Musterschüler mit radikaler Vergangenheit

31.12.2010 | 11:39 |   (Die Presse)

Gute Seiten, schlechte Seiten – der Aufstieg des Johann „Joschi“ Gudenus ist eng mit jenem Heinz-Christian Straches verknüpft.

Johann „Joschi“ Gudenus (34) ist ein freundlicher, wohlerzogener junger Mann. Der höfliche Theresanium- und Jus-Absolvent mit Freude am Diskutieren hat die Diplomatische Akademie besucht, ist Vater eines einjährigen Buben und trägt einen bekannten Adelsnamen.

Johann „Joschi“ Gudenus ist allerdings auch Mitglied der Burschenschaft Vandalia (in dieser ist auch HC Strache), Couleurname: Wotan. Als Chef des Rings Freiheitlicher Jugend (RFJ) warnte er vor der drohenden „Umvolkung“ und warb für eine „Kondomsteuer“ zur Hebung der Geburtenrate. Sein Vater, John Gudenus, wurde wegen NS-Wiederbetätigung verurteilt, da er den Holocaust grob verharmlost hatte. Johann selbst trieb sich in den 90er-Jahren im rechts(außen-)intellektuellen Zirkel um den verstorbenen nationalkonservativen Vordenker Christian Böhm-Ermolli in der durch diesen radikalisierten FPÖ Alsergrund herum. Damals lernte er auch Heinz-Christian Strache kennen.

Nachdem er in seiner Jugend auch kurz mit kommunistischen Ideen und Symbolen kokettiert hatte („Aber nur um die Eltern zu provozieren – da war ich zwölf oder 13 Jahre alt“), entschied sich Johann Gudenus dann doch recht rasch, im Alter von 14 Jahren, für die FPÖ, die Partei seines Vaters, wegen seiner politischen Vorliebe ein Außenseiter im weitverzweigten Gudenus-Clan.

Patriotisch statt völkisch. Heute ist Gudenus junior Klubobmann der Wiener FPÖ und damit die Nummer zwei in der Wiener Parteihierarchie nach Heinz-Christian Strache. „Wir sind langjährige Mitstreiter – mit einer großen Vertrauensbasis“, sagt Gudenus.

Er selbst sei im Laufe der Jahre – wiewohl er an seinen politischen Zielen und Inhalten festhalte – gemäßigter geworden. „Jeder macht einen Wandel durch vom Jugendlichen zum Erwachsenen.“ Als Johann Gudenus 2003 sein Amt als RFJ-Chef angetreten war, hatte er noch eine „bodenständige, kantige und völkische Politik“ versprochen. Heute würde er es eine „bürgernahe, kantige und patriotische Politik“ nennen. Oliver Pink

("Die Presse", Print-Ausgabe, 01.01.2011)

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