''Burschis raus, Nazis raus'': Proteste gegen FPÖ-Ball

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Steinwürfe, Böller und jede Menge Parolen: So lautet das Fazit der Proteste gegen den von der FPÖ ins Leben gerufenen Akademikerball – er gilt als Nachfolger des umstrittenen Burschenschafterballs des Wiener Korporationsrings (WKR). Rund 3000 Demonstranten waren in der Wiener Innenstadt unterwegs, mehrere 100 Polizeibeamte im Einsatz – und die FPÖ verärgert.

DiePresse.com hat sich unter das Volk gemischt.(c) Sapinski
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Es nieselt, drei Polizeiwagen biegen um die Ecke, auf dem Christian-Broda-Platz beim Westbahnhof tummeln sich wenige Leute. Ein paar Punks sitzen auf einer Bank, zwei Hunde liegen auf Decken daneben. Dann parkt ein Kleinlaster auf dem Gehsteig – links und rechts mit Transparenten beklebt: „Nein, wir lieben dieses Land und seine Leute nicht“ – das Motto der diesjährigen „NoWKR“-Demonstration.(c) Sapinski
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Die Kundgebung beginnt mit dem Lied „Thriller“ von Michael Jackson, dann folgt eine Rede, in der „Scheiß-Österreich und Scheiß-Deutschland“ beschimpft werden, „Strache und die anderen Fratzen“ zu Buhmännern erklärt und Rechtshilfenummern angesagt werden – „schreibt sie euch auf den Oberarm, damit ihr anrufen könnt, wenn ihr verhaftet werdet“, lautet der Appell.(c) Sapinski
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Unter den Demonstranten sind sowohl Österreicher und Deutsche, auch Engländer haben sich unter die protestierende Masse gemischt. Warum sie hier sind? „Der Kampf um Freiheit und gegen Rassismus muss länderübergreifend sein.“(c) Sapinski
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Um 18.30 Uhr setzt sich der Protestzug in Richtung Heldenplatz in Bewegung. Parolen ertönen: „Freiheit entsteht als kämpfende Bewegung“ und „alerta antifascista“ sind am häufigsten zu hören. Die Teilnehmer sind meist schwarz gekleidet und versuchen, mit Tüchern ihre Gesichter unkenntlich zu machen.(c) Sapinski
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Die Polizei eskortiert die Menge durch die Mariahilfer Straße. Leuchtraketen und Fackeln werden gezündet, Böller fliegen durch die Luft, Passanten laufen zur Seite, verstecken sich hinter Laternenmasten und Straßenschildern. Aus der Luft überwacht ein Polizeihubschrauber den Protestzug.(c) Sapinski
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Zeitgleich beginnt ein Marsch vor der Hauptuniversität. Die Polizei gibt die Zahl der dort Demonstrierenden mit 1500 an. Unter ihnen sind viele Verkleidete – die Farbe Pink scheint bei der Kleiderwahl besonders begehrt gewesen zu sein.(c) Sapinski
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Mit Trommeln und Rasseln erreicht der Protestzug den Stephansplatz: „Say it loud and say it clear, Nazis are not welcome here“, ist der Leitspruch.(c) Sapinski
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Auf der Höhe des Kohlmarktes ist der Tenor ein anderer: „Burschis raus, Nazis raus“, lautet die kurze Botschaft. Und: „1,2,3,4 – WKR blockieren wir, 5,6,7,8 Nazis werden kalt gemacht.“(c) Sapinski
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Bei der Albertina geht es gegen 19.30 Uhr bereits heiß her. Die Polizei bildet drei Reihen, um die wütenden Massen in Zaum zu halten. Die Demonstranten beschimpfen die Ordnungshüter: „Wiener Polizisten schützen die Faschisten.“(c) Sapinski
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Auf Polizisten und Journalisten werden Böller geworfen. Die Polizei kesselt die Demonstranten ein. Zwei Personen werden festgenommen, zwei Polizisten am Kopf verletzt.(c) Sapinski
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Plötzlich kommt es zu einem Tumult. Der freiheitliche EU-Abgeordnete Andreas Mölzer sowie mehrere Burschenschafter versuchen, sich einen Weg zum Akademikerball zu bahnen – das gelingt nicht unbeschadet: Der Politiker wird bespuckt, mehrere Farbbeutel werden durch die Luft geschleudert.(c) Sapinski
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In der Löwelstraße hat sich eine Sitzblockade gebildet – allerdings eine gepolsterte. Denn die Anhänger der „Offensive gegen rechts“ sitzen nicht auf dem Asphalt, sondern haben Decken und Pölster als Unterlage mitgebracht. „So lässt es sich länger aushalten“, lautet das Argument.(c) Sapinski
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Am Heldenplatz herrscht indes Ruhe. Vor der Hofburg wurden zwei Wasserwerfer geparkt, bei einem läuft der Motor. Auf dem Platz selbst herrscht gähnende Leere. Nur nach und nach eilen ein paar Ballgäste zum Eingang.(c) Sapinski
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Die Ruhe wird durch das Quietschen der Reifen von vier Limousinen gebrochen: Der Dritte Nationalratspräsident Martin Graf (FPÖ) wird zum Eingang gefahren.(c) Sapinski
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Auf der anderen Seite des Platzes hält die Organisation SOS Mitmensch und das Bündnis „Jetzt Zeichen setzen“ eine Mahnwache ab. Es werden Lesungen gegen den Rassismus und Faschismus gehalten.(c) Sapinski
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Gegen 21.20 Uhr beginnt es leicht zu regnen. Einige der Demonstranten ziehen ab, den Ring entlang bilden sich immer wieder Grüppchen. Am Graben sind die Teilnehmer dagegen beharrlicher: Sie trommeln weiter gegen Faschismus.(c) Sapinski
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Während die Polizei die Zahl der Festnahmen auf neun nach oben schraubt, meldet sich der „angeschossene“ EU-Parlamentarier Mölzer per „Twitter“ zu Wort: „Nicht nur Farbbeutel! Stinkbomben, Eier uvm dienten als Wurfgeschosse! Frauen wurden beschimpft und bespuckt. Angst um Leib und Leben war mitten im Gerangel wohl nicht unbegründet.“(c) Sapinski
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Die FPÖ schickt eine Aussendung aus, Mölzer sei „schwer verletzt“ worden. Die Polizei weist das aber zurück. Der Wiener Freiheitliche Hans-Jörg Jenewein legt nach und ortet ein "völliges Versagen der Polizeiführung". Demnach wurden Dutzende Ballbesucher durch Stein- und Flaschenwürfe verletzt.(c) Sapinski
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Vor der Albertina lichtet sich die Menge mehr und mehr. Der Polizeihubschrauber übertönt regelrecht Parolen wie: „Lieber ein Abszess am After, als ein deutscher Burschenschafter.“

Bild und Text: Hellin Sapinski(c) Sapinski