Plassnik – eine Frau für alle Fälle

Die ÖVP-Außenministerin gilt als Hoffnungsträgerin für andere Funktionen.

Wenn ein Minister so lange die besten Sympathiewerte aller Regierungsmitglieder hat, dann ist die Frage unausweichlich: Was wäre, wenn...Ursula Plassnik als schwarze Spitzenkandidatin in die nächste Nationalratswahl zöge? Bei der ÖVP-Klausur erhielt sie viel Applaus. Ist ihr mehr zuzutrauen? Parteiintern wird geflüstert, dass die Außenministerin mittlerweile selbst davon überzeugt sei. Damit ist Plassnik Konkurrentin Josef Prölls um den Titel „Zukunftshoffnung“.

Dass sie im tagespolitischen Geschäft tatsächlich reüssieren könnte, bezweifeln aber viele in der ÖVP: „Ist sie denn eine Politikerin?“, fragt ein „Presse“-Gesprächspartner süffisant. Die gelernte Diplomatin (die erst als Ministerin der ÖVP beitrat) fülle ihre jetzige Rolle zwar exzellent aus, aber wenn es darum gehe, Position zu beziehen, sei sie schwach. Ihr Büro verteidigt sie: „Sager um des Sagers willen“ werde man tatsächlich nicht von ihr hören. Ungewöhnlich klar bezog sie nur zu den islamfeindlichen Aussagen der freiheitlichen Spitzenkandidatin in Graz Stellung.

International gilt sie als diskrete Netzwerkerin mit ausgezeichneten Kontakten – auch zu Größen wie Condoleezza Rice. Plassnik ist „Erfindung“ Schüssels, war jahrelang seine engste Mitarbeiterin und zeichnete auch für seine Journalistenphobie mitverantwortlich. Die Ministerin wird gemeinsam mit Schüssel und EU-Kommissarin Benita Ferrero-Waldner noch auf einer weiteren Gerüchtebörse gehandelt: Eine(r) der drei könnte ÖVP-Spitzenkandidat bei der EU-Wahl 2009 sein. Plassnik wird sogar als nächste Präsidentschaftskandidatin genannt. Könnte sie Schüssel innerparteilich statt Molterer pushen? „Nein“, heißt es unisono. Er stehe völlig loyal hinter Molterer – und dieser wolle es bei der nächsten Wahl selbst wissen.

Auch wenn sie „unfassbar fotogen“ sei, wäre Plassnik als Spitzenkandidatin leichter zu besiegen als der alte Polithase Molterer, philosophiert man in der Umgebung des roten Kanzlers. Ihr könnten in einer Wahlauseinandersetzung leichter fatale Fehler passieren. Die oft kolportierten „Wickel“ zwischen Kanzler und Außenministerin auf dem internationalen Parkett bestreiten übrigens beide Büros. Unübersehbar war aber der Wettlauf der beiden um den Auftritt vor der UNO-Vollversammlung in New York im September.

Plassnik selbst antwortet auf die „Presse“-Frage, ob sie sich zu Höherem berufen fühle, gewohnt spröde: „Mein Anliegen ist nicht eine bestimmte Funktion. Mein Anliegen ist es, einen Beitrag zu mehr Vertrauen und Selbstvertrauen der Österreicher in Europa und in der Welt zu leisten.“ Und das ist nicht einmal geheuchelt. Sie gilt als flammende EU-Befürworterin – und nimmt dafür auch „Watschen“ der mächtigen Krone hin. Da half auch kein Treffen mit Hans Dichand höchstpersönlich.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 19.01.2008)

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