Krankenkassen drehen ins Minus

Der Hauptverband der Sozialversicherungsträger prognostiziert für 2019 ein Defizit von 85 Millionen Euro. Eine Steigerung des Defizits sei aber nicht zu erwarten.

Krankenkassen drehen ins Minus
Krankenkassen drehen ins Minus
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Die Krankenkassen erwarten für heuer ein Defizit von 85 Millionen Euro. Das geht aus der am Freitag vom Hauptverband der Sozialversicherungsträger veröffentlichten Prognose hervor. Die Kosten für die Fusion der 21 Sozialversicherungen auf künftig fünf sind darin nur teilweise eingerechnet, erläuterte Hauptverbands-Chef Alexander Biach.

Er erwartet aber trotzdem nicht, dass sich das Defizit deshalb erhöhen wird. Eingerechnet sind die Fusionskosten für die Sozialversicherungsanstalten der gewerblichen Wirtschaft (SVA) und jene der Bauern (SVB), die zur Selbstständigen-Versicherung SVS zusammengeführt werden. Schon beschlossen wurden für die SVA sieben und für die SVB drei Millionen Euro.

Noch nicht enthalten sind die Fusionskosten der neun Gebietskrankenkassen, die zur Österreichischen Gesundheitskassen (ÖGK) zusammengeschlossen werden. Biach rechnet hier für heuer mit einer Million. Er geht aber davon aus, dass die Kassen dies aus eigener Kraft stemmen können und es deshalb zu keiner Erhöhung des Defizits kommen wird.

Überleitungsausschuss kommt im April

Für das nächste Jahr rechnet der Hauptverbands-Chef allerdings mit höheren Fusionskosten. Quantifizieren wollte er diese jedoch nicht. Das sei dann Aufgabe des Überleitungsausschusses, der mit 1. April seine Arbeit aufnehmen wird.

Eingerechnet in die 85 Millionen sind erste andere Auswirkungen der Kassenreform. So müssen die Kassen heuer zusätzlich 14,7 Millionen Euro für die Privatspitäler aufwenden. Und der Pauschalbetrag der AUVA für die Behandlung von Arbeitsunfällen wurde eingefroren, was weiter zehn Millionen Euro kostet.

Als weiteren Kostenfaktor führte Biach an, dass es trotz Ausgabenbremse auf Wunsch der Ärztekammer in einzelnen Fachgebieten deutlich erhöhte Ärztehonorare gebe. Dadurch steige das Honorarwachstum um rund 100 Millionen Euro.

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Von den neun Gebietskrankenkassen erwarten laut der Prognose heuer nur die Kärntner (plus 12,6 Millionen Euro) und die Steiermark (plus 11,9 Millionen) ein positives Ergebnis, im Burgenland rechnet man mit einem ausgeglichenen Ergebnis, alle anderen prognostizieren ein Minus.

Deutlich besser als ursprünglich erwartet ist dafür das vergangene Jahr gelaufen. Laut den vorläufigen Gebarungsergebnissen haben alle Krankenkassen 2018 insgesamt einen Überschuss von 105 Millionen Euro erzielt. Dabei war man im November noch von einem Plus von 40 Millionen und im Februar gar noch von einem Minus von 41 Millionen Euro ausgegangen. Biach führte dies auf die wesentlich bessere Konjunktur zurück, wodurch die Beitragseinnahmen um 0,8 Prozent besser als erwartet gelaufen seien. Außerdem seien die Ausgaben für die Ärzteverträge und die Leistungsharmonisierung nicht ganz so hoch wie angenommen ausgefallen.

(APA)

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