Küng: Homo-Partnerschaft "eine Bagatellisierung der Ehe"

Gesetzes-Novelle: Familienbischof Klaus Küng rechnet mit der Ablehnung durch Teile der ÖVP und der Freiheitlichen. "Ungleiches kann nicht gleich behandelt werden", sagt er im "Presse"-Interview.

(c) Die Presse (Michaela Bruckberger)

Die Presse: Die Begutachtungsfrist ist abgelaufen, jetzt wird das neue Lebenspartnerschaftsgesetz überarbeitet. Ihre strikte Ablehnung ist geblieben?


Klaus Küng: Der Entwurf ist abzulehnen, weil mit Ausnahme des Rechtes auf Adoption eine möglichst vollständige Gleichstellung mit einer Ehe angestrebt wird. Ungleiches kann nicht gleich behandelt werden, ohne ungerecht zu werden. Die Familie auf der Grundlage der Ehe zwischen Mann und Frau ist von ihrem Wesen her sowohl auf gegenseitige Hingabe als auch auf Nachkommenschaft und Erziehung der Kinder ausgerichtet, sie erfüllt für die Gesellschaft wichtige Aufgaben, die ein homosexuelles Paar nicht erbringen kann. Wenn homosexuellen Partnerschaften die gleiche Rechtsstellung wie einer Ehe eingeräumt werden, bedeutet dies eine Bagatellisierung der Ehe. Es wird auch unverständlich, warum anderen Lebensgemeinschaften – wie z. B. Geschwistern, die einen gemeinsamen Haushalt führen – nicht die gleichen Vorteile eingeräumt werden. Außerdem ist im Falle einer Billigung des Lebenspartnerschaftsgesetzes eine weitere Aushöhlung der Ehegesetzgebung zu erwarten, was nicht wünschenswert ist. Im vorliegenden Entwurf wird ja eine Novellierung der Ehegesetzgebung zur Anpassung an die neue Gesetzeslage bereits angekündigt.


Freut man sich über die Unterstützung seitens der islamischen Glaubensgemeinschaft, ist man enttäuscht über die Absage der Evangelischen?


Küng: Es handelt sich bei Ehe und Familie um Zusammenhänge, die in der Natur des Menschen selbst verankert sind. Daher freut man sich über jeden, der den Äußerungen von Seiten der Kirche zustimmt, weil es zum Wohle der Gesellschaft gereicht; zugleich ist eine gewisse Enttäuschung darüber nicht ganz zu verbergen, dass manche, mit denen einen vieles verbindet, nicht mitziehen.

In welchen Punkten ist Ihrer Ansicht nach der dringendste Änderungsbedarf gegeben?


Küng: Wichtig scheint mir, dass alles vermieden wird, was eine Gleichstellung solcher Partnerschaften mit der Ehe bedeutet. Besonders das Ja-Wort vor dem Standesamt ist ein irreführendes Zeichen. Für die Kirche und andere Religionsgemeinschaften könnte zudem eine große Schwierigkeit entstehen, wenn der Paragraf 3 des Entwurfes – das absolute Diskriminierungsverbot – so stehen bliebe, wie er jetzt formuliert ist. Die Forderung nach einer Differenzierung dieser Formulierung bedeutet nicht eine generelle Geringschätzung oder abwertende Beurteilung homosexuell geneigter Personen, sondern nur, dass für die Wahrnehmung bestimmter Aufgaben die Gesamtpersönlichkeit bestimmte Voraussetzungen mitbringen muss. Dazu gehört auch die sexuelle Orientierung.

Und wo könnten Sie in einem künftigen Partnerschaftsgesetz Kompromisse akzeptieren?


Küng: Kompromisse sind für uns in jenen Belangen denkbar, wo es um Anliegen wie die Bereitschaft zu gegenseitiger Fürsorge geht. Unseres Erachtens können diesbezüglich auch ohne Heranziehung des Ehe- und Familienrechts gute Lösungen gefunden werden.

Die Begutachtungsfrist ist abgeschlossen, eine Beschlussfassung im Parlament vor dem Sommer ist ausgeschlossen. Mit welchen Politikern bzw. privaten bekannten Personen kann die Kirche rechnen?


Küng: Die ÖVP ist gespalten, eine ganze Reihe maßgeblicher Politiker der ÖVP ist aber eindeutig gegen den vorliegenden Entwurf. Eine klar ablehnende Haltung haben die FPÖ und „Die Christen“. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass trotz aller Schwierigkeiten im Zusammenhang mit dem Entschluss zum Eingehen einer festen Bindung, auch bezüglich der Dauerhaftigkeit der Ehe (Scheidung), die Mehrheit der Bevölkerung die Familie auf der Grundlage der Ehe für grundlegend und unersetzbar ansieht und jede Art von – fast – Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit Ehe ablehnt.

Die Diskussion um eine Heirat von Homosexuellen ist kein österreichisches Phänomen. Kann oder soll es dazu eine länderübergreifende Initiative geben?


Küng: Es gab in den vergangenen Jahren wiederholt eindeutige Stellungnahmen sowohl vom Heiligen Stuhl als auch von den Bischofskonferenzen der Länder, in denen ähnliche Gesetzesentwürfe diskutiert wurden. In manchen Ländern gab es beeindruckende Demonstrationen zu Gunsten der Familie. Aber abgesehen davon bin ich der Überzeugung, dass alle jene, denen die christlichen Werte wichtig sind, die Lobbyingarbeit verbessern und die Stimme möglichst auch gemeinsam erheben sollten, um die für jedes Volk grundlegenden Werte zu verteidigen. Es könnte viel Positives erreicht und so manche Katastrophe vermieden werden.

ZUR PERSON

Klaus Küng (geb. 1940) war 1989–2004 Bischof in Vorarlberg, seit 2004 in Niederösterreich (nach Kurt Krenn). In der Bischofskonferenz ist er für die Bereiche Ehe, Familie und Bioethik zuständig. Küng gilt als konservativer Kirchenmann, der aber die Zerwürfnisse in der Diözese Niederösterreich umsichtig schlichten konnte.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 30.06.2008)

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