Das Ballett der Business-Dates

2095 Aussteller, 44.536 Besucher: Die Rekordzahlen auf Europas größter Immobilien- und Investmentmesse Anfang Oktober spiegeln die gute Stimmung der Branche wider. Häufigster Gesprächsstoff: die digitale Evolution.

Neu gestalteter Treffpunkt vieler Österreicher: Gemeinschaftsstand „Wien – Europe's heart“ am Eingang der Halle A1.
Neu gestalteter Treffpunkt vieler Österreicher: Gemeinschaftsstand „Wien – Europe's heart“ am Eingang der Halle A1.
Neu gestalteter Treffpunkt vieler Österreicher: Gemeinschaftsstand „Europe's heart“ am Eingang der Halle A1. – dama

Ich kann mich an keine Expo erinnern, bei der die führenden Marktteilnehmer so optimistisch waren wie heuer“, sagt Michael Ehlmaier von EHL Immobilien. „Wir haben eine ganze Reihe von Suchaufträgen für österreichische Wohnimmobilien erhalten, gesucht werden Objekte oder Portfolios von 100 Wohnungen aufwärts“, nennt Sandra Bauernfeind, geschäftsführende Gesellschafterin EHL Wohnen, einen Trend. „Darunter vor allem Entwicklungsprojekte und Bestandsimmobilien außerhalb des Vollanwendungsbereichs des MRG.“


Großer Bahnhof


„Der Besucherandrang steigt jedes Jahr“, zeigt sich auch Johannes Karner, Geschäftsführer ÖBB-Immobilienmanagement, erfreut. An den Ständen herrscht Hochbetrieb, allerorten werden Gespräche geführt, vereinbart, verschoben oder nachgeholt, Ideen präsentiert und begutachtet. „Die Messe ist für uns ein Musterbeispiel für eine internationale Plattform, die Austausch auf höchstem Niveau ermöglicht.“ Die ÖBB entwickeln derzeit einige Projekte in Wien – etwa auf dem 44 Hektar großen Areal des ehemaligen Nordwestbahnhofs, auf dem rund 7000 Wohnungen, 4000 Arbeitsplätze und ein zehn Hektar großer Park entstehen sollen. Dafür werden nun die Beiträge zur Umweltverträglichkeitsprüfung erstellt. Entwickelt werden auch Flächen in Linz, St. Pölten und Amstetten. Hier soll auf 90.000 m2 eine „Second City“ mit Working Spaces, Gesundheitseinrichtungen und neuen Wohnformen entstehen – ein Prototyp für ähnlich gelagerte Standorte entlang der Hauptachsen.


Seebogen und smart wohnen


Der Mix von Wohnen und Arbeiten, die Entwicklung von neuen Stadtteilen beschäftigen derzeit zahlreiche europäische Planer, wie an den Ständen von Helsinki, Budapest, Stockholm, Hamburg oder Berlin zu sehen war. Vor zehn Jahren wurde die Seestadt Aspern hier erstmals präsentiert. Nun ist rund ein Viertel der Fläche bebaut, „im Frühling 2019 beginnt der Hochbau im Quartier Seebogen nahe der U2-Endstation“, berichtet Ingrid Spörk von 3420 Aspern Development. Wie im Großen ist die Optimierung von Wohnraum auch im Kleinen ein heißes Thema – etwa Wohnen auf wenig Raum, Kurzzeit- sowie serviciertes und altersgerechtes Wohnen. „Wir hatten schon einen recht busy Tag“, erzählt Karl-Heinz Daurer von der GBI-Projektentwicklung, die auf Serviced Appartements und Studentenwohnheime setzt – und vor Kurzem das Studentenwohnheim beim Wiener Hauptbahnhof eröffnete. „Kurzzeitwohnen wird immer stärker gefragt und wird auch von Touristen mit viel Zeit immer häufiger genutzt“, nennt er einen überraschenden Aspekt.


Das bei den zahlreichen Business-Dates wohl am meisten besprochene, weil in fast alle Bereiche hineinspielende Thema ist die Digitalisierung. „Manche sagen ja, wir haben in Sachen Building Information Modeling schon 40 oder 50 von 100 Kilometern erreicht. Ich glaube, wir sind gerade bei den ersten zehn Kilometern“, sagt Marc Guido Höhne, GF von Drees & Sommer Österreich. Dabei beschäftigt ihn und die Branche nicht nur die weitere Entwicklung, „sondern, das bestehende zu perfektionieren, durch sinnvolle Zertifizierungen vergleichbar zu machen und Sicherheitsstandards zu erfüllen“. Im Konferenzprogramm wurden Fragen wie „Was bringt verbesserte Sensortechnik? Wie lassen sich sinnvolle und umfassende Datenplattformen schaffen?“ von Experten diskutiert, unter anderem Coen van Oostrom, Gründer von Edge Technologies, der meinte, dass Big Data „individualisierte, smarte Gebäude ermöglicht, die von datenbasierten Entscheidungen und vorhersagbaren Verhaltensmustern profitieren“. Robert Leingruber von der Signa sieht ebenfalls kein Ende der guten, aber einen Aufbruch in digitale Zeiten. „Wir wollen uns mit der Gruppe Signa Innovations an der Digitalisierung des Immobilienmarkts maßgeblich beteiligen.“
Das möchten auch die meisten der Start-ups und jungen Technologieunternehmen, die sich im Innovation Forum präsentierten. Darunter Österreicher wie Christoph Lückl von Nuki. Das Unternehmen entwickelte eine leicht anbringbare Türsicherung, die per Bluetooth vom Mobiltelefon beziehungsweise über ein Zusatzgerät online gesteuert wird. Sollte das Handy aber einmal nicht zur Hand sein, tut es auch der gute alte Schlüssel.

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