EU-Wahl: Die Fraktionen und ihre europaweiten Spitzenkandidaten

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EVP - Europäische Volkspartei

Die EVP geht mit dem deutschen Politiker Manfred Weber (CSU) ins Rennen. Der 46-Jährige Diplomingenieur ist seit 2004 im Europaparlament und seit 2014 Fraktionschef der Europäischen Volkspartei. Sie ist mit 216 von 751 Abgeordneten derzeit die mit Abstand stärkste Fraktion im Europaparlament.

Die ÖVP gehört dem Parteienverband ebenso an wie die deutsche CDU/CSU oder Forza Italia in Italien. Die ungarische Fidesz-Partei von Ministerpräsident Viktor Orbán hat ihre Mitgliedschaft derzeit ausgesetzt - sie ist innerhalb der EVP sehr umstritten.

(c) REUTERS (LISI NIESNER)
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Anfangs als Favorit für den nächsten EU-Kommissar betrachtet, verliert Weber innerhalb seiner Parteienfamilie mehr und mehr an Rückhalt. Die EVP legte sich schon im im November 2018 auf ihn fest, doch so manche der konservativen Staats- und Regierungschefs haben Bedenken gegen das Spitzenkandidatenprinzip - dass also der Spitzenkandidat der siegreichen Fraktion EU-Kommissionspräsident werden soll. Auch die deutsche Kanzlerin und Parteifreundin Webers, Angela Merkel, ist davon nicht begeistert. Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz gilt als Unterstützer von Weber.

(c) REUTERS (LISI NIESNER)
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SPE - Sozialdemokratische Partei Europas

Für die Sozialdemokraten tritt der Niederländer Frans Timmermans an. Er ist derzeit erster Vize-Präsident der EU-Kommission und damit Stellvertreter von Amtsinhaber Jean-Claude Juncker. Von 2012 bis 2014 war der 57-Jährige Außenminister der Niederlande.

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)
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Timmermans Chancen auf einen Wahlsieg sind klein. Er könnte aber in der künftigen Kommission dennoch weiterhin eine gewichtige Rolle spielen - etwa als Außenbeauftragter.

Laut Insidern muss das EU-Personalpaket bereits im Juni in seinen Grundzügen stehen, wenn alles im Zeitplan verlaufen soll. Ratspräsident Donald Tusk selbst beruft schon am 28. Mai einen EU-Sondergipfel ein, um die Personalentscheidungen im Lichte der Ergebnisse der Europawahl zu diskutieren.

(c) APA/AFP/ANP/MARCEL VAN HOORN (MARCEL VAN HOORN)
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Europäische Grüne Partei (EGP)

Die europäischen Grünen wollen die Europawahl Ende Mai nicht auf die Frage verengen, ob die Wähler für oder gegen die EU sind. Damit würde man all jene Menschen ignorieren, die für Europa seien, aber einen Wandel forderten, sagte der Grüne-Spitzenkandidat, Bas Eickhout, am Mittwoch zum Wahlkampfauftakt in Brüssel.

Viele Wähler forderten eine sozialere und grünere Gesellschaft, mehr Kampf gegen Korruption und Steuervermeidung. Gegner der Grünen im Wahlkampf sei dabei vor allem die konservative Europäische Volkspartei mit ihrem Spitzenkandidaten Manfred Weber (CSU) und nicht die anti-europäischen Populisten.

Die zweite Spitzenkandidatin, Ska Keller, betonte dennoch den Druck extrem rechter Parteien: "Die Wahlen in diesem Jahr werden extrem wichtig", sagte die deutsche Grünen-Politikerin. Sie würden darüber entscheiden, in welche Richtung die EU gehen werde.

Bei der vorigen Europawahl 2014 hatten die Grünen rund 6,7 Prozent geholt. Man hofft auf Zuwachs.

(c) Christian CREUTZ
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Allianz der Liberalen und Demokraten für Europa (ALDE)

Die liberale Fraktion im EU-Parlament schickt die dänische EU-Kommissarin Margrethe Vestager ins Rennen um die Nachfolge von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker.  Es sei „lang überfällig“, dass eine Frau die Kommission führe, erklärte die 50-jährige frühere stellvertretende Ministerpräsidentin Dänemarks. Ihre Aussichten darauf Juncker in diesem Amt zu folgen, sind nüchtern betrachtet beschränkt. 

(c) APA/AFP/EMMANUEL DUNAND (EMMANUEL DUNAND)
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Zum Wahlkampfteam der Liberalen bei der Europawahl Ende Mai gehören aber noch weitere Politiker: darunter der frühere belgische Regierungschef und ALDE-Fraktionschef Guy Verhofstadt, der im EU-Parlament immer wieder mit rhetorischen guten Reden Aufmerksamkeit schafft. Aus Deutschland ist FDP-Spitzenkandidatin Nicola Beer im "Team Europa". Teil der Alde-Fraktion sind auch die Neos.

Im Hintergrund spielt aber auch der französische Präsident Emmanuel Macron eine wesentliche Rolle, der seine "Renaissance"-EU-Bewegung mit den Liberalen im Wahlkampf verbündet, um künftig eine starke Fraktion im EU-Parlament zu bilden - auf Augenhöhe mit EVP und SPE.

(c) APA/AFP/FREDERICK FLORIN (FREDERICK FLORIN)
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Freie Europäische Allianz (EFA)

Die Freie Europäische Allianz (EFA) hat den inhaftierten katalanische Unabhängigkeitsführer Oriol Junqueras zu ihrem Spitzenkandidaten für die Europawahl gekürt.

Junqueras, der von 2009 bis 2012 in EU-Parlament saß, kündigte an, die Freiheit und Vielfalt sowie die Rechte der Minderheiten und der Regionen in Europa zu verteidigen.

Die ERC ist eine von 45 Mitgliedern der Freien Europäische Allianz, der dutzende Regionalparteien wie die Bayernpartei, die Schottische Nationalpartei (SNP) oder die flämischen Nationalisten (NVA) angehören. Im Europaparlament bildet die EFA eine Fraktionsallianz mit den Grünen.

(c) APA/AFP/GABRIEL BOUYS (GABRIEL BOUYS)
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Europäische Linkspartei

2014 war die Europäische Linkspartei mit dem heutigen griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras ins Rennen gegangen. 2019 kürte die Partei eine Doppelspitze aus der Slowenin Violeta Tomic (56) und dem belgischen Gewerkschafter Nico Cué (62).

Mitgliedsparteien sind unter anderen die Linke (Deutschland), die Kommunistische Partei (Frankreich) und Syriza (Griechenland).

(c) APA/AFP/ANP/MARCEL VAN HOORN (MARCEL VAN HOORN)
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Allianz der Konservativen und Reformer in Europa (AKRE/ACRE)

Spitzenkandidat der AKRE ist der 56-jährige Tscheche Jan Zahradil, der auch Vorsitzender der Partei ist. In AKRE sind die meisten Abgeordneten der Parlamentsfraktion der Europäischen Konservativen und Reformisten (EKR) vertreten. Zur EKR gehört auch die polnische Regierungspartei PiS oder die Fratelli d'Italia.

(c) APA/AFP/ANP/MARCEL VAN HOORN (MARCEL VAN HOORN)
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Europa der Nationen und der Freiheit (ENF)

Die rechtspopulistische Fraktion im EU-Parlament lehnt das Konzept des Spitzenkandidaten offiziell ab. Das hinderte den Chef der fremdenfeindlichen italienischen Lega-Partei, Matteo Salvini (im Bild), aber nicht daran, Anspruch auf den Posten des Kommissionspräsidenten zu erheben, falls die Rechtspopulisten bei der Europawahl stärkste Kraft würden.

Gemeinsam mit der AfD aus Deutschland, der FPÖ, der Rassemblement National (die Partei von Marine Le Pen) oder auch der Partij voor de Vrijheid von Geert Wilders in den Niederlanden hofft die neue Fraktion künftig eine gewichtige Rolle zu spielen. Die Umfragen deuten jedenfalls daraufhin hin.

(c) APA/AFP/KENZO TRIBOUILLARD (KENZO TRIBOUILLARD)