Aus dem Handelsgericht wird ein Luxushotel

Doppelbett statt Anklagebank. Das alte Wiener Handelsgericht in der Riemergasse hat einen neuen Investor. Damit ist die Innere Stadt auch ihren letzten Promi-Leerstand los.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Das alte Handelsgericht in der Riemergasse 7 in der Inneren Stadt hat eine harte Zeit hinter sich. Seit nun bald 13 Jahren steht das Jugendstilgebäude im ersten Bezirk leer, es wurde unliebsam von Investor zu Investor geschoben und verfiel Jahr für Jahr immer mehr. Doch nun soll es bald wieder in neuem Glanz erstrahlen.

 
Das Haus im Otto-Wagner-Stil hat mit der Unterzeichnung der Papiere nächste Woche wieder einmal einen neuen Besitzer – und dieser will es von der verstaubten Bruchbude zum Nobelhotel herausputzen. Der in der Schweiz lebende russisch-britische Investor Dimitry Vallen plant, auf knapp 19.000 Quadratmetern die Luxushotelkette Four Seasons mit 160 Zimmern einzuquartieren. Einen Interessenbekundungsbrief an dem Gebäude gibt es seitens der Hotelkette schon länger – bisher ist das aber am nötigen Kleingeld in zweistelliger Millionenhöhe für die Renovierung gescheitert. Nun will Vallen die alten Pläne wiederaufnehmen, sagt sein Sprecher zur „Presse“. Im Dachgeschoß sollen auf rund 3500 Quadratmetern 15 bis 20Luxuswohnungen entstehen.


Garage in Planung

Außerdem plant die Strabag unter den umliegenden Gassen eine Tiefgarage mit rund 150 Stellplätzen zu bauen. Damit das möglich ist, müsste laut Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) das Gymnasium in der Stubenbastei, das direkt an das Handelsgericht angeschlossen ist, unterirdische Räumlichkeiten opfern. Unter anderem wäre das ein Turnsaal. Darum ist angedacht, einen neuen Sportsaal für die Schule im Hof zu finanzieren.

Die Planungen für dieses Projekt sind allerdings noch in den Anfängen – und hängen stark davon ab, wie sich der Hotelumbau in der Riemergasse entwickelt.

Dafür ist ausschlaggebend, was der Denkmalschutz genehmigen wird und was nicht. „Erhaltenswert sind heute vor allem die Fassade und die Stiegenhäuser, das Vestibül – und zu einem Teil auch der Verhandlungssaal“, sagt Elisabeth Hudritsch vom Bundesdenkmalamt. Dort freut man sich über einen neuen Investor, mit dem es aber noch keinen Kontakt gegeben haben soll. „Aber auch für die vorigen eingereichten Projekte hat es unsererseits weitreichende Bewilligungen gegeben“, sagt Hudritsch. Darunter der Dachausbau und ein Abbruch des Mittelteils, wo einmal der Auktionssaal untergebracht war.


Bewegte Geschichte

Ursprünglich befand sich auf dem Grundstück das Frauenkloster St.Jakob (darum der Name Jakobergasse) und ab 1783 die k. u. k Tabak- und Stempel Gefällsdirektion. Zwischen 1906 und 1908 baute Alfred Keller hier das secessionistische Gebäude für die niederösterreichische Statthalterei – dementsprechend gleicht das Gebäude innen einem Bürobau mit breiten Gängen und kleineren Zimmern. Ab 1912 war hier das Handelsgericht untergebracht, bis dieses 2003 unter Schwarz-Blau in den Justiztower in die Landstraße übersiedelt wurde. Ein höchst umstrittenes Projekt: Denn die Riemergasse war erstens kurz zuvor renoviert worden – zweitens wurden die Kosten für das von Porr errichtete Hochhaus sowie dessen Notwendigkeit kritisiert.

Es kam in dieser Causa sogar zu Gerichtsprozessen, weil der ehemalige der FPÖ-nahe Immobilienmakler Ernst Karl Plech 607.476 Euro Provision für die Vermittlung des Umzugs erhielt. Justizminister war damals Dieter Böhmdorfer (FPÖ). Die Riemergasse 7 wurde dann um rund 30Millionen Euro von der BIG an private Investoren verkauft, die versprochene Projekte nie verwirklicht haben.

Sofern es diesmal mit dem Hotelbau in der Riemergasse klappt, wäre der Bezirk nun auch den letzten Promi-Leerstand los – und hätte somit eine der ewigen Großbaustellen abgehakt.

So fand etwa auch das Post- und Telegrafenamt bei der Börse mit Anfang des Jahres endlich seine Bestimmung. In das denkmalgeschützte Gebäude, das seit 1996 leer steht, sollen 39 hochwertige Wohnungen und zwei Büros kommen. Der Verkauf der Immobilien soll angeblich schon laufen – der Bau bald starten und bis 2018 abgeschlossen sein.

Ein weiteres ewiges Sorgenkind war die ehemalige Zentrale der Post in der Postgasse 8–10. Dort wird bereits umgestaltet. Investor ist unter anderem Michael Tojner, der auch für das Hochhausprojekt am Heumarkt verantwortlich ist. In der alten Postzentrale (Bau 1831) soll eine Mischung aus zwei Dritteln Wohnungen und einem Drittel Hotel entstehen. Wie in der Riemergasse ist auch hier ein Tiefgaragenbau angedacht. Das Gebäude steht seit 2011 leer – damals übersiedelte die Post in die Haidingergasse im dritten Bezirk. Mit Ende 2017 soll die neue Unternehmenszentrale am Wiener Rochusmarkt bezogen werden.


Lang gehegte Wünsche. Aber nicht nur was Gebäude betrifft, scheinen die Langzeitbaustellen im ersten Bezirk nun bald ein Ende zu finden: Der Sanierung des Stephansplatzes ging ein Jahrzehnt an Diskussionen voraus – im Herbst soll die Umgestaltung nun starten, Ende 2017 abgeschlossen sein. Ab Sommer 2017 wird der Schwedenplatz umgebaut. Und in der Herrengasse sind die Arbeiten angelaufen. Bezirksvorsteher Markus Figl (ÖVP) ist zufrieden: „Mein Ziel ist es, für Bewegung für die Innere Stadt zu sorgen. Daher freut es mich, dass Projekte nun endlich umgesetzt werden.“

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