Abfangjäger: Gripen statt Eurofighter?

Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil dürfte am Freitag das Aus für die Eurofighter verkünden. Eine Luftraumüberwachung mit Überschallflugzeugen wird es aber auch weiterhin geben.

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THEMENBILD: EUROFIGHTER IM FLIEGERHORST HINTERSTOISSER – APA/HARALD SCHNEIDER

Wien. Am Freitag wird Verteidigungsminister Hans Peter Doskozil (SPÖ) seine Entscheidung über die Zukunft der Luftraumüberwachung präsentieren. Alles deutet darauf hin, dass der Minister das Ende für den Einsatz der Eurofighter in Österreich verkünden wird. Der Betrieb der im Jahr 2003 angeschafften und seit 2007 im Einsatz befindlichen Kampfjets könnte nächstes oder übernächstes Jahr eingestellt werden.

Im Februar hatte Doskozil seine Anzeige gegen Eurofighter und den Airbus-Konzern vorgestellt. Die Republik warf dem Hersteller Täuschung und Betrug vor und machte einen Schaden von 1,2 Milliarden Euro geltend. Gleichzeitig beauftragte Doskozil seinen Luftwaffenchef, Varianten für die Zukunft der Luftraumüberwachung zu prüfen. Denn der Minister hält nicht nur den Kaufpreis für überhöht, die Eurofighter seien auch aufgrund der Betriebskosten von hundert Millionen Euro jährlich unwirtschaftlich.

 

Keine eindeutige Empfehlung

Der Bericht der Kommission aus dem Verteidigungsministerium liegt nun vor, er soll aber, wie „Die Presse“ aus dem Verteidigungsministerium erfahren hat, keine eindeutige Empfehlung an den Minister enthalten, sondern dem Ressortchef verschiedene mögliche Varianten anbieten. Zwei wesentliche Erfordernisse sind aber fixiert: Erstens müsse es weiterhin Überschallflugzeuge für die Luftraumüberwachung geben – es müssen also entweder die Eurofighter weiter betrieben oder eine andere Lösung gefunden werden. Zweitens müsse es auch eine Ausbildung mit Unterschallfliegern geben. Diese erfolgt derzeit mit den Saab 105, die aber spätestens 2020 aus dem Verkehr gezogen werden müssen. Auch da gibt es mehrere Varianten, vom Ankauf neuer Flugzeuge bis hin zur Auslagerung der Ausbildung bei anderen Armeen.

Doskozil wird also eine politische Entscheidung treffen müssen, welche Variante er wählt. Wie diese aussehen wird, hat er schon angedeutet: Auch das Aussortieren der Eurofighter ist für ihn eine Möglichkeit, hat er mehrmals erklärt. Dies wäre nun auch im Wahlkampf die einzig populäre Variante, die sich mit Hinweis auf die hohen Betriebskosten gut verkaufen lässt.

Bleiben zwei Fragen: Was passiert mit den Eurofightern, und was kommt statt ihnen? Ziel der rechtlichen Schritte, die das Verteidigungsministerium im Februar eingeleitet hat, ist die Auflösung des Eurofighter-Vertrags und somit die Rückgabe der Flieger an den Hersteller. Das allerdings ist ein Langfristprojekt und wäre nur am Ende eines langwierigen Rechtsstreits oder im Zuge eines Vergleichs realisierbar. Eine andere Möglichkeit wäre ein Verkauf der gebrauchten Flieger, wobei da in erster Linie jene Länder infrage kommen, die die Eurofighter bereits in ihrer Flotte haben, also die Nato-Staaten Deutschland, Italien, Großbritannien und Spanien. Fraglich ist, wie viel vom Kaufpreis von 1,6 Milliarden Euro da noch zu holen ist.

 

Einkauf bei Donald Trump?

Als Ersatz für die Eurofighter kommen – wenn bei den Betriebskosten gespart werden soll – eigentlich nur zwei Modelle infrage: Die amerikanischen F-16 oder die schwedischen Saab-Gripen – jenes Modell also, das vor fünfzehn Jahren bei der Ausschreibung dem Eurofighter unterlegen ist.

Laut dem Militärluftfahrtjournalisten Georg Mader – er ist Österreich-Korrespondent der Militärfachzeitschrift „Jane's Defence“ – sind gebrauchte F-16 in Europa aber derzeit gar nicht auf dem Markt. „Österreich könnte die F-16 nur in den USA kaufen, von Trump“, so Mader. Wahrscheinlicher ist aber die andere Variante. Das Bundesheer dürfte nun doch auf den Saab-Gripen setzen – und diesen nicht direkt über den Hersteller beziehen, sondern über die schwedische Armee. Dieses Geschäft von Regierung zu Regierung hätte den Vorteil, dass man sich eine langwierige Beschaffung über eine Ausschreibung sparen würde. In dieser Variante wäre auch möglich, dass Österreich die Flieger nicht kauft, sondern least, wie das auch Tschechien macht. Billig wäre allerdings auch diese Variante nicht: Tschechien zahlt für 14 Flugzeuge 80 Millionen Euro im Jahr an Leasingraten. Saab sei laut seinen Informationen in der Lage, Flugzeuge für Österreich innerhalb von 18 Monaten fertigzustellen, sagt Mader.

Ob das alles so umgesetzt wird, hängt dann auch vom Ergebnis der Nationalratswahl ab. Sollte nach dem 15. Oktober eine andere Partei das Verteidigungsressort erhalten und ein neuer Minister kommen, könnten all die Pläne wieder Makulatur sein.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 06.07.2017)

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