär ist ein vor Kameras ausgetragener Selbstversuch mit einer Taser-Pistole, der den Freiheitlichen dann doch zu Boden streckte. Das änderte freilich nichts an seinem Werben für die Einführung der umstrittenen Waffe im Strafvollzug.

Privat hat Vilimsky eine Fallschirmspringer-Grundausbildung absolviert und per Motorrad die Sahara durchquert. Im letzten EU-Wahlkampf präsentierte er sich auch als Bogenschütze.

APA/ERWIN SCHERIAU

Zur Person:

Harald Vilimsky, am 22. Juli 1966 in Wien, geboren, 1990 Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit, ab 1991 Pressereferent im FPÖ-Parlamentsklub, später im Wiener Landtagsklub. Ab 2001 Bezirksrat in Mariahilf, ab 2004 Landesparteisekretär der Wiener FPÖ. Ab 2006 Generalsekretär der FPÖ und Nationalratsabgeordneter. Seit 2014 EU-Abgeordneter. Vilimsky ist verheiratet und Vater einer Tochter.

APA/BARBARA GINDL
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Harald Vilimsky konnte ein Stimmenminus für die FPÖ nicht verhindern, wenn es auch nicht so groß ausfiel wie befürchtet. Der Wahlkampf - insbesondere dessen finale Woche - verlief für den FPÖ-Spitzenkandidaten und Generalsekretär durchaus turbulent. Der Grund: Das "Ibiza-Video", das den Rücktritt von FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache zur Folge hatte und dem 52-jährigen Vilimsky unangenehme Fragen zum Wesen der Freiheitlichen bescherte.

imago images / Viennareport

Zu Wahlkampfbeginn war Vilimsky noch gemeinsam mit Heinz-Christian Strache auf Plakaten und auch in einem Werbevideo zu sehen gewesen, gegen Ende des Wahlkampfes musste er zurücktreten und der designierte FPÖ-Obmann Norbert Hofer gestaltete mit Vilimsky das Stimmenfangfinale. Dabei wurde betont: Der "Mann fürs Grobe", wie Vilimsky auch genannt wird, sei - im Unterschied zur Konkurrenz - der Einzige, der sich in Europa für Österreich einsetzen wolle.

APA/AFP/ALEX HALADA

Und das tut und tat Vilimsky bisher, indem er enge Bande zu Frankreichs Rechts-Außen-Politikerin Marine Le Pen pflegte - und mit den Jahren auch sein Französisch verbesserte.

Gänzlich geändert hat Vilimsky übrigens seine Meinung zu Österreichs möglichem Austritt aus der EU. Denn: Davon will er mittlerweile nichts mehr wissen: "Dies ist keine Austrittsallianz", beteuerte er mehrfach, "dieses Thema ist vom Tisch." Man gehe vielmehr den "Weg der Reform". Also: Die EU von Straßburg aus umbauen.

REUTERS

Dazu bastelt Vilimsky beständig an einem EU-kritischen Bündnis: Mitte 2015 glückte die Gründung der ENF-Fraktion schließlich - nachdem eine britische Abgeordnete für das Vorhaben gewonnen werden konnte und damit die Vorgabe erfüllt war, wonach die Mitglieder einer Fraktion aus zumindest sieben EU-Ländern kommen müssen.

 

Die Presse

Der freiheitliche Generalsekretär gilt als Verfechter von "Law and Order", und auch als Meister der nicht allzu feinen Klinge. Diese führte Vilimsky auch schon des öfteren gegen die aktuelle Führungsspitze der Europäischen Union: Es gelte "diese EU der Merkels, Macrons und Junckers zu beenden", so sein mantraartig wiederholtes Credo.

Die Presse

Vor allem Kommissions-Präsident Jean Claude Juncker hat der Vater einer Tochter gerne im Visier: Dessen bisweilen unorthodoxen Umgangsformen geißelte er als "lächerlich", auch unterstellte er Juncker zumindest indirekt einen Hang zum Alkohol ("Ob da Alkohol die Ursache war oder nicht, ist für mich zweitrangig, es fügt der EU Schaden zu").

APA/HERBERT PFARRHOFER

In die Politik kam Vilimsky Anfang der 1990er-Jahre. Der Wiener absolvierte 1990 den Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit und wurde nach einem Jahr beim Kuratorium für Verkehrssicherheit 1991 Pressereferent im FPÖ-Parlamentsklub. 1996 wechselte er in derselben Funktion ins Wiener Rathaus, wo der Strache-Getreue 2004 bis 2006 auch Landesparteisekretär war. Damals konnte er schon auf einige Jahre kommunalpolitischer Erfahrung - als Bezirksrat in Wien Mariahilf bzw. als dortiger FPÖ-Obmann - zurückblicken.

APA/BARBARA GINDL

Nach der Abspaltung des BZÖ 2005 blieb Vilimsky auf Seite Straches und fungiert seit Februar 2006 als Generalsekretär in der FPÖ-Bundespartei. Nach der Nationalratswahl 2006 zog er auch in den Nationalrat ein und blieb dort bis zu seinem Wechsel nach Brüssel 2014.

Seinen Posten als Generalsekretär behielt Vilimsky - einer der gar nicht so vielen Nicht-Burschenschafter in der blauen Elite - dennoch.

REUTERS

Hart austeilen kann Vilimsky jedenfalls, aber auch einstecken: Legendär ist ein vor Kameras ausgetragener Selbstversuch mit einer Taser-Pistole, der den Freiheitlichen dann doch zu Boden streckte. Das änderte freilich nichts an seinem Werben für die Einführung der umstrittenen Waffe im Strafvollzug.

Privat hat Vilimsky eine Fallschirmspringer-Grundausbildung absolviert und per Motorrad die Sahara durchquert. Im letzten EU-Wahlkampf präsentierte er sich auch als Bogenschütze.

APA/ERWIN SCHERIAU

Zur Person:

Harald Vilimsky, am 22. Juli 1966 in Wien, geboren, 1990 Hochschullehrgang für Öffentlichkeitsarbeit, ab 1991 Pressereferent im FPÖ-Parlamentsklub, später im Wiener Landtagsklub. Ab 2001 Bezirksrat in Mariahilf, ab 2004 Landesparteisekretär der Wiener FPÖ. Ab 2006 Generalsekretär der FPÖ und Nationalratsabgeordneter. Seit 2014 EU-Abgeordneter. Vilimsky ist verheiratet und Vater einer Tochter.

APA/BARBARA GINDL