SPÖ startet Mitgliederbefragung

Künftig könnte es zu Urabstimmungen über Koalitionen kommen.

Parteichef Christian Kern (hier am 1. Mai 2018) will die sozialdemokratische Basis künftig mehr mitreden lassen.
Parteichef Christian Kern (hier am 1. Mai 2018) will die sozialdemokratische Basis künftig mehr mitreden lassen.
Parteichef Christian Kern (hier am 1. Mai 2018) will die sozialdemokratische Basis künftig mehr mitreden lassen. – (c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Wien. Im Oktober will die SPÖ bei einem Parteitag ihr neues Programm und ihre Parteireform absegnen. Vorher befragt sie aber noch ihre rund 150.000 Mitglieder, ob sie mit den zentralen Punkten einverstanden sind. Dass diese zustimmen werden, dürfte recht wahrscheinlich sein: Räumt doch das neue Parteistatut den SPÖ-Mitgliedern wesentliche Rechte ein.

Die auffälligste Änderung: Über Koalitionsabkommen sollen künftig die Parteimitglieder entscheiden. Notwendig ist eine Beteiligung von 20 Prozent der Mitglieder an der Abstimmung, sonst entscheidet der Bundesparteirat. Diese Neuerung ist nicht unumstritten: Der frühere SPÖ-Klubchef Josef Cap wendet sich massiv dagegen (siehe Interview).

 

Bindende Abstimmung

Auch sonst wird die Position der Mitglieder gestärkt. Zehn Prozent der Mitglieder können die Durchführung eines Mitgliederentscheids verlangen. Der ist bindend, wenn zumindest 20 Prozent der SPÖ-Mitglieder an der Abstimmung teilgenommen haben. Eine Mitgliederbefragung können schon fünf Prozent initiieren, die müssen aber aus drei verschiedenen Organisationseinheiten, zum Beispiel Bundesländer, kommen.

Für Funktionäre wird es dagegen schwieriger: Die Ausübung eines Mandats ist sowohl für bereits Aktive als auch für Neue grundsätzlich auf zehn Jahre – also im Normalfall auf zwei Perioden – beschränkt. Die Ausnahme: Mit einer Zweidrittelmehrheit im zuständigen Gremium ist auch eine weitere Periode möglich. Damit will die SPÖ-Spitze eine laufende Auffrischung sicherstellen und Bequemlichkeit durchbrechen.

Und auch eine Anhäufung von Ämtern will man zurückdrängen: Mandatare mit Mehrfachbezügen sollen künftig höhere Solidaritätsabgaben an die Partei leisten müssen.

SPÖ-Mitglieder können nun bis 29. Juni online oder per Post an der Abstimmung teilnehmen. Laut Bundesgeschäftsführer Max Lercher handelt es sich nicht nur um „No-Na-Fragen“. Die Frage zur Abstimmung über künftige Koalitionsabkommen ist für den Bundesgeschäftsführer etwa ein „echter Paradigmenwechsel“ in der SPÖ.

Mit einer Ablehnung von Teilen der geplanten Parteireform rechnet Lercher nicht. „Ich gehe nicht davon aus, dass es ein Nein gibt, aber man sollte nicht vorgreifen und sich zu sicher sein.“ Dass das SPÖ-Verhältnis zur FPÖ in der Mitgliederbefragung nicht eigens angesprochen wird, begründete Lercher damit, dass es zum einen den SPÖ-Kriterienkatalog für die Zusammenarbeit mit anderen Parteien gebe und die Frage FPÖ ohnehin Thema einer Abstimmung über Koalitionsabkommen wäre.

 

Abendessen mit Christian Kern

Mitgliederbefragungen sind in der SPÖ nicht bindend, der Parteivorstand hat laut Lercher aber beschlossen, die Befragung zur Parteireform als bindend anzunehmen. Ziel ist es, dass zumindest 20 Prozent der Mitglieder teilnehmen. In den kommenden Tagen erhalten alle Mitglieder Info-Pakete zugesandt. Als Anreiz für die Teilnahme gibt es ein Rafting-Wochenende und ein Abendessen mit SPÖ-Chef Christian Kern zu gewinnen. (maf)

("Die Presse", Print-Ausgabe, 16.06.2018)

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