Othmar Karas: "Schwarzer" Europäer jubelt über türkisen Platz 1

Er gilt als selbstbewusst und spröde: Der 61-Jährige ÖVP-Spitzenkandidat schreckt vor Kontroversen mit seiner Partei nicht zurück.

Es gab kein Vorbeikommen an ihm: Othmar Karas. Der 61-jährige Europamandatar führte die ÖVP neuerlich als Spitzenkandidat bei der EU-Wahl. Und das, obwohl er immer wieder von der neuen türkisen Linie, die Obmann Sebastian Kurz vorgibt, abwich. Auch im Wahlkampf erklärte der selbsternannte "glühende Europäer" mehrfach: "Wer Karas will, muss Karas wählen." Ein Appell, dem die Österreicher folgten - ob seinetwegen, oder aus anderen Gründen, ist noch unklar. Fest steht: Sie kreuzten so oft ÖVP an, dass die Volkspartei ihr bestes Resultat bei EU-Wahlen erzielte.

APA/GEORG HOCHMUTH

Dass Karas, der von 1995 bis 1999 ÖVP-Generalsekretär war und seit 1999 dem EU-Parlament angehört, heuer bereits zum zweiten Mal (nach der Premiere 2014, als er 82.875 Vorzugsstimmen erzielte) die Position des Spitzenmanns übernommen hat, war damals wie heute keine Selbstverständlichkeit. Ihm wird nicht die beste Gesprächsbasis zu Kanzler Sebastian Kurz nachgesagt.  Schon 2014 verband ihn mit dem damaligen ÖVP-Chef Michael Spindelegger wenig. Als Außenminister gefiel es diesem nämlich nicht, dass Karas ihm von Brüssel aus in die Parade fuhr, etwa als er ein vom Parteiobmann angedachtes Veto gegen das EU-Budget scharf kritisierte.

(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Nicht so weit zurück liegen die Fehden, die Karas in den vergangenen Monaten mit der aktuellen Parteiführung ausgetragen hat: Die von der (mittlerweile zerbrochenen, damals aber noch intakten) türkis-blauen Bundesregierung forcierte Kürzung der Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder etwa hält er für EU-rechtswidrig. Kritisch sah er auch, dass Österreich den UNO-Migrationspakt nicht unterzeichnet hat.

 

REUTERS

Auch mit der FPÖ ficht Karas regelmäßig Sträuße aus. Vergangenen Sommer etwa hatte der blaue Generalsekretär und Europamandatar Harald Vilimsky EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ein Alkoholproblem unterstellt, woraufhin Karas Vilimskys Äußerungen als "einer Regierungspartei unwürdig" bezeichnete und eine Entschuldigung verlangte.

Die Fehde mit Vilimsky besteht schon über Jahre, im Wahlkampf 2014 etwa bezeichnete der FPÖ-Politiker Karas als "EU-Pfarrer".

APA/HERBERT NEUBAUER

Ohnehin fühlte sich Karas, der als selbstbewusst und spröde gilt, in der Vergangenheit oft nicht ausreichend geschätzt. Genau das sorgte aber für seinen persönlich wohl größten Karriere-Erfolg: Als der damalige ÖVP-Chef Josef Pröll Ernst Strasser als Spitzenkandidat vorzog, lancierte Karas einen Vorzugsstimmen-Wahlkampf, der fast 113.000 Personen zu einem Kreuz hinter seinem Namen motivierte.

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Trotzdem durfte Karas nicht Delegationsleiter werden, was aber alsbald korrigiert werden musste, als Strasser in der Lobbying-Affäre aufflog und seinen Sitz im Europaparlament räumen musste. Seither ist Karas die unumstrittene Nummer 1 der ÖVP-Mandatare und als einer der 14 Vizepräsidenten des Parlaments auch außerhalb des österreichischen Dunstkreises eine größere Nummer, was er etwa bei den Verhandlungen um die Banken-Union bewies.

Die Presse

Einen Namen hat der studierte Politikwissenschafter freilich auch in Österreich schon seit langem. Karas saß schon als Twen im Nationalrat, war Obmann der Union Höherer Schüler, Chef der Jungen ÖVP sowie unter Wolfgang Schüssel Generalsekretär der Volkspartei.

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

1995 verzichtete Karas mit Antritt des Postens des Generalsekretärs auf den scharf kritisierten Bezug einer Versehrtenrente, die ihm nach einem Autounfall zustand. Seither gilt Karas als Mann mit weißer Weste, als kompetenter Sachpolitiker und europäischer Musterschüler, dem die EU tatsächlich ein Anliegen ist. Dass das für ordentliche Wahlergebnisse reichen kann, hat Karas am Sonntag jetzt zum zweiten Mal bewiesen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Zur Person

Karas wurde am 24. Dezember 1957 in Ybbs an der Donau als Sohn eines Bezirksschulinspektors und einer Volksschuldirektorin geboren. Politische Tätigkeit als Obmann der ÖVP-nahen Union Höherer Schüler und der Jungen ÖVP. Von 1983 bis 1990 Abgeordneter zum Nationalrat, ab 1995 ÖVP-Generalsekretär, seit 1999 Mitglied des Europaparlaments. Karas ist verheiratet mit der Tochter von Ex-Bundespräsident Kurt Waldheim, Christa, und hat einen Sohn.

(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)
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Es gab kein Vorbeikommen an ihm: Othmar Karas. Der 61-jährige Europamandatar führte die ÖVP neuerlich als Spitzenkandidat bei der EU-Wahl. Und das, obwohl er immer wieder von der neuen türkisen Linie, die Obmann Sebastian Kurz vorgibt, abwich. Auch im Wahlkampf erklärte der selbsternannte "glühende Europäer" mehrfach: "Wer Karas will, muss Karas wählen." Ein Appell, dem die Österreicher folgten - ob seinetwegen, oder aus anderen Gründen, ist noch unklar. Fest steht: Sie kreuzten so oft ÖVP an, dass die Volkspartei ihr bestes Resultat bei EU-Wahlen erzielte.

APA/GEORG HOCHMUTH

Dass Karas, der von 1995 bis 1999 ÖVP-Generalsekretär war und seit 1999 dem EU-Parlament angehört, heuer bereits zum zweiten Mal (nach der Premiere 2014, als er 82.875 Vorzugsstimmen erzielte) die Position des Spitzenmanns übernommen hat, war damals wie heute keine Selbstverständlichkeit. Ihm wird nicht die beste Gesprächsbasis zu Kanzler Sebastian Kurz nachgesagt.  Schon 2014 verband ihn mit dem damaligen ÖVP-Chef Michael Spindelegger wenig. Als Außenminister gefiel es diesem nämlich nicht, dass Karas ihm von Brüssel aus in die Parade fuhr, etwa als er ein vom Parteiobmann angedachtes Veto gegen das EU-Budget scharf kritisierte.

(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)

Nicht so weit zurück liegen die Fehden, die Karas in den vergangenen Monaten mit der aktuellen Parteiführung ausgetragen hat: Die von der (mittlerweile zerbrochenen, damals aber noch intakten) türkis-blauen Bundesregierung forcierte Kürzung der Familienbeihilfe für im Ausland lebende Kinder etwa hält er für EU-rechtswidrig. Kritisch sah er auch, dass Österreich den UNO-Migrationspakt nicht unterzeichnet hat.

 

REUTERS

Auch mit der FPÖ ficht Karas regelmäßig Sträuße aus. Vergangenen Sommer etwa hatte der blaue Generalsekretär und Europamandatar Harald Vilimsky EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker ein Alkoholproblem unterstellt, woraufhin Karas Vilimskys Äußerungen als "einer Regierungspartei unwürdig" bezeichnete und eine Entschuldigung verlangte.

Die Fehde mit Vilimsky besteht schon über Jahre, im Wahlkampf 2014 etwa bezeichnete der FPÖ-Politiker Karas als "EU-Pfarrer".

APA/HERBERT NEUBAUER

Ohnehin fühlte sich Karas, der als selbstbewusst und spröde gilt, in der Vergangenheit oft nicht ausreichend geschätzt. Genau das sorgte aber für seinen persönlich wohl größten Karriere-Erfolg: Als der damalige ÖVP-Chef Josef Pröll Ernst Strasser als Spitzenkandidat vorzog, lancierte Karas einen Vorzugsstimmen-Wahlkampf, der fast 113.000 Personen zu einem Kreuz hinter seinem Namen motivierte.

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

Trotzdem durfte Karas nicht Delegationsleiter werden, was aber alsbald korrigiert werden musste, als Strasser in der Lobbying-Affäre aufflog und seinen Sitz im Europaparlament räumen musste. Seither ist Karas die unumstrittene Nummer 1 der ÖVP-Mandatare und als einer der 14 Vizepräsidenten des Parlaments auch außerhalb des österreichischen Dunstkreises eine größere Nummer, was er etwa bei den Verhandlungen um die Banken-Union bewies.

Die Presse

Einen Namen hat der studierte Politikwissenschafter freilich auch in Österreich schon seit langem. Karas saß schon als Twen im Nationalrat, war Obmann der Union Höherer Schüler, Chef der Jungen ÖVP sowie unter Wolfgang Schüssel Generalsekretär der Volkspartei.

(c) APA/GEORG HOCHMUTH (GEORG HOCHMUTH)

1995 verzichtete Karas mit Antritt des Postens des Generalsekretärs auf den scharf kritisierten Bezug einer Versehrtenrente, die ihm nach einem Autounfall zustand. Seither gilt Karas als Mann mit weißer Weste, als kompetenter Sachpolitiker und europäischer Musterschüler, dem die EU tatsächlich ein Anliegen ist. Dass das für ordentliche Wahlergebnisse reichen kann, hat Karas am Sonntag jetzt zum zweiten Mal bewiesen.

(c) Die Presse (Clemens Fabry)

Zur Person

Karas wurde am 24. Dezember 1957 in Ybbs an der Donau als Sohn eines Bezirksschulinspektors und einer Volksschuldirektorin geboren. Politische Tätigkeit als Obmann der ÖVP-nahen Union Höherer Schüler und der Jungen ÖVP. Von 1983 bis 1990 Abgeordneter zum Nationalrat, ab 1995 ÖVP-Generalsekretär, seit 1999 Mitglied des Europaparlaments. Karas ist verheiratet mit der Tochter von Ex-Bundespräsident Kurt Waldheim, Christa, und hat einen Sohn.

(c) APA/HELMUT FOHRINGER (HELMUT FOHRINGER)