Islam-Diskussion: „Ich bekenne mich zur Intoleranz“

Der neue FPÖ-Thinktank diskutiert über islamischen Antisemitismus. Es gibt keinen friedlichen und liberalen Islam, sagt der Autor Michael Ley.

Vizekanzler Strache, Publizist Henryk M. Broder und der Obmann der 'Türkischen Kulturgemeinde in Österreich' Birol Kilic
Vizekanzler Strache, Publizist Henryk M. Broder und der Obmann der 'Türkischen Kulturgemeinde in Österreich' Birol Kilic
Vizekanzler Strache, Publizist Henryk M. Broder und der Obmann der 'Türkischen Kulturgemeinde in Österreich' Birol Kilic – APA

Wenn Vizekanzler Heinz-Christian Strache ein „Denkwerk“ gründet und über Zukunftsthemen diskutieren will, dann überrascht nicht sonderlich, dass als erstes gleich einmal über den Islam gesprochen wird. Genauer gesagt, geht es um islamischen Antisemitismus. Der Politikwissenschafter Michael Ley, der ein Buch zu dem Thema geschrieben hat und aufgrund seiner Anknüpfungspunkte zu den Identitären umstritten ist, fungiert als Stargast.

Eine ausgewogene Diskutantenrunde haben die Veranstalter aufgrund von Absagen nicht zustande gebracht: Gekommen sind neben Ley und Strache die islamkritische Autorin Laila Mirzo, der wortgewaltige Publizist Henrik M. Broder und als einziger Gegenpol der Obmann der türkischen Kulturgemeinde in Österreich, Birol Kilic. Der Diskussionsleiter, „Presse“-Chefredakteur Rainer Nowak, verspricht angesichts der Zusammensetzung, das „linke Krokodil“ zu spielen.

Dem Publikum im Wiener Kursalon Hübner gefällt aber genau die Zusammensetzung. Ley erhält lautstarken Applaus, als er vor den Gefahren des Islam warnt und keinen Unterschied zwischen Islam und Islamismus gelten lassen will. „Der Begriff Islamismus ist eine Erfindung der europäischen Gutmenschen“, es gebe keinen friedlichen und liberalen Islam; dieser sei eine totalitäre Ideologie, ausgerichtet auf Islamisierung und Vernichtung des Judentums.

Kilic versucht zurechtzurücken: Zitate in dem Buch seien falsch und aus dem Zusammenhang gerissen, außerdem eine manipulative Auswahl aus den mehr als 6000 Koranversen. Und das Cover des Buches sei reine Manipulation: Es zeigt das Bild des „Wandernden Juden“ – ein typisch antisemitisches Bild, das allerdings gar nichts mit dem Islam zu tun hat. Das muss auch Ley zugestehen. Das sei ein Kunstgriff, aufgrund des Verbots bildlicher Darstellungen im Islam.

Star des Abends ist aber Henrik M. Broder, der mit etlichen Kalauern die Veranstaltung auflockert und vom Moderator sogar ob billiger Pointen gerügt wird. „90 Prozent der Besucher sind wegen mir hier“, gibt sich Broder selbstbewusst. Der Applaus des Publikums gibt ihm Recht.
Chefredakteur Nowak dagegen handelt sich Pfiffe und „Nowak-raus!“-Rufe ein, als er die Frage stellt, warum Broder denn die AfD-Politikerin Alice Weidel öffentlich umarmt habe. „Dazu wäre ich zu schüchtern, sie hat mich umarmt“, kontert Broder elegant.

Auch Broder warnt vor dem islamischen Antisemitismus und vor einer abendländischen Gesellschaft, die ihre eigenen Werte schon längt aufgegeben habe und vor dem Islam insgesamt. Ob zu den abendländischen Werten nicht auch die Toleranz gegenüber dem Islam gehört, fragt Nowak. „Ich bekenne mich zur Intoleranz“, sagt Broder unter großem Applaus. Toleranz funktioniere nur in hierarchischen Systemen gegenüber Untertanen.

Und Strache? Der Vizekanzler pocht darauf, dass der Islam eine Gefahr sei, auch wenn es nur um sechs Prozent der Bevölkerung geht. Denn schon mehr als die Hälfte der Wiener Volksschüler würden dem Islam angehören – wobei er das mit der Zahl jener verwechseln dürfte, die nicht Deutsch als Umgangssprache haben.

Islam nicht liberalisierbar?

Nowak versucht einen versöhnlichen Abschluss: Was könne man denn Gutes tun, um den liberalen Islam zu stärken? Ley will darauf nicht einsteigen: „Ein Totalitarismus ist nicht liberalisierbar.“ Aber auch Broder ist skeptisch: „Wenn wir wüssten, was wir tun könnten, hätten wir das längst gemacht.“ Und: „Das sind ja keine Deppen. Die müssen sich schon selber helfen.“

(maf)

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