Grünen-Kandidat Willi gewinnt Innsbrucker Bürgermeisterwahl

Der Kandidat der Grünen setzte sich in der Stichwahl am Sonntag mit 52,9 Prozent der Stimmen gegen die amtierende Stadtchefin, Christine Oppitz-Plörer, durch. Damit ist der 59-Jährige der erste grüne Bürgermeister Österreichs.

Georg Willi (Die Grünen) bei der Stimmabgabe am 6.5.
Georg Willi (Die Grünen) bei der Stimmabgabe am 6.5.
Georg Willi (Die Grünen) bei der Stimmabgabe am 6.5. – APA/EXPA (JOHANN GRODER)

Innsbruck. Georg Willi ist die Sensation gelungen. Der Spitzenkandidat der Grünen entschied am Sonntag die Stichwahl um den Innsbrucker Bürgermeistersessel für sich. Der 59-Jährige erreichte 52,91 Prozent der Stimmen und setzte sich damit gegen die amtierende Stadtchefin, Christine Oppitz-Plörer, von der ÖVP-Abspaltung „Für Innsbruck“ durch, die auf 47,09 Prozent kam. Damit ist Willi, der am Sonntag seinen Geburtstag feierte, der erste grüne Bürgermeister Österreichs. Die Wahlbeteiligung sank im Vergleich zum ersten Durchgang (59,38 Prozent) vor zwei Wochen und lag bei lediglich 43,74 Prozent.

Rückblickend war der Triumph ein Start-Ziel-Sieg der Person Georg Willi. Der Innsbrucker wiederholte das, was seinem Landsmann Alexander Van der Bellen auf der großen politischen Bühne gelang. Das Polit-Urgestein schaffte es in zwei Wahlgängen, über die eigenen Wählerschichten hinaus zu mobilisieren und weit in bürgerliche Kreise vorzudringen. Die Rolle des „bürgerlichen Grünen“ exerzierte er auch im Vorfeld der Stichwahl in Perfektion und positionierte sich glaubwürdig als bodenständiger Realist.

Diesen Realismus hat er im Lauf der Jahre Schritt für Schritt aufgebaut. Dazu zählen auch seine guten Kontakte zu anderen Parteien – vor allem zur ÖVP. Der passionierte Wanderer und Musiker galt sogar jahrelang als eine Art Verbindungsmann zur ÖVP. Letztlich erntete die neue Generation um Landeshauptmannstellvertreterin Ingrid Felipe und Klubobmann Gebi Mair mit der schwarz-grünen Regierungsbildung im Jahr 2013 das, was Willi federführend gesät hatte. Mittlerweile befindet sich das schwarz-grüne Projekt schon in seiner Neuauflage.

Georg Willi ist die Sensation gelungen.
Georg Willi ist die Sensation gelungen.
Georg Willi ist die Sensation gelungen. – APA/EXPA (JOHANN GRODER)

Das Spiel um die Macht beginnt

Nun beginnt das Spiel um die Macht – und der baldige grüne Bürgermeister muss alles daran setzen, dass nicht an ihm vorbei eine Regierung gebildet wird. Obwohl dieses Szenario bei einem derartigen Wahlergebnis ziemlich unwahrscheinlich ist. Es ist eher davon auszugehen, dass die derzeitige Koalition aus „Für Innsbruck“, Grüne, SPÖ und ÖVP fortgesetzt wird – freilich mit deutlichen Machtverschiebungen. Diese Möglichkeit brachte im Wahlkampf Willi selbst ins Spiel.

„Es ist etwas entstanden, was ich nicht geglaubt habe“, sagte ein „überglücklicher“ Willi, dem am Sonntagabend unter anderem auch Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) gratulierte. „Ich gratuliere Georg Willi herzlich zur Wahl zum Bürgermeister von Innsbruck und wünsche viel Freude & Erfolg bei der Arbeit“, schrieb Kurz auf Twitter. Glückwünsche kamen zudem von Tirols Landeshauptmann Günther Platter (ÖVP). Er gehe davon aus, dass Willi als neuer Bürgermeister „die Stadt mit Bedacht und Augenmaß weiterentwickeln“ werde, und hoffe, dass die Landeshauptstadt auch in Zukunft bei der Umsetzung vieler Projekte „ein verlässlicher Partner“ sei.

Willi kündigte an, am Dienstag mit Sondierungsgesprächen zu beginnen. In der Woche darauf sollen die Koalitionsverhandlungen starten. „Ich hoffe, dass wir relativ bald eine stabile Regierung bilden können“, sagte der Wahlsieger und schloss einmal mehr eine Koalition mit der FPÖ aus. Deren Spitzenkandidat Rudi Federspiel solle aber eine wichtige Kontrollfunktion einnehmen. Zudem stehe sein Angebot an die Oppitz-Plörer, Vizebürgermeisterin zu werden. Willi sah die Bürgermeisterdirektwahl „eher als Persönlichkeitswahl“. Das Ergebnis sei aber auch ein klares Zeichen, dass „es mit den Grünen wieder aufwärtsgeht“.

Oppitz-Plörer zeigte sich trotz des Verlustes ihres Amtes „nicht enttäuscht“. Denn sie sei mit acht Jahren genauso lange Stadtchefin gewesen wir ihre Vorgängerin Hilde Zach. Eine mögliche politische Zukunft als Vizebürgermeisterin ließ sie offen. „Das sind Dinge, die am Verhandlungstisch zu klären sind“. Der Ball liege nun bei Willi.

BUeRGERMEISTERWAHL INNSBRUCK: STICHWAHL/STIMMABGABE OPPITZ-PLOeRER (FI)
BUeRGERMEISTERWAHL INNSBRUCK: STICHWAHL/STIMMABGABE OPPITZ-PLOeRER (FI)
APA/EXPA/JOHANN GRODER

„Wegweisend“ für die Bundespartei

Der Sieg Willis kommt für die zuletzt arg gebeutelten Grünen zur rechten Zeit, hielten sie doch tags zuvor in Linz ihren Neubeginn-Kongress ab. Da bedeutet so ein Erfolg durchaus ein leichtes Aufatmen für die Partei, zumal sie vor zwei Wochen bei der Gemeinderatswahl ebenfalls als klarer Sieger hervorging. Bei der Nationalratswahl im Oktober hatten die Grünen in Innsbruck noch zwei Drittel ihrer Wähler verloren. Daher schätzte Bundessprecher Werner Kogler den Sieg zwar als persönlichen ein – als „herausragenden Erfolg einer herausragenden Person“. Aber: „Willi hat den Beweis erbracht, wie es gehen kann“, sagte Kogler. Und dieser sollte „wegweisend“ für die Grünen sein.

Zur Person

Georg Willi wurde am 6. Mai 1959 in Innsbruck geboren. Nach Gymnasium und einem Lehrgang an der Handelsakademie studierte er in Innsbruck Ökologie und Rechtswissenschaften. Von 1989 bis 1994 war er für die Vereinten Grünen im Innsbrucker Gemeinderat. Nach der Einigung zwischen VGÖ und Grüner Alternative wechselte Willi 1994 als Klubobmann in den Tiroler Landtag. Willi blieb bis 2013 für die Grünen im Tiroler Landtag, bis 2012 war er auch ihr Klubobmann. 2013 wechselte er in den Nationalrat und kehrte im vergangenen Jahr zurück, um Bürgermeister zu werden. Zur großen Liebe des leidenschaftlichen Wanderers zählt die Musik: Er ist als Sänger und Chorleiter tätig. Willi ist verheiratet und Vater eines Sohnes.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 07.05.2018)

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