Causa Schrott: Rücktritt nach Fake-Gewinnspiel

Der ÖVP-Abgeordnete Dominik Schrott legt nach massiven Vorwürfen alle politischen Funktionen zurück, beteuert aber weiter seine Unschuld.

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Screenshot Facebook – (c) Facebook/ Schrott

Wien/Innsbruck. Der umstrittene Tiroler ÖVP-Nationalratsabgeordnete Dominik Schrott hat die Konsequenzen aus den Vorwürfen gegen ihn gezogen und am Sonntag sein Mandat sowie alle weiteren öffentlichen Funktionen zurückgelegt. Die öffentliche Diskussion und die „massive mediale Berichterstattung“ seien eine schwere Belastung für ihn und seine Familie gewesen, erklärte Schrott.

Schrott, auch Landesparteichef der Jungen ÖVP, beteuerte aber weiter seine Unschuld: Er sei überzeugt, dass die anstehende rechtliche Klärung zu einer vollständigen Entlastung führen werde. „Ich habe mich nie meiner Verantwortung entzogen und hätte gern die Chance bekommen, meine persönliche Integrität unter Beweis zu stellen.“ Er wolle jedoch nicht, dass „unsere Reformbewegung aufgrund dieser Beschuldigungen an Glaubwürdigkeit verliert“. Die vollständige Aufklärung der „massiven Vorhaltungen“ sei ihm „weiterhin ein großes Anliegen“.

Fake-Gewinnspiel

Vergangene Woche wurde bekannt, dass ein Gewinnspiel, das Schrott im Vorzugsstimmenwahlkampf für die Nationalratswahl veranstaltet hatte, manipuliert worden war. Der Hauptpreis, eine Jahreskarte für die Tiroler Skigebiete, ging an ein Fake-Profil. Schrott machte dafür seine Werbeagentur verantwortlich, mit der er allerdings eng verbunden war: Bis zur Wahl war er selbst Angestellter der Agentur, danach beschäftigte er den Agenturchef als parlamentarischen Mitarbeiter.

Ein zweiter Vorwurf betraf den von Schrott gegründeten Verein „Tiroler Kinderwelt“. Dieser bekam 24.000 Euro Förderung vom Land Tirol und beauftragte damit Schrotts Agentur, eine App für Wandern mit Kindern zu erstellen. Allerdings: Der Auftrag wurde vor einem Jahr – also während des Nationalratswahlkampfs – erteilt, die App gibt es bis heute nicht.

Die Affäre sorgte auch schon für tiefe Zerwürfnisse innerhalb der Tiroler ÖVP. Der Wirtschaftsbund kritisierte nicht nur Schrott, sondern auch die Landesrätin und ÖAAB-Politikerin Beate Palfrader, die die Subvention an den Abgeordneten – der neben der Jungen ÖVP auch dem ÖAAB angehört – bewilligt hatte.

Für Schrott rückt die Tiroler ÖVP-Bundesrätin Elisabeth Pfurtscheller in den Nationalrat nach.

("Die Presse", Print-Ausgabe, 27.08.2018)

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