Norbert Hofer: Der blaue Chefideologe erklimmt die Parteispitze

Der Freiheitliche wollte Bundespräsident Österreichs werden. Nun wird der Regierungskoordinator Heinz-Christian Strache als FPÖ-Chef (und möglicherweise Vizekanzler) ersetzen.

Der "nette Blaue von nebenan", Nobert Hofer, drängte lange nicht in die erste Reihe. Zur Kandidatur als freiheitlicher Präsidentschaftskandidat musste er überredet werden. Er gewann den ersten Wahlgang, verlor die Stichwahl und focht sie an. Doch die Wiederholung des Urnengangs brachte ihm - zumindest auf den ersten Blick - kein Glück: Hofer verpasste erneut die Chance, jüngstes Staatsoberhaupt der österreichischen Geschichte zu werden.

Auf den zweiten Blick war es für Hofer ein Segen. Innerparteilich wurde er durch sein gutes Abschneiden enorm gestärkt. Noch am Wahlabend sagte er damals: Ihn ihm sei "ein schlafender Bär geweckt“ worden - der nun, nach dem Rücktritt von Heinz-Christian Strache, die Parteispitze erklimmt.

(hell/j.n.)

APA/AFP/JOE KLAMAR

Der Reihe nach: Hofer wurde am 2. März 1971 in Vorau geboren, in Pinkafeld wuchs er auf. Nach dem Abschluss der Matura auf der HTL für Flugzeugtechnik arbeitete der Burgenländer drei Jahre als Systemingenieur für Triebwerke und Hilfsgasturbinen sowie als Bordingenieur bei Lauda Air Engineering. Seine ersten Schritte auf dem politischen Parkett wagte er im Jahr 1994 – er trat der FPÖ bei, wurde Stadtparteiobmann, Wahlkampfleiter und Organisationsreferent der Freiheitlichen in Eisenstadt. Bald stieg Hofer zum Landesparteisekretär auf, wechselte 1997 in den Eisenstädter Gemeinderat, wurde Klubsekretär. 

APA/HELMUT FOHRINGER

Im April 2005 spalteten sich die Freiheitlichen auf: Jörg Haider gründete das BZÖ, Strache übernahm die „Rest“-FPÖ, für die sich Herbert Kickl und Norbert Hofer entschieden. Strache soll Hofer zunächst den Posten als Generalsekretär angeboten haben, dieser lehnte jedoch ab – der Job passte besser zu Kickl. Hofer wurde stattdessen stellvertretender Bundesparteiobmann. Im Jahr darauf zog er in den Nationalrat ein.

APA/GEORG HOCHMUTH

Hofer, der auch als Behindertensprecher agierte, zählt zu den Chefideologen der FPÖ: Am 2013 in vierter Auflage erschienenen „Handbuch freiheitlicher Politik“ war er federführend beteiligt, ebenso am aktuellen Parteiprogramm – und das, obwohl der Vater von vier Kindern (aus zwei Ehen) eigentlich aus bürgerlichem Umfeld kommt: Sein Vater war ÖVP-Gemeinderat. In einem Interview im Laufe des Präsidentschaftswahlkampfes, räumten er und seine Frau Verena ein, sich deswegen zunächst heimlich getroffen zu haben.

APA/ERWIN SCHERIAU

Im Laufe seiner politischen Karriere gab es von dem 48-Jährigen auch eigenwillige Vorstöße, wie den (mittlerweile revidierten) nach einer Abschaffung des Verbotsgesetzes oder den nach der Erforschung von Chem-Trails – letzteres eine Position, die eher von Verschwörungstheoretikern vertreten wird.

Hofer ist Mitglied im elitären St-Georgs-Orden sowie Ehrenmitglied der schlagenden Burschenschaft Marko-Germania Pinkafeld. Sein jetziger Büroleiter ist René Schimanek, der gemeinsam mit seinem Bruder Hans-Jörg im Tross vom verurteilten Neo-Nazi Gottfried Küssel unterwegs war.

REUTERS

Hofer gilt als „freundliches Gesicht“ der FPÖ, er tritt ruhig auf, ist umgänglich. Im Präsidentschaftswahlkampf ließ er auch in sein Familienleben blicken, gab gemeinsam mit seiner jüngsten Tochter ein Interview, sprach über seine Lieblingsserie („The Good Wife“), seine Haustiere (Katze und Hund). Doch er kann nicht nur sanftmütig. Das belegt  der berühmt gewordene Satz aus dem Präsidentschaftswahlkampf: "Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist.“

REUTERS

Möglich wurde durch die Nationalratswahl 2017 eine Regierungsbeteiligung der FPÖ. Norbert Hofer, der 2003 einen Paragleit-Unfall hatte (er stürzte aus 15 Metern ab, zog sich eine inkomplette Lähmung zu, kann nach einer mehrmonatige Rehabilitation aber wieder gehen), wurde Infrstrukturminister. Als solcher fiel er vor allem mit Themen wie dem Tempo 140, dem LKW-Abbiegeassistenten und Umfärbungen in staatsnahen Betrieben auf. 

 

APA/AFP/DIETER NAGL

Hofer ist (gemeinsam mit Gernot Blümel auf türkiser Seite) Regierungskoordinator und war damit in alle wichtigen Entscheidungen eingebunden. Die immer wieder auftauchenden Gerüchte nach der Präsidenstchaftswahl, wonach er die Partei von Strache übernehmen könnte, wurden stets vehement dementiert. In dem nun aufgetauchten Ibiza-Video sagte Strache: „Solange ich nicht tot bin, hab ich die nächsten zwanzig Jahre noch das Sagen.“ Doch sollte ihm etwas zustoßen würden, wie er selbst sagte, Norbert Hofer oder Johann Gudenus übernehmen. Letzteres hat sich mit dem Video erübrigt. 

APA
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Der "nette Blaue von nebenan", Nobert Hofer, drängte lange nicht in die erste Reihe. Zur Kandidatur als freiheitlicher Präsidentschaftskandidat musste er überredet werden. Er gewann den ersten Wahlgang, verlor die Stichwahl und focht sie an. Doch die Wiederholung des Urnengangs brachte ihm - zumindest auf den ersten Blick - kein Glück: Hofer verpasste erneut die Chance, jüngstes Staatsoberhaupt der österreichischen Geschichte zu werden.

Auf den zweiten Blick war es für Hofer ein Segen. Innerparteilich wurde er durch sein gutes Abschneiden enorm gestärkt. Noch am Wahlabend sagte er damals: Ihn ihm sei "ein schlafender Bär geweckt“ worden - der nun, nach dem Rücktritt von Heinz-Christian Strache, die Parteispitze erklimmt.

(hell/j.n.)

APA/AFP/JOE KLAMAR

Der Reihe nach: Hofer wurde am 2. März 1971 in Vorau geboren, in Pinkafeld wuchs er auf. Nach dem Abschluss der Matura auf der HTL für Flugzeugtechnik arbeitete der Burgenländer drei Jahre als Systemingenieur für Triebwerke und Hilfsgasturbinen sowie als Bordingenieur bei Lauda Air Engineering. Seine ersten Schritte auf dem politischen Parkett wagte er im Jahr 1994 – er trat der FPÖ bei, wurde Stadtparteiobmann, Wahlkampfleiter und Organisationsreferent der Freiheitlichen in Eisenstadt. Bald stieg Hofer zum Landesparteisekretär auf, wechselte 1997 in den Eisenstädter Gemeinderat, wurde Klubsekretär. 

APA/HELMUT FOHRINGER

Im April 2005 spalteten sich die Freiheitlichen auf: Jörg Haider gründete das BZÖ, Strache übernahm die „Rest“-FPÖ, für die sich Herbert Kickl und Norbert Hofer entschieden. Strache soll Hofer zunächst den Posten als Generalsekretär angeboten haben, dieser lehnte jedoch ab – der Job passte besser zu Kickl. Hofer wurde stattdessen stellvertretender Bundesparteiobmann. Im Jahr darauf zog er in den Nationalrat ein.

APA/GEORG HOCHMUTH

Hofer, der auch als Behindertensprecher agierte, zählt zu den Chefideologen der FPÖ: Am 2013 in vierter Auflage erschienenen „Handbuch freiheitlicher Politik“ war er federführend beteiligt, ebenso am aktuellen Parteiprogramm – und das, obwohl der Vater von vier Kindern (aus zwei Ehen) eigentlich aus bürgerlichem Umfeld kommt: Sein Vater war ÖVP-Gemeinderat. In einem Interview im Laufe des Präsidentschaftswahlkampfes, räumten er und seine Frau Verena ein, sich deswegen zunächst heimlich getroffen zu haben.

APA/ERWIN SCHERIAU

Im Laufe seiner politischen Karriere gab es von dem 48-Jährigen auch eigenwillige Vorstöße, wie den (mittlerweile revidierten) nach einer Abschaffung des Verbotsgesetzes oder den nach der Erforschung von Chem-Trails – letzteres eine Position, die eher von Verschwörungstheoretikern vertreten wird.

Hofer ist Mitglied im elitären St-Georgs-Orden sowie Ehrenmitglied der schlagenden Burschenschaft Marko-Germania Pinkafeld. Sein jetziger Büroleiter ist René Schimanek, der gemeinsam mit seinem Bruder Hans-Jörg im Tross vom verurteilten Neo-Nazi Gottfried Küssel unterwegs war.

REUTERS

Hofer gilt als „freundliches Gesicht“ der FPÖ, er tritt ruhig auf, ist umgänglich. Im Präsidentschaftswahlkampf ließ er auch in sein Familienleben blicken, gab gemeinsam mit seiner jüngsten Tochter ein Interview, sprach über seine Lieblingsserie („The Good Wife“), seine Haustiere (Katze und Hund). Doch er kann nicht nur sanftmütig. Das belegt  der berühmt gewordene Satz aus dem Präsidentschaftswahlkampf: "Sie werden sich noch wundern, was alles möglich ist.“

REUTERS

Möglich wurde durch die Nationalratswahl 2017 eine Regierungsbeteiligung der FPÖ. Norbert Hofer, der 2003 einen Paragleit-Unfall hatte (er stürzte aus 15 Metern ab, zog sich eine inkomplette Lähmung zu, kann nach einer mehrmonatige Rehabilitation aber wieder gehen), wurde Infrstrukturminister. Als solcher fiel er vor allem mit Themen wie dem Tempo 140, dem LKW-Abbiegeassistenten und Umfärbungen in staatsnahen Betrieben auf. 

 

APA/AFP/DIETER NAGL

Hofer ist (gemeinsam mit Gernot Blümel auf türkiser Seite) Regierungskoordinator und war damit in alle wichtigen Entscheidungen eingebunden. Die immer wieder auftauchenden Gerüchte nach der Präsidenstchaftswahl, wonach er die Partei von Strache übernehmen könnte, wurden stets vehement dementiert. In dem nun aufgetauchten Ibiza-Video sagte Strache: „Solange ich nicht tot bin, hab ich die nächsten zwanzig Jahre noch das Sagen.“ Doch sollte ihm etwas zustoßen würden, wie er selbst sagte, Norbert Hofer oder Johann Gudenus übernehmen. Letzteres hat sich mit dem Video erübrigt. 

APA