Gibt Wiener Polizei ihr Hauptgebäude auf?

Exekutive denkt über Auszug vom Standort Schottenring nach. Polizeipräsident Pürstl bestätigt "intensive Diskussionen". Bei möglichem Neubau könnten mehrere Dienststellen zusammengeführt werden.

Immobilien Gibt Wiener Polizei
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Bundespolizeidirektion – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Eifrig arbeiteten am Montag in der Mittagshitze Handwerker am Eingangsportal der Wiener Polizeidirektion (BPD Wien) am Schottenring. Das Gebäude wird derzeit mit einer modernen Sicherheitsschleuse ausgestattet. Der Stahlbetonskelettbau aus den Jahren 1969 bis 1971 ist in die Jahre gekommen. Jetzt wird darüber nachgedacht, das Hauptgebäude der Wiener Polizei mit der feinen Adresse Schottenring 7–9 aufzugeben und in einen Neubau oder ein bestehendes Haus – das dafür speziell adaptiert werden müsste – zu ziehen.

Viele hohe Polizisten würden es zudem begrüßen, wenn die über mehrere Standorte in Wien verstreuten Zentralstellen zusammengeführt werden könnten. Polizeipräsident Gerhard Pürstl bestätigte am Montag der „Presse“, dass es Überlegungen über die Zukunft des Gebäudes am Schottenring gibt. „Diese werden derzeit intensiv geführt“, sagte Pürstl.

Das Haus „in bester Lage“ habe Vor- und Nachteile. Zum unbestrittenen Vorteil gehöre die Lage am Ring in unmittelbarer Nähe zur U2 und mehreren Straßenbahnlinien. „Ein neues Hauptgebäude müsste ebenfalls zentral liegen, ich könnte mir da eigentlich nur einen Neubau vorstellen“, so Pürstl. Zu seinen persönlichen Präferenzen hält er sich bedeckt: Er wolle zunächst die Diskussion abwarten, meint aber: „Ich bin sicher keiner, der irgendwelche Dünkel hat und auf dem Standort Schottenring besteht.“

 

Veraltete Arbeitsbedingungen

Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) bestätigt ebenfalls „informelle Gespräche“ über den Standort Schottenring, man sei stark eingebunden und diskutiere intensiv darüber. Nähere Details will man dort aber nicht nennen.

Zwar wurden in den vergangenen Jahren einige Renovierungen vorgenommen, viele Mitarbeiter sprechen aber von schlechter Luft, elektrischen Problemen und generell „veralteten Arbeitsbedingungen“. Als Highlights des Gebäudes gelten hingegen der moderne, 2006 geschaffene Kommandoraum sowie die heute für gesellschaftliche Anlässe genutzte ehemalige Dienstwohnung des früheren Polizeipräsidenten Günther Bögl im Dachgeschoß samt dazugehöriger Dachterrasse. Der kleine Innenhof erregte vor einigen Jahren Aufsehen: Damals gab es einen erbittert geführten Streit zweier bekannter Kriminalisten um einen der begehrten Innenhofparkplätze.

Angesichts des knappen Budgets der Polizei gehen interne Beobachter nicht davon aus, dass sich, sollte man den Standort Schottenring aufgeben, ein Neubau – noch dazu in ähnlich guter Lage – finanziell ausgehen werde.

 

Leere Räume in Erdberg

Eine mögliche Option wäre, die ehemaligen Räumlichkeiten der Zollwachschule und der Bundesfinanzakademie in Wien Erdberg zu adaptieren. Das Finanzministerium hat sich daraus zurückgezogen, künftig soll in einem Gebäudeteil die Polizeischule (derzeit in der Marokkanerkaserne untergebracht) einziehen. Der Keller wird bereits von der Sondereinheit Wega für Schießtrainings genutzt.

Für und Wider gibt es auch intern darüber, ob es sinnvoll sei, die über Wien verstreuten zentralen Dienststellen der BPD (siehe oben stehende Grafik) zusammenzuführen. Befürworter meinen, bei einem möglichen Neubau sollte dies eingeplant werden. So befinden sich die Polizeiführung mit zahlreichen Dienststellen und das Landesamt für Verfassungsschutz am Schottenring, das Landeskriminalamt an der Roßauer Lände, das Verkehrsamt auf dem Liechtenwerder Platz, die Fremdenpolizei am Hernalser Gürtel, Verkehrspolizei und Wega in der Roßauer Kaserne.

Gerade die Roßauer Kaserne weckt bei Polizisten wehmütige Erinnerungen. Einst ein zentraler und wichtiger Standort der Exekutive, mussten durch die Renovierung und den schrittweisen Einzug des Bundesheeres mehrere Polizeidienststellen weichen.

Auf einen Blick

Die Wiener Polizei hat seit den frühen 1970er-Jahren ihren Hauptsitz an der Adresse Schottenring 7–9. Jetzt wird darüber nachgedacht, das in die Jahre gekommene Gebäude aufzugeben. Möglicherweise könnte sich die Polizeiführung in adaptierten Räumlichkeiten der ehemaligen Zollwachschule und Bundesfinanzakademie in Wien Erdberg ansiedeln. Ein Neubau in zentraler Lage wäre derzeit – so meinen Experten – nicht finanzierbar. Darüber hinaus gibt es seit Jahren Kritik an den zahlreichen in Wien verstreuten zentralen Dienststellen der Wiener Polizei.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 03.07.2012)

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