Radikalisierung in Grazer Moscheen?

Autor Shams U-Haq bewegte sich undercover in Grazer Moscheen. Die steirische Polizei und der Landesverfassungsdienst nennen Behauptungen U-Haqs "überholt", Stadtrat Kurt Hohensinner ist von der Zahl der genannten Moscheen überrascht.

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Kurt Hohensinner ist Grazer Integrationsstadtrat. (Symbolbild) – GEPA pictures

"Eure Gesetze interessieren uns nicht!" nannte der pakistanisch-deutsche Autor Shams Ul-Haq sein aktuelles Buch über Moscheen in Österreich, Deutschland und der Schweiz, in denen er mit falscher Identität unterwegs war. Ul-Haq beschreibt darin seine Wahrnehmung "'moderner' Hassprediger": Sie würden nicht zum Dschihad aufrufen, sondern würden die Gläubigen gezielt in die jeweils gewünschte Richtung eines radikalen Islam lenken. "Ausgesprochen versierte Psychologen" seien diese Prediger.

In Österreich hielt sich Ul-Haq - der sich auch schon als vermeintlicher Flüchtling in deutsche Asylaufnahmezentren eingeschmuggelt hatte - sechs Monate lang in Graz auf. Konkret besuchte er Moscheen Tawhid in der Herrgottwiesgasse, Subul El Salman in der Großmarktstraße und die afghanische Moschee in der Ungergasse. Die Stadt habe sich zu einem Hotspot der radikalen Islamistenszene entwickelt, meint Ul-Haq. Die radikalen Moscheen seien teils nicht offiziell geführt, seien meist nicht anderes als Hinterzimmer. Die Gläubigen würden in Kombination von Koran- und Islamunterricht sowie im Rahmen des Abend- und Nachtgebets radikalisiert.

Österreichische Gesetzgebung "lachhaft"

Das größte Problem ist Ul-Haq zufolge der Unterricht für Kinder: "Denn sie sind nun mal die nächste Generation, und je nachdem, welches Weltbild ihnen vermittelt wird, werden sie innerhalb unserer Gesellschaft ihren Platz finden - oder auch nicht." Er sei überrascht von den vielen Jugendlichen gewesen, die sich in der afghanischen Moschee aufgehalten hätten: "Männer, die ihr Geld mit Drogenhandel und Prostitution verdienen, die allein schon durch ihre Lebensumstände und Lebensgeschichten ein hohes Gefährderpotenzial darstellen und in engem Kontakt zur afghanischen Moschee stehen." Dies sei gesellschaftspolitisch "eine Art leicht entzündlicher Molotow-Cocktail".

Die Haltung der türkis-blauen Bundesregierung in Österreich begrüße Ul-Haq grundsätzlich, aber: Eine "zu einseitige Vorgehensweise" könne auch dazu führen, dass die Situation nochmals verschärft werde, anstatt verbessert. Sei Attest: Die österreichische Gesetzgebung sei "lachhaft". Schade findet er, dass sich viele Grazer verschlossen geben: "Die Leute müssen sich öffnen. Die Probleme muss man zusammen anpacken, darüber reden und lösen."

"Privatmeinung des Autors"

Ul-Haqs Graz-Recherchen ließen auch die örtliche Politik aufhorchen. Dass der Autor von insgesamt über 20 Moscheen in der steirischen Landeshauptstadt schreibe, verwundere ihn, meint etwa Kurt Hohensinner (ÖVP), seit 2014 Grazer Integrationsstadtrat, gegenüber der "Kleinen Zeitung" und "Antenne Steiermark". Von Polizei und Verfassungsschutz wisse man von rund 15 Moscheen. Hohensinner sieht die Bundespolitik in der Verantwortung: Man solle nicht auf ein weiteres Buch warten, ehe man gegen Radikalisierung vorgehe. Die Stadt müsse unterdessen verbindende Angebote für die Gesellschaft schaffen.

Der Landespolizeidirektion Steiermark und dem steirischen Landesverfassungsdienst ist das Buch naturgemäß auch bekannt. Die Aussagen seien aber die "Privatmeinung des Autors". Manche Behauptungen seien bereits überholt. Die Vereine und Moscheen würden überwacht, doch über die Taktik werde naturgemäß keine Auskunft gegeben.

>> Bericht in der "Kleinen Zeitung"

(Red./APA)

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