Hofburg-Wahl: Straches Kandidatur "eher unwahrscheinlich"

Mit dem Parteichef hätten die Freiheitlichen sogar die Chance auf die Stichwahl. Doch dieser will anscheinend nicht. Also wird es wohl einen Zählkandidaten für Runde eins geben. Und dann die Unterstützung für Andreas Khol.

Heinz-Christian Strache.
Heinz-Christian Strache.
Heinz-Christian Strache. – (c) REUTERS (HEINZ-PETER BADER)

Wien. „Noch nicht einmal angelaufen“ seien die Vorbereitungen für eine freiheitliche Kampagne für die Bundespräsidentenwahlen, heißt es in der FPÖ. Heinz-Christian Strache sei zudem bisher auf Urlaub gewesen.

Und auf den Parteichef konzentrieren sich auch die Hoffnungen der Freiheitlichen. Denn nur mit ihm seien ein passables Ergebnis, ja, vielleicht sogar ein Erreichen der Stichwahl möglich. In Analogie zu Le Pen in Frankreich. „Allerdings: In der Stichwahl sind dann alle gegen uns – also haben wir wieder nichts gewonnen“, meint ein Freiheitlicher. Und so dämpfte Vizeparteichef Norbert Hofer am Montag auch Erwartungen: Laut diesem sei es „eher unwahrscheinlich, wenn auch nicht ausgeschlossen“, dass Heinz-Christian Strache als FPÖ-Kandidat bei der Bundespräsidentenwahl antritt.

Eine Alternativvariante wäre es, gleich Andreas Khol, den ÖVP-Kandidaten, zu unterstützen. Dieser war seinerzeit immerhin federführend in der schwarz-blauen Regierung unter Wolfgang Schüssel tätig und hatte diese auch mit angebahnt. Wobei sich die derzeitige Führung der FPÖ unter Heinz-Christian Strache damals schon auch als innerparteiliche Opposition gegen die freiheitliche Regierungsriege sah und Schüssel vorwarf, die FPÖ eigentlich zerstören zu wollen.

So gesehen sind auch die Kontakte von FPÖ-Generalsekretär Herbert Kickl, dem freiheitlichen Kampagnen-Mastermind, zur ÖVP überschaubar. Womit es nicht so leicht ist, eine gemeinsame Khol-Kandidatur zu zimmern. „Vor allem, weil die ÖVP das auch nicht wollen wird“, meint ein Blauer. Jedenfalls nicht im ersten Wahlgang.

In einem zweiten Wahlgang sähe die Sache wohl anders aus. Hier dürfte die FPÖ dann doch Andreas Khol, ob direkt oder indirekt, unterstützen. Sofern ein FPÖ-Kandidat nicht selbst in die Stichwahl kommt. Und dies ist eigentlich nur mit Heinz-Christian Strache möglich. Doch dieser will, wie es aussieht, nicht.

Also ist das derzeit wahrscheinlichste Szenario aus freiheitlicher Sicht: ein Kandidat für den ersten Wahlgang, der ein halbwegs passables Ergebnis erzielt, jedoch nicht in die Stichwahl kommt. Und dann die Unterstützung für Kohl.

Wer dieser Kandidat sein könnte? Norbert Hofer, der Dritte Nationalratspräsident, ziert sich. Ursula Stenzel wäre dem Vernehmen nach nicht abgeneigt. Die zuletzt immer wieder genannte Ursula Haubner erscheint hingegen unrealistisch. Und der von Parteichef Strache selbst immer wieder kolportierte Noch-Rechnungshofpräsident Moser will anscheinend auch nicht für die Freiheitlichen antreten und sich seinen mittlerweile guten Ruf ruinieren. Er hofft vielmehr auf einen internationalen Posten nach seiner Amtszeit als Rechnungshofpräsident.

Taktisch klug – angesichts der älteren Semester, die für die anderen Parteien kandidieren – wäre aus freiheitlicher Perspektive natürlich ein jüngerer Mann. Wie der Notar und Nationalratsabgeordnete Harald Stefan. Doch dieser ist wiederum als Olympia-Burschenschafter zu exponiert. Oder noch besser: eine jüngere Frau. Die Unternehmerin und derzeitige EU-Abgeordnete Barbara Kappel beispielsweise. Doch diese gilt in der FPÖ dann doch als zu unberechenbar. Und außerdem kann Herbert Kickl so gar nicht mit ihr. Und letztlich entscheidet Kickl über die Kandidatur.

Und so könnte es am Ende dann auch bei der FPÖ ein älterer, honoriger Mann werden: Volksanwalt Peter Fichtenbauer.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 12.01.2016)

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