"Aus, Schluss": Pilz' Rückzug vom Vielleicht-Rückzug vom Rückzug

Der Listengründer will die Vorwürfe der sexuellen Belästigung "schonungslos aufklären" - und veröffentlicht Einträge aus seinem Tagebuch. Auch prüft er medienrechtliche Schritte.

Peter Pilz am Montag bei einem Mediengespräch
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Peter Pilz am Montag bei einem Mediengespräch
Peter Pilz am Montag bei einem Mediengespräch – APA/HELMUT FOHRINGER

Rücktritt, vielleicht doch nicht, doch: Peter Pilz ließ zwischen Samstagvormittag und Montagnachmittag mit wechselnden Botschaften aufhorchen. Wie berichtet hatte er am Samstag erklärt, sein Nationalratsmandat aufgrund von Vorwürfen der sexuellen Belästigung nicht annehmen zu wollen. Am Montag ruderte er im Ö1-"Morgenjournal" etwas zurück: Er wolle sich noch bis Mittwoch Zeit nehmen, um endgültig darüber zu entscheiden, "wie meine künftige Rolle auf der Liste Pilz aussehen wird", meinte der Parteigründer, um kurz darauf via oe24-TV einem "Rücktritt vom Rücktritt" nur "minimale Chancen" einzuräumen. In einem "Hintergrundgespräch" Montagmittag legte er sich schließlich (erneut) fest: "Aus, Schluss, ich will nicht mehr." Er bleibe bei seinem Mandatsverzicht, werde seine Liste aber von außen unterstützen. Die Politik habe ihn folglich nicht verloren.

Den kurzfristig angesetzten Termin nutzte Pilz auch, um Auszüge aus seinem Tagebuch zur Causa - wie berichtet, dokumentierte eine ehemalige Mitarbeiterin von Pilz rund 40 Fälle der sexuellen Belästigung durch Pilz gegen ihre Person - publik zu machen. Der erste Eintrag stammt dabei vom 16. Dezember 2015, der letzte vom 3. März 2016.

Pilz beschreibt darin, dass Vorwürfe gegen ihn erhoben wurden, ihm aber die Einsicht in die entsprechenden Unterlagen verweigert wurde. So heißt es am 16. Jänner 2016: "Vor einem Monat hat es begonnen. An diesem Nachmittag hat mich (die damalige Grünen-Chefin, Anm.) Eva Glawischnig informiert, dass es 'schwerwiegende Vorwürfe von Mitarbeiterinnen' gegen mich gibt. Bis heute weiß ich nicht mehr. Würde ein derartiges Verfahren gegen eine der Gruppen, denen unser besonderes Mitgefühl gilt, geführt, würden wir solches nie akzeptieren. Aber ich bin ja kein marokkanischer Sylvesterfeierer in Köln (In der Silvesternacht 2015/2016 kam es in Köln zu zahlreichen sexuellen Übergriffen auf Frauen vor allem aus nordafrikanischen Ländern, Anm.), sondern ein österreichischer Abgeordneter in Wien. Für manche scheint es auch auf diesen Unterschied anzukommen."

Körperliche Übergriffe stritt Pilz in dem "Hintergrundgespräch" ab, Einladungen zum Abendessen habe es zwar gegeben, allerdings seien diese an das gesamte Team ergangen und "üblich" gewesen. Eine Einladung auf die Alm zu sich und seiner Frau hätte ebenfalls dem "Team Building" dienen sollen und sei an mehrere Personen ergangen.

Begrapscht? "Würde mich an so etwas erinnern"

Die Anschuldigungen, wonach er im Jahr 2013 beim Europäischen Forum in Alpbach in betrunkenem Zustand eine Frau begrapscht haben soll, wies Pilz weiter von sich: "Ich bin mir persönlich sicher, weil ich mich an so etwas erinnern würde." Bei der Veranstaltung habe er mit vielen Personen gesprochen, dennoch versucht der Listengründer weiter, den Abend zu "rekonstruieren", aber: "Ich kann es im Moment auch für mich nicht zufriedenstellend aufklären."

Zwar vermutet Pilz weiterhin politische Hintergründe für die Vorwürfe, mit direkten Anschuldigungen ist er aber vorsichtig. Im Umstand, dass eine Mitarbeiterin der Gleichbehandlungsanwaltschaft für die Neos kandidiert habe, sieht er zumindest "Aufklärungsbedarf": Es "wäre gut gewesen, sich für befangen zu erklären." Für "wenig glaubwürdig" hält Pilz auch einen angeblichen Zeugen aus Alpbach, der auf der Liste der SPÖ kandidiert habe.

Pilz erwägt rechtliche Schritte

Gemeinsam mit seinem Anwalt und künftigen Mandatar Alfred Noll werde er, Pilz, nun auch rechtliche Schritte prüfen, erklärte Pilz am Montag - allerdings nicht gegen jene Personen, die ihm sexuelle Belästigung vorwerfen, sondern: "Wir überlegen durchaus, möglicherweise medienrechtliche Schritte zu ergreifen." Freilich werde er auch dafür Sorge tragen, dass die Vorwürfe gegen seine Person "schonungslos aufgeklärt" werden.

Er wisse heute viel mehr als noch am Samstag, als er sich erstmals zu der Angelegenheit geäußert hatte, hatte der frühere Grünen-Politiker zuvor im Ö1-"Morgenjournal" erklärt. Er habe Beweise, dass "hier politische Spiele gespielt" würden, wobei Spuren in mindestens zwei andere Parteien führen würden.

Gegenüber oe24-TV meinte der 63-Jährige, er habe "niemals in seinem Leben eine Frau sexuell belästigt". Auch sei er über Zitate verwundert, die von ihm stammen sollen. "Ich solle gesagt haben: 'Schatzi, nimm das Höschen mit, wir fahren auf Urlaub.' Meine Frau hat daraufhin einen Lachkrampf gekriegt", so Pilz. "Ich habe in meinem ganzen Leben den Begriff Schatzi nicht verwendet." Sein Eindruck sei: "Die wollten politisch meinen Kopf." Überhaupt frage er sich, wie die Unterlagen an die Öffentlichkeit hätten kommen sollen - immerhin seien ihm diese nicht vorgelegt worden, lediglich den Grünen und der Gleichbehandlungsanwaltschaft.

>> Bericht im Ö1-Morgenjournal

>> Interview auf oe24.at

(Red./APA)

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