12-Stunden-Arbeitstag: "Werden wir nicht widerstandslos hinnehmen"

Oberösterreichs Arbeiterkammerpräsident warnt Schwarz-Blau: Eine 60-Stunden-Woche sei gesundheitsschädlich. Und überhaupt: Das letzte Wort sei noch nicht gesprochen.

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Johann Kalliauer – APA/HERBERT P. OCZERET

Schwarz-Blau will zur Regel machen, was bisher nur in Ausnahmefällen zulässig ist: Die Höchstgrenze der Arbeitszeit soll auf zwölf Stunden täglich und 60 Stunden wöchentlich angehoben werden. Obwohl die Parteichefs Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache bekundet haben, sie wollen grundsätzlich an der 40-Stunden-Woche nicht rütteln, sorgen die Pläne für Entrüstung bei Gewerkschaftern und Arbeitnehmervertretern.

"Ich bin enttäuscht, dass die erste konkrete Maßnahme dieser Regierung ein massiver Angriff auf die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer ist", sagte Oberösterreichs Arbeiterkammerpräsident Johann Kalliauer am Donnerstag im Ö1-"Morgenjournal". Schon jetzt bestehe die Möglichkeit, flexibel bis zu zwölf Stunden zu arbeiten. Er unterstellt ÖVP und FPÖ daher, die Österreicher in Zukunft generell länger arbeiten lassen zu wollen: "Was offensichtlich beabsichtigt ist, - und da lässt die künftige Regierung ja noch eine Reihe von Fragezeichen offen - ist, dass man den 12-Stunden-Tag und die 60-Stunden-Woche zum Normalzustand machen will."

Sollte es so kommen, so handele es sich "aus meiner Sicht um einen Rückschritt ins 19. Jahrhundert", meinte Kalliauer. Arbeitszeitregelungen dürften nie einseitig, nur zum Vorteil der Arbeitgeber ausgestaltet sein. Gerade deswegen sei bisher die Zustimmung der Sozialpartner immer ausständig geblieben - schon Rot-Schwarz wollte ja den 12-Stunden-Tag einführen. "Der Nutzen für die Arbeitnehmer ist aus meiner Sicht völlig im Dunklen", so Kalliauer.

Dass Kurz und Strache angekündigt haben, künftig Entscheidungen nicht mehr auf die lange Bank zu schieben, sondern im Fall des Falles auch ohne Sozialpartner agieren zu wollen, kommentierte Oberösterreichs AK-Präsident im ORF-Radio folgendermaßen: "Ich denke, jede Regierung ist gut beraten, auf die Sozialpartner zu hören." Schon 2000 "hat man geglaubt, ein, zwei Jahre ohne Sozialpartner auszukommen, aber dann musste man einsehen, dass es klüger ist, die Sozialpartner mit einzubinden", spielte Kalliauer auf die Erstauflage von Schwarz-Blau an. Er zeigte sich überzeugt, dass das auch jetzt so sein werde.

Sollten Volkspartei und Freiheitliche hingegen weiter auf Konfrontation setzen, werde es "zu einer Verschärfung der Auseinandersetzung kommen". Denn: "Solche Vorgehensweisen, nämlich, den Arbeitnehmern den 12-Stunden-Tag hinzuknallen und eine 60-Stunden-Woche, wo wir wissen, dass die gesundheitsschädlich ist, das ist ein starkes Stück", kritisierte Kalliauer. "Solche Maßnahmen werden die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer nicht widerspruchslos hinnehmen - und auch wir nicht."

So erinnerte der Präsident der oberösterreichischen Arbeiterkammer daran, dass "wir in der Gesetzwerdung noch einige Möglichkeiten zu korrigieren" hätten. Ob es zu Streiks kommen könnte, wollte Kalliauer nicht sagen, noch seien ja "einige Fragen offen".

>>> Bericht im Ö1-"Morgenjournal"

(hell)

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