Hausgeschichte

Innsbruck: Wohntürme statt Bauhof

Neuer Hingucker in Tirols Landeshauptstadt: Peter Larcher plante für die Bienerstraße drei Wohntürme mit sechseckigem Grundriss zwischen Bahn und Hochhausbestand.

Zwei der Türme im Stadtteil Dreiheiligen mit kleinem Spielplatz.
Zwei der Türme im Stadtteil Dreiheiligen mit kleinem Spielplatz.
Zwei der Türme im Stadtteil Dreiheiligen mit kleinem Spielplatz. – (c) Guenter Richard Wett

Innsbruck hat eine neue Landmark – oder besser gesagt gleich drei. Und zwar in Gestalt der Wohntürme in der Bienerstraße 10, 10a und 12: Sie ragen 24, 27 und 33 Meter hoch in den Himmel. Aber nicht die Höhe ist das Besondere an den Gebäuden, die Richtung Westen von einem Bahnviadukt und nach Osten von fünf Hochhäusern aus den 1960er-Jahren begrenzt werden, sondern ihre Form. „Wir haben den Wohnturmgrundriss neu interpretiert – und ihm die Form eines Sechsecks gegeben“, sagt Architekt Peter Larcher. Mit seinem Architekturbüro Workspace Architekten hat er sich 2015 in einem EU-weiten offenen Wettbewerb gegen mehr als 90 Mitbewerber durchgesetzt.

Loggien mit Ausblick

Die insgesamt 126 Wohnungen, die im Herbst des Vorjahres an die neuen Mieter übergeben wurden, sind in den drei Türmen rund um zentral gelegene Erschließungskerne angeordnet. Die innen liegenden Treppenhäuser sind dreieckig und werden über Lufträume neben den Aufzügen von oben mit natürlichem Licht versorgt. Dass die Wahl auf Sechsecke fiel, hat einen ganz bestimmten Grund: „Wir wollten, dass man von allen Loggien das Panorama genießen kann“, sagt Larcher. Die Lage der Loggien an den Ecken erlaubt eine mindestens zweiseitige Orientierung der Wohnungen und damit den freien Blick zu den Gipfeln. Ein weiterer gewünschter Effekt ist, dass die geförderten Wohnungen – von der Zwei- bis zur Vier-Zimmer-Wohnung – vom Vorraum zum Wohnraum und somit zum Tageslicht hin breiter werden. „Und wir konnten bis zu sechs Wohnungen pro Geschoß unterbringen“, sagt Larcher. Neben den Bewohnern beherbergen die Wohntürme noch andere Mieter wie Stadtteilbüro und Lebenshilfe.
Ein weiteres Ziel war, dass die neuen Wohntürme als eigenständiges, differenziertes Ensemble wahrgenommen werden. Dazu tragen die unterschiedlichen Höhen der Gebäude, der gemeinsame, ocker eingefärbte Vorplatz sowie die leicht unterschiedlichen Fassadenfarben der Hochhäuser bei. „Das sollte identitätsstiftend wirken“, erklärt der Architekt.

Apropos Fassade: Die Wohntürme sind als Passivbauten mit Vollwärmeschutz-Fassaden versehen. Für die Energiezufuhr der zentralen Lüftungsgeräte auf den Dächern für die Wohnraumlüftung sorgt eine Photovoltaik-Anlage. Die Lüftungsanlage ermöglicht eine hocheffiziente Wärmerückgewinnung im Ausmaß von 85 Prozent. „Gerade im Wohnbau ist im Hinblick auf CO2-Verringerung viel zu holen“, betont Larcher.

Rund 20 Millionen Euro sind in das Projekt geflossen, das von der Innsbrucker Immobiliengesellschaft (IIG) gemeinsam mit der Wohnungseigentum (WE) auf dem Areal des ehemaligen Bauhofes Saggen sowie dem angrenzenden Grundstück einer Wohnhausanlage der WE realisiert wurde. „Es gab dabei mehrere Herausforderungen“, erinnert sich WE-Geschäftsführer Christian Switak. So galt es, die Belastungen der Anrainer während der dreijährigen Bauphase so gering wie möglich zu halten.

Die Schutzzone um die am Grundstück vorbeiführende Bahnlinie, die eingehalten werden musste, sowie die angesichts des Zugverkehrs erforderlichen Schallschutzmaßnahmen seien weitere Hürden gewesen, erinnert sich der WE-Geschäftsführer. Eine Grundbedingung sei weiters gewesen, dass den Bestandsmietern mindestens die gleiche Anzahl an Stellplätzen wie bisher zur Verfügung stehe, wurde doch auf ihrem bisherigen Parkplatz einer der Türme errichtet. Mit der mehr als 200 Stellplätze bietenden Tiefgarage sei dieses Ziel erreicht worden, so Switak.

Die Mieter der „alten“ Hochhäuser profitieren noch anderweitig: Zum einen wurden alle Häuser mit Alufassaden versehen und die Außenanlagen saniert. Zwei neue Kinderspielplätze stehen ebenfalls zur Verfügung, und im Rahmen des Projekts wurden auch neue Fuß- und Radwege errichtet. „Die ÖBB wollen darüber hinaus eine eigene Schnellbahnstation errichten“, erzählt Switak. Larcher nennt noch einen, vor allem städtebaulich positiven Aspekt: „Wie von uns vorgeschlagen, wurde das Bahnviadukt, das bisher ein trennendes Element im Stadtteil darstellte, nach zwei Seiten hin geöffnet und somit für Durchlässigkeit gesorgt.“

ZUM ORT

Innsbruck wurde 1187 erstmals als „Insprucke“ erwähnt und ist mit rund 132.000 Einwohnern die fünftgrößte Stadt Österreichs – mit regem Tourismus (rund 3000 Nächtigungen täglich) und zahlreichen Studierenden (rund 30.000).

In der Tiroler Landeshauptstadt (seit 1849, zuvor war dies Meran im heutigen Südtirol) kosten Mietwohnungen zwischen 9,4 und 13,4 Euro/m2, neue Eigentumswohnungen zwischen 2667,4 und 5928,4 Euro/m2.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 04.05.2019)

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