Leobener Burschenschaft: Mit Bild von NS-Maler gegen Homo-Ehe

Die Montan-Uni Leoben prüft Flyer, die die Leobener Burschenschaft Leder gegen die Ehe homosexueller Paare verteilte. Darauf zu sehen: ein Familienbild des nationalsozialistischen Malers Wolfgang Willrich.

Hauptportal der Montanuniversität Leoben (Archivbild)
Hauptportal der Montanuniversität Leoben (Archivbild)
Hauptportal der Montanuniversität Leoben (Archivbild) – Imago

Ein Flyer der Burschenschaft Leder, der am 10. Jänner an der Montanuni Leoben verteilt worden war, sorgt für Wirbel: Zu sehen ist eine Gegenüberstellung eines Familienbildes des nationalsozialistischen Malers Wolfgang Willrich und ein schwules Paar bei einer Parade. Dazu die Überschriften: "Das ist eine Familie" und "Das sicher nicht". Am Montag werden die Burschenschafter zum Rektor gebeten.

Auf dem Flyer waren außerdem mehrere Zeilen zu lesen, in denen die Ehe zwischen Mann und Frau angepriesen wurde. Darunter ist zu lesen: "Eine Verbindung, bei der es keine Möglichkeit auf neues Leben geben kann als Ehe zu bezeichnen ist ein perverser Etikettenschwindel."

Vier aktive Burschenschafter

Der Pressesprecher der Universität, Erhard Skupa, bestätigte am Freitag, dass die Zettel verteilt wurden. Es handle sich um Aussagen gegen die Ehe von gleichgeschlechtlichen Paaren: "Damit äußern Studierende ihre Meinung zu einem tagesaktuellen politischen Thema, und dies ist rein rechtlich gesehen nicht verboten", meinte Skupa. "Dass es sich bei einem der dabei verwendeten Bilder um eine Zeichnung des deutschen Nationalsozialisten Wolfgang Willrich handelt, war für den Laien auf den ersten Blick nicht erkennbar. Die Montanuniversität Leoben distanziert sich jedenfalls offiziell von der Verwendung derartigen Bildmaterials und lässt derzeit prüfen, ob damit geltendes österreichisches Recht verletzt wurde."

Skupa zufolge soll es in der Burschenschaft Leder derzeit vier aktive Mitglieder geben. Insgesamt studieren rund 4000 Männer und Frauen an der Montan-Uni. Jene, die die Flyer ausgeteilt haben, müssen am Montag zum Rektor, sagte Skupa. Nach einer ersten Einschätzung der Juristen der Universität handle es sich nicht um einen Strafbestand, doch man wolle den Sachverhalt noch genau überprüfen.

Das Magazin Vice hatte in seiner Onlineausgabe vergangene Woche über die Flyer berichtet, nachdem der Verband sozialistischer Student_innen in Österreich (VSStÖ) in Leoben ein Foto von dem Flyer auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht hatte.

"Offene Propaganda gegen Homosexuelle"

Die Grüne Bundesrätin Ewa Dziedzic sprach am Freitag von einer "neuerlichen Ungeheuerlichkeit aus Burschenschafter-Kreisen". Die schlagende Burschenschaft habe mit dem Bild von Wolfgang Willrich "offen Propaganda gegen Homosexuelle betrieben". Zwar sei die ablehnende Gesinnung von Burschenschaften gegenüber Minderheiten weithin bekannt. Neu und erschreckend sei aber, dass diese Einstellung nun offen und ohne jede Skrupel gezeigt werde.

Mario Lindner, SPÖ-Sprecher für Gleichbehandlung, kommentierte den Flyer am Freitag in einer Aussendung: "Der braune Sumpf wird immer tiefer." Die Flyer wurden ihm zufolge vom Bundesobmann der RFS (Ring Freiheitlicher Studenten) Lukas Feichtenschlager verteilt worden. "Was sagen der FPÖ-Vizekanzler sowie der FPÖ-Innenminister zu einem weiteren Parteikollegen, der offenbar kein Problem mit Antisemitismus und Rassismus hat und damit die Opfer des Holocaust verhöhnt?", so Linder.


>>> zum Bericht von Vice

>>> zum Facebook-Foto des VSStÖ Leoben

(APA/Red.)

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