Radikalisierung: 27 Empfehlungen von Wiener Experten

Tagung versucht, auf Radikalisierung von Jugendlichen zu reagieren.

Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger
Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger
Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger – (c) Die Presse (Clemens Fabry)

Wien. Ein Expertengremium hat einen Katalog mit 27 Maßnahmen gegen die Radikalisierung von Jugendlichen erarbeitet, der am Donnerstag von Integrationsstadträtin Sandra Frauenberger präsentiert wurde. Auslöser ist eine Studie über die offene Wiener Jugendarbeit, wonach gerade jugendliche Muslime massiv gefährdet sind, sich zu radikalisieren. Konkret konnten nur 42 Prozent dieser Jugendlichen als gemäßigt bezeichnet werden – mehr als ein Viertel hat Sympathien für den Jihadismus gezeigt, ist gewaltbejahend, dem Westen gegenüber feindlich eingestellt und wertet Nichtmuslime stark ab.

Die Empfehlungen der Experten des Netzwerks für Deradikalisierung und Prävention, das nun seit fast zwei Jahren existiert, sind in sieben Bereichen zusammengefasst. Wobei konkrete Maßnahmen meist fehlen – sind in dem Papier doch hauptsächlich Grundsatzerklärungen aufgelistet. Beispielsweise wird eine bessere Zusammenarbeit „einzelner Abteilungen und Organisationseinheiten“ angestrebt, die von diesem Thema betroffen sind. Bisher wurden im Rahmen des Netzwerks jedenfalls rund 6000 Lehrer und Sozialarbeiter speziell zu den Themen Salafismus, Mobbing und Gewaltprävention geschult.

Parallel dazu soll sich die Stadt stärker mit rechtsextremen Strömungen in den Communitys beschäftigen – beispielsweise mit den türkischen Ultranationalisten der Grauen Wölfe.

Die Studie hat ergeben, dass es bei befragten muslimischen Jugendlichen massive antisemitische, homophobe und frauenfeindliche Ausprägungen gibt. Deshalb soll die „Gleichwertigkeit der Geschlechterrollen, Sexualität und Homosexualität, Kindern und Jugendlichen früh“ nähergebracht werden. Mit der „Förderung der sozialen und ethno-kulturellen Durchmischung“ sollen laut Frauenberger Toleranz und Meinungspluralität gefördert werden. Auch sollen die Bereiche Schulpsychologie und Sozialarbeit intensiviert und die Elternarbeit verstärkt werden – nachdem migrantische Jugendliche stark von ihren Eltern beeinflusst werden. (stu)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 11.11.2016)

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